Kunstverein Ulm zeigt A.R. Penck
| 31.10.10 | Aktuelle News | |
Zentral im künstlerischen Schaffen von A.R. Penck war seine Beschäftigung mit Wissenschaften wie Mathematik und Kybernetik, Anthropologie und Geologie. Um das Bildzeichen eines Strichmännchens herum entwickelte der Künstler ein Zeichensystem, dessen Chiffren und Figuren beim Betrachter Assoziationen an prähistorische Höhlenmalerei wecken und zugleich in der Konzentration auf das Wesentliche in abgekürzter Zeichensprache den Anspruch einer komplexen Darstellung von Strukturen der heutigen Welt erfüllen soll. Im Rahmen seiner Klassiker-Reihe zeigt der Kunstverein Ulm jüngere Druckgrafik des Künstlers in verschiedenen Techniken sowie Plastiken aus Bronze. Der Künstler A.R.Penck ist ein Phänomen. Als Ralf Winkler geboren und unter diesem Namen und verschiedenen Pseudonymen bis 1980 in der DDR tätig, entwickelte er ein umfangreiches, zum Teil experimentell-kooperatives, Oeuvre in Zeichnung, Malerei, Plastik und Film, das jüngeren Ostkünstlern als Referenz diente. Ab 1968 wurden seine Arbeiten auch im Westen Deutschlands bekannt. Von dem Eiszeitforscher Albrecht Penck, mit dessen Werk er sich beschäftigt hatte und in dessen wissenschaftlicher Methodik er Parallelen seiner eigenen analytischen Vorgehensweise in der Kunst erkannte, entlehnte er den Namen und fügte den Anfangsbuchstaben seines Vornamens in dieses Pseudonym ein. Dreimal wurde sein Werk auf der documenta in Kassel gewürdigt: 1972 im Rahmen der «Individuellen Mythen» auf der documenta 5 als künstlerische Einzelposition, sowie 1982 im Rahmen der sich abzeichnenden neo-expressiven Strömungen (Stichwort: Neue Wilde) und 1992, als Jan Hoet eine documenta entwarf, die er als eine bewusste und persönliche Stellungnahme der Künstler «zu unserer Zeit» formulierte. So schuf Pencks Kunst einen Bezugsrahmen, der auch für jüngere zeitgenössische Künstler wirksam werden konnte. In diesem Zusammenhang werden zum Beispiel Jonathan Meese, André Butzer oder Andreas Hofer genannt. Obwohl Penck die Druckgrafik schon früh als Ausdrucksform für sich erkannte, sind es doch die fortgeschrittenen siebziger Jahre, von denen aus sich sein druckgrafisches Werk hauptsächlich entwickelt. In dieser Zeit etwa beginnt auch sein plastisches Werk, ausgehend von einer mit großer Kraft ausgeführten Holzskulptur. Holz ist auch das Ausgangsmaterial für seine später in Bronze gegossenen, zum Teil sehr kleinformatigen Skulpturen, die durch die Transformation des Materials eine spezifische Aura erhalten. Anhand der in Ulm gezeigten Grafiken und Plastiken können sich die Betrachter einen Überblick über die Themen und Motive Pencks verschaffen. Die Werke nehmen Bezug zu der vom Künstler entwickelten und in einer eigenen Theorie untermauerten Standart-Figur, zu seinen Weltbildern, aber auch zum Selbstporträt und seinen Tierfiguren, die gelegentlich mit einer symbolischen Bedeutung hinterlegt sind. Anhand der Werke können biografische und persönliche Ereignisse, die zum Bildanlass wurden, nachvollzogen werden. Das können explizite Verweise auf Künstler sein, mit deren Werk sich Penck beschäftigte, Hinweise auf seine Tätigkeit als Musiker, aber auch die Thematisierung politischer Ereignisse wie die Teilung Deutschlands oder der mentalen Verarbeitung der Ausbürgerung aus der DDR und einer als Emigration gefühlten Umsiedlung nach England, später Irland im Laufe der achtziger Jahre. A.R. Penck - Druckgrafik und Plastik Kunstverein Ulm Kramgasse 4 A -89073 Ulm T: 0049 (0)731 66258 F: 0049 (0)731 62840 E: info@kunstverein-ulm.de W: http://www.kunstverein-ulm.de Öffnungszeiten: | |
