Que tan lejos

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Die Ecuadorianerin Tania Hermida begleitet in ihrem ersten Spielfilm zwei Frauen auf ihrer Reise von Quito durchs Andenhochland nach Cuenca. Es geht nicht um eine dramatische Handlung, sondern ums Unterwegssein an sich und die Begegnungen, die dabei den Blick auf Land und Leute, aber auch auf sich selbst verändern.

Esperanza ist soeben mit dem Flugzeug in Quito angekommen. Ein Off-Kommentar stellt sie als 1979 geborene Spanierin vor und liefert einige Auskünfte zu ihrer Familie. Teresa ist drei Jahre jünger, stammt aus der Andenstadt Cuenca und studiert in der Hauptstadt lateinamerikanische Literatur. Im Bus nach Cuenca treffen sich die beiden Frauen, sitzen zufällig nebeneinander: Die Spanierin neugierig mit ihrer Kamera alles filmend, die Sitznachbarin anquatschend, um zu erfahren, welches Buch sie denn da liest - vor allem aber wohl um ein Gespräch zu beginnen.

Teresa ist dagegen zurückhaltend, verschlossen. Während Esperanza nur die Sehenswürdigkeiten interessieren, ist Teresas Motiv in ihre Heimatstadt zurückzukehren einen Freund - oder ist es ihr Freund? - von der Hochzeit mit einer anderen abzuhalten.

Weit bringt die beiden Frauen die Busfahrt aber nicht, da aufgrund eines Streiks die Straßen blockiert sind. Als Teresa aussteigt und beschließt per Autostopp weiter zu reisen, schließt sich Teresa ihr an. Zuerst nimmt sie ein seltsames Touristenzügchen mit, dann zwei Fernsehjournalisten mit einem Pickup. Dazwischen gibt es aber immer wieder Pausen, in denen Teresa und Esperanza am Straßenrand sitzen und miteinander reden.

Da kommt dann auch – wie ein Geist aus dem Nebel auftauchend – der fast 20 Jahre ältere Hippie Jesus (ungepflegt, mit langen Haaren und Bart), der die Urne seiner Großmutter bei sich trägt, die er bei Cuenca in den Fluss streuen will. Und später wird sie der reiche junge Andres, Macho und Wirtschaftstyp, ein Fußballfan mit seinem edlen Allrad-Cruiser mitnehmen. Begegnungen – auch diese beiden Männer werden von der Off-Erzählerin prägnant vorgestellt – sind das, die nicht dauerhaft sind, aber im Denken der Figuren immer etwas in Bewegung setzen.

Geradlinig ist das erzählt, die Reise verläuft aber nicht gerade, sondern macht auch mal einen Schlenker an die Küste. Keine dramatische Steigerung gibt es hier, wichtiger sind das Unterwegssein an sich und die Begegnungen. Und die Einbettung der Geschichte in den Raum, wobei auch die zentralen Städte von der Off-Erzählerin mit Erläuterungen zu ihrer Geschichte kurz vorgestellt werden. Die Vulkane wie Cotopaxi und Chimborazo, derentwillen Esperanza die Busfahrt unternimmt, sieht man gar nicht, da sie im Regen passiert werden, dafür die in satte Farben getauchten, agrarisch genützten Andenhochflächen oder alltägliche Szenen. Da wird Esperanza bei ihrer Ankunft von einem Taxifahrer übers Ohr gehauen, ein Mädchen versucht Teresa an der Bushaltestelle durch Verkauf von Kaugummis reinzulegen oder beim Stopp in Alausi ist für die Verkäuferin des Gemischwarenladens eine Telenovela das wichtigste im Leben («Lügen der Liebe»).

Vor allem liegt der Blick auf den vier unterschiedlichen Menschen und wie im zitierten Satz von Octavio Paz «Der Sinn findet sich nicht im Text, er ist außerhalb», erzählt auch Hermida über das Gezeigte und das Sichtbare hinaus, vor allem von inneren Bewegungen, vom Aufbruch, der durch das Reisen und die Begegnungen ausgelöst wird.

Da ändert sich in diesem wunderbar beiläufigen, nichts besonders betonenden und von liebevollem Humor durchzogenen Film dann unter dem Einfluss der Einheimischen auch der Blick Esperanzas auf das Land vom Touristischen aufs Alltägliche und Teresa wiederum wird unter dem Einfluss der Touristin gelöster.

Irgendwie geht es da immer weiter, nicht nur auf der äußeren Reise, sondern auch bei der persönlichen Lebensreise. Folglich ist dann am Ende des Films auch nichts gelöst, nichts wirklich fertig, sondern die Figuren, auf die Hermida voll Empathie blickt verlieren sich eben irgendwie und der Zuschauer kann selbst darüber sinnieren, wie es weitergehen wird.

Wird vom FKC Dornbirn am Donnerstag, den 5.8.. um 19.30 Uhr und am Freitag, den 6.8., um 21.30 Uhr in den Weltlichtspielen Dornbirn gezeigt (span. O.m.U.)

Trailer zu «Que tan lejos»



 

Que tan lejos
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