45. Solothurner Filmtage: Unbeschwerte Unterhaltung und engagierte Dokumentarfilme

25.01.2010 Walter Gasperi

21.01.2010 bis 28.01.2010  Solothurner Filmtage

Während die bei den Solothurner Filmtagen gezeigten (deutsch)schweizer Spielfilme auf unbeschwerte Unterhaltung für ein großes Publikum setzen, fokussieren mehrere Dokumentarfilme auf den Problemen und der Not in den Ländern des Südens. – So engagiert letztere freilich sind, so lassen diese Filme doch vielfach eine überzeugende und aufregende filmische Form vermissen.


Mit Christoph Schaubs «Giulias Verschwinden» und Alain Gsponers «Lila, Lila» laufen bei den 45. Solothurner Filmtagen zwei Filme für die Martin Suter das Drehbuch bzw. die literarische Vorlage geliefert haben. Aber nicht nur diese Filme sind darum bemüht massentauglich zu sein, im besten Falle aber immerhin geschmackvoll und stilsicher inszeniert, sodass man sich dabei gut unterhalten kann.

Man versucht sich im Genrekino wie Mihaly Györik mit dem total misslungenen Horrorfilm «La valle delle ombre», Fréderic Mermoud mit dem Krimi «Complices» oder Ivan Engler mit dem atmosphärisch eindrucksvollen Science-Fiction-Film «Cargo». So bestechend und beklemmend Engler aber auch mit einem großartigen Set-Design und kalten Farben und Licht die klaustrophobisch-kalte Stimmung auf einem Raumschiff evoziert, so wenig kommt dieser Film auf der Handlungsebene über eine «Alien» oder «Lautlos im Weltall»-Variation hinaus. – Ironische Brechung oder einen anderen belebenden Tick Eigenheit sucht man hier vergeblich.

Dank einer von einem großartigen Bruno Ganz angeführten Starriege sorgt auch Wolfgang Panzers Verfilmung von Thomas Hürlimanns Roman «Der große Kater» für gute Unterhaltung. Wie Ganz einen Schweizer Bundespräsidenten spielt, der in einer enormen Imagekrise ebenso wie in einer privaten Krise steckt, und wie das politische Intrigenspiel genüsslich aufgedeckt wird, ist durchaus unterhaltsam anzuschauen, lässt aber doch in der filmischen Gestaltung an Einfallsreichtum und Biss vermissen, als dass dieser Film wirklich sich im Gedächtnis festhaken würde.

Engagierter geben sich da die in Solothurn präsentierten Dokumentarfilme, die den Blick vor allem auf Probleme der Länder des Südens richten. So beleuchtet Berni Goldblat in «Ceux de la colline» kommentarlos den Alltag in einer Zeltsiedlung um eine Goldmine in Burkina Faso und macht sichtbar, wie letztlich einzig Not die Menschen zum Verlassen ihrer Familie und zur Glückssuche an diesem tristen Ort bewegte. Wie nah Goldblat diesen Menschen kommt, sie dennoch aber nie voyeuristisch vorführt, das zeugt nicht nur von einem großen Vertrauensverhältnis zwischen Filmemacher und Porträtierten, sondern macht seinen Film auch bewegend.

Ein solches Nahverhältnis muss auch Lutz Konermann aufgebaut haben, der in «Dharavi, Slum for Sale» nicht nur das Leben in diesem Slum Mumbais, in dem 800.000 Menschen leben, schildert, sondern auch die Pläne zu dessen «Resanierung». Nüchtern und ohne jede Polemik stellt er das Slumleben den Plänen des den Neubau organisierenden Chefingenieurs gegenüber und lässt auch Aktivisten und Kritiker zu Wort kommen. Das ergibt ein vielschichtiges Bild. Wer aber letztlich in diesem Aufeinandertreffen von Hochfinanz und Slumbewohnern die Rechnung zahlen wird, macht der letzte Satz deutlich: «Es wird ein schöner Ort – für die Reichen.»

So wie freilich dieser Film trotz Eintauchen der Kamera in den Slum letztlich mehr von den Talking Heads und den ausführlichen durch den Film begleitenden Erläuterungen des Filmemachers lebt, so ist auch bei Mirjam von Arx' und Katharina von Flotows «Seed Warriors» von Arx' Herkunft vom Fernsehen kaum zu übersehen. Die Filmemacherinnen setzen sich mit der Frage auseinander, wie wir die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Nahrungsmittelproduktion auffangen können. Prognostizierte Temperatursteigerungen von 2° bis 2050 werden nämlich zu einem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion von mindestens 20% führen.

Man erfährt viel über die Anlage eines globalen Saatgut-Tresors in Nordnorwegen, um die Biodiversität zu erhalten, und geschickt werden zu dieser Schneelandschaft die ausgedörrten braunen Böden Kenias gegenübergestellt, die jetzt schon durch Niederschlagsmangel Einbussen bei der Nahrungsmittelproduktion hinnehmen müssen. Am wenigsten Schuld an der Klimaerwärmung werden die Länder des Südens dennoch hauptsächlich die Folgen zu spüren bekommen, ist eine der bitteren Erkenntnisse dieses Films. - So inhaltlich aufregend, wenn auch eine Straffung nicht schaden würde, das aber auch ist, so wenig kann die filmische Form überzeugen, denn mit den zahlreichen Talking Heads kommt dieser Film kaum auch dieser Film kaum über eine engagierte TV-Reportage hinaus.

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  • Cargo
  • Ceux de la colline
  • Der grosse Kater
  • Dharavi, Slum for Sale
  • Seed warriors
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