Florian Pumhösl - 678

26.05.2011

04.03.2011 bis 29.05.2011  MUMOK

Das medienübergreifende Werk des österreichischen Künstlers Florian Pumhösl (geb. 1971) fand in den vergangenen Jahren breite internationale Anerkennung. Die Personale 678 im MUMOK bietet ihm nun die Möglichkeit erstmals mehrere neue Arbeiten in einem musealen Rahmen zu installieren.


Im Zentrum von Florian Pumhösls jüngster Produktion stehen abstrakte Filme und Malerei und ihre Interaktion mit dem Raum. Charakteristisch für seine Arbeitsweise ist die Bezugnahme auf Bildkonzepte der historischen Avantgarden, wobei ihn dabei die Möglichkeiten der Übertragung und Fortführung in die Gegenwart beschäftigen. Florian Pumhösl bringt das abstrakte Formenvokabular der Moderne mit historischen Problemstellungen und politischen Ereignissen in Verbindung und konfrontiert es mit den zeitgenössischen Bedingungen des Ausstellens.

Seine Ausstellung 678 besteht aus drei neuen Arbeiten — einem umfassenden Bilderzyklus («Diminution») und zwei Filminstallationen («Expressiver Rhythmus» und «Tract»). Auf Ebene 8 des Museums ist parallel zu Pumhösls Personale unter dem Titel «Abstrakter Raum» eine erweiterte Neuaufstellung der Klassischen Moderne zu sehen, die der Künstler gemeinsam mit Kurator Matthias Michalka zusammengestellt hat.

Die 48-teilige Bilderserie «Diminution» besteht aus ungerahmten Hinterglasmalereien gleichen Formats, die direkt vor den Galeriewänden hängen und den Raum durch ihre Abstände rhythmisieren. Der Titel “Diminution” ist aus der musikalischen Kompositionslehre entlehnt, in der er die Wiederholung und Verkleinerung eines Motivs bezeichnet. Bezogen auf die Geschichte der Malerei geht es in Pumhösls Bilderzyklus um eine Veranschaulichung der Möglichkeiten der Abstraktion im Portrait, d.h. um die Behauptung, letztlich ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen mit stark reduzierten Gestaltungskomponenten darstellen zu können.

Die jeweils 2 bis 6-teiligen Gruppen abstrakter Lackmalereien zeigen einfache Anordnungen von schwarzen Kurven und Linien. Diese sind meist um eine leicht geneigte Zentralachse herum organisiert. Innerhalb der Gruppen werden diese gemalten Konfigurationen variiert und zurückentwickelt, wobei sie keiner formalen oder mathematischen Logik folgen. Die Tendenz zur Diminution lässt sich in Bezug auf Pumhösls Bilderserie auch auf deren materielle und räumliche Eigenschaften beziehen und auf das Verständnis von Geschichte und Bild übertragen.

Die Filminstallation «Expressiver Rhythmus» basiert auf der Idee, ein abstraktes Bild als Ausgangspunkt für einen Film zu verwenden. Florian Pumhösl bezieht sich dabei auf eine gleichnamige Gouache von Alexander Rodtschenko, die 1942/43 entstand, als dieser nach nahezu einem Jahrzehnt wieder begonnen hatte zu malen. Rodtschenkos Bild ist eine frappante Vorwegnahme von Jackson Pollocks Malstil und ein solitäres Zeugnis der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen gestischer Abstraktion, Automatisierung und Trauma. In den frühen 1930er Jahren schuf Rodtschenko in Karelien (Nordwestrussland) illusionslose Fotografien leerer Landschaften und verästelter Vegetation, die den direkten visuellen Bezugspunkt für Pumhösls filmische Auseinandersetzung liefern. Die Filminstallation «Expressiver Rhythmus» ist ein Dialog zwischen Fragmenten aus der Natur Kareliens und aus Kompositionen von Charles Ives, in denen sich Pollocks Natur- und Abstraktionsauffassung an einem früheren Punkt der Geschichte erkennen lassen.

Florian Pumhösls zweite Filminstallation «Tract» beschäftigt sich mit Tanznotationen und deren Beziehung zur räumlichen Erfahrung im abstrakten Film und im modernen Ausstellungsraum. «Tract» ist ein abstrakter Animationsfilm, der auf die Wand eines ansonsten leeren Ausstellungsraums projiziert wird. Während ein farbiges Bildfeld auf der Architektur einen abstrakten Handlungs- oder Bewegungsraum markiert, definieren elementare Zeichen und animierte Linien die Figur, und die elementaren Bewegungen, die in frühbarocken Tanznotationen als «Tracts» bezeichnet wurden.


Katalog: «Florian Pumhösl. 678». Mit Texten von Eric de Bruyn, Jaleh Mansoor und Matthias Michalka sowie einem Gespräch zwischen
Florian Pumhösl und Matthias Michalka. Dt. / eng. Ausgabe, 152 Seiten, ca. 120 Farb-Abb. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln. ISBN 978-3-902490-84-1, ca. EUR 29,-

Florian Pumhösl - 678
4. März bis 29. Mai 2011

MUMOK
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
T: 0043 (0)1 52500
E: info@mumok.at
W: http://www.mumok.at


Öffnungszeiten

Montag 14 – 19 Uhr
Di bis So 10-19 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr

 


  • Florian Pumhösl, 'Expressiver Rhythmus', 2010/11. Filminstallation, 29 min, 35 mm, Farbe. Kamera: Hannes Böck, Musik: Marino Formenti; Produktion: MUMOK. Courtesy: Krobath, Galerie Daniel Buchholz, Lisson Gallery; © Florian Pumhösl
  • Florian Pumhösl, 'Expressiver Rhythmus', 2010/11. Filminstallation, 29 min, 35 mm, Farbe. Kamera: Hannes Böck, Musik: Marino Formenti; Produktion: MUMOK. Courtesy: Krobath, Galerie Daniel Buchholz, Lisson Gallery; © Florian Pumhösl
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