Freudscher Kleiderkasten

02.04.2011

Der Autor stellt seinen 12 sehr unterschiedlichen Erzählungen diese Bemerkung voran: «Handlungen und Namen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit realen Personen oder Ereignissen wäre rein zufällig.» Was die Namen betrifft, stimme ich Wolfgang Glechner gerne zu. Aber die Handlungen?


Hier agieren die verschiedensten Charaktere dermaßen logistisch, dass der geneigte Leser, die geneigte Leserin gar nicht umhin kann, die genüsslich gemalten Eigenartigkeiten in sich selbst oder in Personen des Freundes- oder Bekanntenkreises wieder zu erkennen.

Der ganz normale Wahn – Sinn eben; vielleicht erfunden, möglicher Weise empfunden, eventuell auch gefunden. Das Ganze zubereitet mit ausgesprochen schöner Wortwahl, mit Augenzwinkern und mit bisweilen epischer Breite, die die wohlgesinnte Rezensentin immer wieder an Sten Nadolnys «Die Entdeckung der Langsamkeit» erinnerte – was als Kompliment zu verstehen sein möge.

Natürlich berühren nicht alle Erzählungen gleich stark, zu divers sind die Themen, doch handelt es sich bei jeder einzelnen um ein feines Kabinettstückchen, Cabaret mit typisch österreichischem, wienerischem Einschlag. Alles in allem ein vergnügliches Werk für Menschen mit Sinn für Humor, Skurrilitäten und Neugier. Ein kleines aperçu sei mir noch zum Abschluss gestattet: «Se non è vero, è ben trovato!» *) Elisabeth Zahlmayer

*) «Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.» - sprichwörtlich nach Giordano Bruno


Wolfgang Glechner: Der schwer erziehbare Kleiderkasten des Dr. Freud. Erzählungen. 152 Seiten, Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2011, ISBN 978-3-90241-622-3

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