Der Mandant - The Lincoln Lawyer
| 05.07.11 Walter Gasperi | Filmriss | |
![]() Den Gerichtsfilm erfindet Brad Furman mit seiner Verfilmung von Michael Connellys Bestseller nicht neu, aber ein sehr smarter, stilsicher inszenierter und hervorragend gespielter Genrefilm, der bestens unterhält, ist ihm mit «Der Mandant» allemal gelungen. Gespür für Stil und filmisches Erzählen beweist Brad Furman schon mit dem Vorspann, wenn zu einem stimmungsvollen Song im Splitscreen die Prozessvorbereitungen des Anwalts Michael Haller (Matthew McConaughey) auf dem Rücksitz seiner Lincoln-Limousine, die sein Büro ist, gemixt mit Stadtansichten von Los Angeles gezeigt werden. Geschmeidig ist der Schnitt, dicht die Informationsfülle. Nicht nur L.A. als Ort der Handlung wird hier vorgestellt, sondern vor allem Haller, der sich von seinem afroamerikanischen Fahrer quer durch die Stadt von einem Gerichtssaal zum nächsten fahren lässt und als aalglatter Winkeladvokat weniger in den Prozessen als vielmehr mit Deals und kleinen Geschenken auf Gängen und in Büros das Bestmögliche für seine Klienten heraus holt. Nicht gerade die Crème de la Crème der Gesellschaft vertritt Haller, sondern eine drogensüchtige Prostituierte, eine Motorradgang oder ein Kleindealer – lauter Typen eben, die sonst mit einem Pflichtverteidiger vorlieb nehmen müssten. Völlig überraschend soll er dann aber den stinkreichen jungen Playboy Louis Roulet (Ryan Phillippe) verteidigen, der wegen Vergewaltigung und brutalem Mordversuch angeklagt ist. Roulet beteuert seine Unschuld und Haller ist schon dabei ihm zu glauben, als er entdeckt, dass sein Mandant ihn ganz gezielt ausgewählt hat und er Teil eines teuflischen Plans ist. Wie ein entfernter Nachkomme von Raymond Chandlers Philip Marlowe wirkt Haller teilweise und «Der Mandant» ein bisschen wie eine moderne Version von «The Big Sleep». Wie einst Humphrey Bogart wird Matthew McConaughey nämlich in einen Fall verwickelt, aus dem er sich kaum mehr herauswinden kann. Ein klassisches Film noir-Motiv ist auch der kleine Detektiv - oder hier eben Anwalt -, der sich im Netz einer einflussreichen Familie, bei der in diesem Fall eine dominante Mutter die Fäden zieht, verheddert. Anwaltliche Schweigepflicht und berufliche Loyalität binden Haller aber an Roulet, andererseits muss er erkennen, dass er vor Jahren einen schweren Fehler gemacht hat. So kommen beim Anwalt nicht nur Schuldgefühle auf, sondern auch die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zunehmend. Viel Vergnügen bereitet es zuzusehen, wie Furman die Handlung rasant und voller Wendungen vorantreibt. Trocken und knapp sind die Dialoge, perfekt gecastet die SchauspielerInnen. Da brilliert nicht nur McConaughey in der Hauptrolle und Ryan Philippe als sein Mandant, sondern auch die Neben- und Kleinstrollen von Roulets Mutter über Hallers Ex-Frau (Marisa Tomei) und seinen Ermittler (William H. Macy), bei dem unweigerlich Assoziationen an die TV-Serie «Ein Fall für zwei» wach werden, bis zu einzelnen Zeugen, dem Staatsanwalt oder Polizisten sind perfekt besetzt. Nicht auf Action wird hier gesetzt, sondern auf geradezu altmodische Tugenden wie eine sorgfältig konstruierte Geschichte und starke Figuren. Dazu kommen ein treibender Soundtrack und eine sehr schnittige, elegante Erzählweise. Über die bekannten Muster des Gerichtsfilm geht «Der Mandant» zwar nicht hinaus, bietet aber doch einerseits sehr smarte Unterhaltung und andererseits auch einen Einblick in die amerikanische Gerichtspraxis, bei der es mehr um außergerichtliche Deals zwischen Anklage und Verteidigung als um Gerechtigkeit zu gehen scheint. Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems Trailer zu «Der Mandant - The Lincoln Lawyer» | Der Mandant - The Lincoln Lawyer |

