ART Innsbruck: «Op Art meets Camera obscura»
| 03.01.11 | Aktuelle News | |
Die 15. ART Innsbruck (vom 3. bis 6. Februar 2011) wartet mit einer Sonderschau über die Faszination optischer Täuschungen und kinetischer Phänomene in der Kunst von Victor Vasarely und Ludwig Wilding und einer von Ype Limburg in den Ausstellungsraum hineingebauten begehbaren Camera obscura auf. Strahlenoptik und optische Täuschung sind dieses Mal die vermeintlich konträren aber letztlich eben doch wahlverwandten Ingredienzien der Jubiläums-Sonderschau, für deren Konzeption und Gestaltung Art-Chefin Johanna Penz erneut den engagierten Innsbrucker Galeristen Clemens Rhomberg gewinnen konnte. Mit den Arbeiten von Op Art-Mitbegründer Victor Vasarely und einigen ausgesuchten Objekten von Ludwig Wilding knüpft die Sonderschau zugleich auch an die Gründungsidee der Innsbrucker Kunstmesse an, die sich bei ihrer ersten Auflage vor 15 Jahren noch «Editions of Art» nannte. Denn ebenso wie die Innsbrucker Kunstmesse in ihren Anfängen Druckkunst und Editionen in den Vordergrund rückte, postulierte Vasarely bereits 1955 in seinem «Gelben Manifest» zur Gruppenausstellung «Le Mouvement» das Kunstwerk als einen Prototypen mit den Eigenschaften Wiederholbarkeit und serielle Vervielfältigbarkeit und forderte zudem eine über die Kunst hinausreichende Anwendbarkeit seiner Formen ein. Vasarely selbst erfüllte diese seine Vorgaben mit akribischer Konsequenz. Alle seine Bilder und Skulpturen basieren auf standardisierten Grundformen und Farben, die von ihm immer wieder neu zusammengesetzt wurden. Sein Formenvokabular umfasste dabei Quadrate, Rauten, Dreiecke, Kreise, Stabformen, welche er auch farblich stets so anordnete, dass sie im Betrachter den Eindruck einer flirrenden und oszillierenden Bewegung erzeugen. Dieses formvollendete und raffinierte Spiel mit kinetischen Effekten und optischen Täuschungen macht auch den besonderen Reiz von Vasarelys Kunst aus. Ausgehend von der bei Vasarely geforderten offenen Anwendbarkeit von künstlerischen Ausdrucksformen und der zeitlosen Sehnsucht des schöpferischen Menschen nach dem Erfassen und Reproduzieren von optischen Eindrücken war es für Ausstellungsmacher Clemens Rhomberg nur folgerichtig, mitten in den Sonderschauraum hinein auch eine begehbare Camera obscura zu stellen. Der ursprünglich aus den Niederlanden stammende und schon seit zwanzig Jahren in Innsbruck lebende Künstler Ype Limburg wird diese Camera obscura für die ART Sonderschau bauen. Bei der Camera obscura, die gemeinhin als technische Vorläuferin des Fotoapparates gilt, handelt es sich um einen dunklen Raum oder Behälter, an dem jeweils an einer Seite mittig ein kleines Loch angebracht ist, durch welches Licht in den Raum einfallen kann. Durch diese Lichtöffnung werden Objekte, die sich vor dem Behältnis befinden, auf der gegenüber liegenden Seite des Raumes auf dem Kopf stehend abgebildet. Das Prinzip dieser Camera obscura oder Lochkamera hat bereits Aristoteles erkannt. Die ersten Lochkamera-Versuche werden aber gemeinhin dem Araber Alhazen um 980 n.Chr. zugeschrieben. Seit dem Spätmittelalter wurde die Camera obscura erst von Wissenschaftlern für die Beobachtung von Sonnenflecken und Himmelsphänomenen und später zunehmend auch von Künstlern für die detailgenaue Beobachtung und Nachbildung von Objekten und Landschaften genutzt. Gerade an den jüngsten Arbeiten von Ype Limburg, welche die Sonderschau ergänzen, lässt sich gut ersehen, dass die technischen und visuellen Möglichkeiten der Camera obscura auch zeitgenössische Künstler nach wie vor in ihren Bann schlagen. Die von Clemens Rhomberg gestaltete Schau «Op Art - Die Kunst der Täuschung» ist vom 3. bis 6. Februar 2011 als große Jubiläums-Sonderschau der ART Innsbruck in der Innsbrucker Messehalle 4 zu sehen. | |
