Drachenzähmen leicht gemacht

30.03.2010 Walter Gasperi

Statt die Drachen zu töten, die sein Dorf im hohen Norden gefährden, freundet sich der schmächtige Wikingerjunge Hicks mit einem besonders gefährlichen Exponenten dieser Species an. Ganz anders lernt er so das Fremde zu sehen und der Gewalt wird in diesem gewohnt liebevoll gemachten Animationsfilm aus dem Hause Dreamworks Versöhnung gegenüber gestellt. – Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.


Nicht lange gefackelt wird im neuen Streich aus dem Hause Dreamworks: Nach kurzer Vorstellung der am Rande der Welt gelegenen Wikingerinsel, ist die Dorfbevölkerung schon intensiv mit der Abwehr eines Drachenangriffs beschäftigt. Nur Hicks, der Sohn des Häuptlings, scheint dafür nicht zu taugen. Wenig hält man von seiner Schussmaschine, die er heimlich einsetzt – und tatsächlich eines der vermeintlichen Ungeheuer trifft.

Im Wald liegend findet er diesen schwarzen Drachen wenig später, will ihm mit seinem Messer endgültig den Garaus machen, erbarmt sich dann aber doch des Reptils, bringt ihm nicht nur Fische zum Essen, sondern baut ihm auch eine Prothese für die beschädigte Heckflosse. Während Hicks sich so mit dem Drachen, dem er den Namen Ohnezahn gibt, immer mehr anfreundet und bald auch turbulente Flugtouren unternimmt, schickt ihn der Vater andererseits ins Drachentöter-Training.

In alten Lehrbüchern liest der Junge da überall vom Töten, weiß aber seinerseits durch seine Bekanntschaft mit Ohnezahn bald, dass man einen Drachen auch mit einem Aal, gewissen Gräsern, Lichtreflexe oder geschicktes Kitzeln besiegen kann. Ganz selbstverständlich werden in der Parallelisierung der beiden Handlungen der Gewalt die Versöhnung und der neue Blick auf das bei näherer Betrachtung gar nicht so Böse, sondern durchaus nützliche Fremde einander gegenüber gestellt.

So deutlich freilich die Botschaft ist, dass der jahrhundertelange Kreislauf der Gewalt durchbrochen werden muss, so kippt «Drachenzähmen leicht gemacht» dann im Finale doch wieder in die Falle, Gewalt als Mittel der Konfliktlösung zu propagieren. Mit den Drachen mögen sich die Wikinger schließlich versöhnen und in der heiteren Schlussszene schließt sich der Kreis zum düsteren Beginn, doch nicht zu übersehen ist, dass dieser Zusammenschluss von Mensch und Tier erst durch die Bedrohung durch einen noch größeren Feind ermöglicht wurde. Und besiegt werden muss dieser in der Logik des Films dann doch wieder mit roher Gewalt, die sogar an eine Atombombenexplosion denken lassen kann.

Diese Kampfszenen am Schluss bieten natürlich wie schon die Flugszenen davor Potential für spektakuläre Action, die in 3D noch um Einiges aufregender aussehen dürfte als in 2D. Wenn Hicks mit der toughen Astrid, für die er schwärmt, die ihrerseits aber für das Weichei vorerst wenig übrig hat, auf dem Drachenrücken zwischen nebelverhangenen Felstürmen hindurch fliegt, können ebenso wie im Kampf der Welten und im Vermittler zwischen diesen Erinnerungen an «Avatar» aufkommen. Und in der Figurenkonstellation mit den rauen Wikingern, deren Oberarmumfang weit mehr misst als Hicks Taille, und dem körperlich schwachen, aber einfallsreichen Jungen ist freilich auch «Wickie und die starken Männer» nicht fern.

Doch trotz dieser Parallelen oder Einflüsse sind Chris Sanders und Dean DeBlois in ihrer freien Adaption der Kinderbücher von Cressida Cowell im Gegensatz zu zahlreichen Animationsfilmen der letzten Jahre nicht an postmodernem Zitatenkino interessiert. Da gibt es keine gelehrten Anspielungen, an denen sich Erwachsene erfreuen können, sondern klassisch, ganz auf der Höhe von Kindern ab etwa zehn Jahren, aber auch für Erwachsene höchst unterhaltsam wird temporeich in liebevoller und detailreicher Figurenzeichnung die Fabel einer ungewöhnlichen Freundschaft, von den Chancen der Zusammenarbeit scheinbar gegensätzlicher Kräfte und zumindest im ersten Teil von der Überwindung von Feindbildern durch Annäherung an das Fremde erzählt.

Läuft am Samstag, den 12.6. und am Sonntag, den 13.6. um 16.10 Uhr im Cineplexx Hohenems (in 3D)

Trailer zu «Drachenzähmen leicht gemacht»


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