Ciorans Hitlerei

16.07.2011 Haimo L. Handl

Im Suhrkamp Verlag wurden nun erstmals auf deutsch die in den Dreißigerjahren auf rumänisch publizierten Texte aus und über Deutschland des rumänisch-französischen Autors E. M. Cioran (8. April 1911 - 20. Juni 1995) publiziert. In der Verlagsankündigung als auch auf dem Umschlag ist zu lesen: «Was die Leser nach der Veröffentlichung fast aller Werke auf deutsch vor allem interessiert, ist der braune Fleck auf der Weste des berühmten Pessimisten. Ciorans Deutschlandartikel zeigen ihn vor.»


Höchst ungewöhnlich eine derartige Legitimation. Sie sagt mehr über den Verlag und seine Publikationspolitik und das herrschende Rezeptionsklima aus, als über die Leser, von denen behauptet wird, sie seien daran interessiert.

Andererseits ist die Wortwahl vage, ungenau und etwas irreführend: Es stellt nicht nur einen braunen Flecken dar, was der Hitlerbegeisterte damals äußerte, er ist nicht nur ein berühmter Pessimist, sondern ein Misanthrop und, belegbar, Menschenverächter. Der Ankündigungssprache und üblich gewordenen Etikettierung liegt eine eigentümliche Tradition zugrunde, die z.B. bei Louis-Ferdinand Céline sich heute entgegengesetzt äußert, die bei eigentlich nicht vergleichbaren Autoren und Werken (Grass, Walser) rigider aburteilt, obwohl es keine gleichwertigen Verfehlungen gibt. Bei Cioran wirkt eine frühe Begeisterung nach aus den Zeiten der unkritischen Linken der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Diese unkritische Haltung zeichnet auch die Einführung in Ciorans Werk von Richard Reschika aus, die 1995 bei Junius erschien. Doch Reschika ist in «guter» Gesellschaft, hat doch die allseits bekannte, berühmte amerikanische Feministin und Linkstheoretikerin Susan Sontag 1967 in ihrem Aufsatz «Wider sich denken: Reflexionen über Cioran» (publiziert in ihrem zweiten Essayband «Styles of Radical Will» – die deutsche Übersetzung ist im Band «Im Zeichen des Saturn» (1981) zu finden (die amerikanische Ausgabe «Under the sign of Saturn» erschien 1980) praktisch eine begeisterte Hagiographie geliefert. Sie gab den herrschenden Eindruck, die Lobpreisung des als anti-bourgeois begrüßten Autors wieder. Damals wurde alles, was antibürgerlich war, akklamiert, ohne lange nachzufragen, welchen Geistes das war, woher es kam, wohin es führt usw. Wichtig war die Antihaltung. Diese extrem verkürzte Sicht wog dann Menschenverachtung auf, die man nur beim ausgewiesenen Feind sah, kehrte Negatives in Positives um, solange es ideologisch brauchbar zu deuten war. Damals lieferten die Chefdeuter, die ungestüm ihre Deutungshoheit exekutierten, die Grundlagen für einige Verschiebungen und Verzerrungen, die heute noch die Rezeption bestimmen, nicht zuletzt bei Cioran. Dass ein klein wenig sich in der Zwischenzeit geändert hat, indiziert aber der peinliche Legitimationstext durch den Verlag.

Ich bin gegen Zensur. Auch wenn ich ein Werk ablehne, trete ich dafür ein, dass es publiziert werden können soll. Allerdings brauche ich keine besonderen Legitimationen dafür. In einer offenen, freien Gesellschaft soll freie Kommunikation möglich sein. Dass ein Verlag zu solch hahnebüchenen Formulierungen findet, beweist ein Heruntergekommensein an öffentlicher Kommunikation.

Auch das bisherige Werk des gepflegten Herrn aus Paris liefert genügend Material zum Befund eines abgrundtiefen Hasses, einer widersprüchlichen Menschenverachtung, einer opportunistischen, oft inszenierten Verzweiflung, einer tiefsitzenden Misanthropie. Wer des Rumänischen kundig ist, konnte bisher schon sich über die antisemitische, hitlerische, nazistische Haltung, die der Autor damals, bevor er Asyl in Paris suchte, deutlich pflegte und äußerte, ein klares Bild machen. Wer auf die Übersetzungen angewiesen war bzw. nur die Schriften zu lesen vermochte, die Cioran auf französisch dann schrieb, bekam immerhin eine Ahnung dieser dunklen Kehrseiten, dieser Verachtung, die weit mehr als braunfleckig war und ist. Um das Negative an Cioran auszumachen, braucht es eigentlich nicht die Übersetzung dieser Beiträge. Aber sie komplettiert sein Werk auf deutsch, und das sollte ohne weiteres möglich sein.

Was man hier liest, zeigt schwarz auf weiß, wie Führergefolge aus jemandem einen Anti macht. Damals war’s der Antisemitismus auf der einen, der Nazismus als Gefolgschaft auf der anderen Seite. Peinlich, wenn man sich klar macht, dass der Unterschied zu den konkreten Nazis nur darin besteht, dass diese «handelten», aktiv waren, während der Spießer Cioran in Worten und Bildern schwelgte, die er später zu vergessen trachtete. Aber es war der gleiche Untergrund, die gleiche Basis der Verklemmung, der Entrüstung, des Ressentiments, des Hasses, des Deliriums.

Auf dem Buch «Die verfehlte Schöpfung» von Cioran, das 1969 in Frankreich erschien und 1973 in deutscher Übersetzung im Wiener Europa Verlag, werben einige bekannte Namen für den Meisterdenker:
«Eine neue Art des Philosophierens: persönlich (sogar autobiografisch), aphoristisch, lyrisch, anti-systematisch. Cioran ist heue die hervorragendste Figur dieser Tradition des Schreibens. Susan Sontag
Der besondere Wert Ciorans besteht darin, dass er aus vollem Herzen sogar am Zweifel selber zweifelt. Kein Zeitalter sollte ohne einen solchen Menschen auskommen. Melvin Maddocks
E. M. Cioran ist einer der kühnsten und heftigsten Belastungszeugen, die je erschienen sind im Laufe des endlosen Prozesses zwischen den Menschen und der Welt oder Gott. Gabriel Marcel
Nun, dieser Belastungszeuge ist heute mehr denn je belastet durch seine eigenen Zeugnisse braunen Schwulstes, brauner, dreckiger Arierart, Führerfolgschaft und Aburteilung der Unteren, der Nichtmenschen, jener, um die es nicht schade ist, dass man sie vertilgt.

Die tiefe Verwandtschaft dieses Antiintellektuellen, der die Vernunft abqualifiziert und Aufklärung als lebensfeindliche Gefahr verurteilt, mit den Unvernünftigen, den Ekstatikern, ist unübersehbar. Um so verwunderlicher, dass der Kern dieses Denkens systematisch übersehen wurde. Das gibt zu denken!

Sollen einen die widerlichern Äußerungen des Mitläufers aufregen, ärgern, entrüsten? Wenn ’s hilft. Interessanter erscheint mir zu erkunden, worin die Begeisterung lag. Es muss ein Faszinosum gewesen sein, das sich nicht nur durch eine Person erklären lässt, nicht nur »aus der Zeit« etc.

In dem Band »Über Deutschland« sind Aufsätze aus den Jahren 1931 bis 1937 abgedruckt. Wir finden Artikel über Künstler und Philosophen, über Deutschland, seine Kultur, seine Politik, seinen Auftrag, seine Ethik, seine Erfolge usw. Auch über Sexualmoral räsoniert der Autor und beweist seine Verklemmtheit auf peinliche Weise. Sie ergänzt das Bild, das wir von ihm kennen, vom Freier, der die Huren wie Waren konsumiert, der bespuckt, was ihm diente. Natürlich kommt auch das Christentum ins Blickfeld, Internationalismus und Universalismus, Diktatur und Verzicht auf Freiheit.

Vieles war bekannt, aber noch nie so eindeutig vor Augen liegend. Die Artikel belegen die fatale Seite der Irrationalisten, der Anti als Vernunftkritiker, Vernunftversager, als glühende Enthusiasten, als, würde man heute sagen, »Bauchmenschen«. Dem ganzen unterliegt eine Art Todeskult, ein Dauerton von »viva la muerte«, wie er alle Fanatiker der Vernichtung, des Hasses kennzeichnet. Man könnte Ciorans Auswüchse auch als Früchte eines nicht beherrschten Nihilismus bezeichnen, der es eben in seiner Nietzschenachfolge nicht wie sein Vorbild schaffte, die Umwertung der Werte als Antwort auf den Nihilismus zu verstehen. Cioran bleibt Epigone; auch darin schafft er nicht jene Denkhöhe, die ein anderer Irrender, der aber Philosoph war und blieb, Heidegger, erklommen hatte. Während bei Heidegger Weniges ausreicht, um ihn als Nazi abzustempeln, wiewohl keine mit Cioran vergleichbare Negativität festzumachen ist, wird bei Cioran die Nachbarschaft, der gemeinsame Grund der Inhumanität, der perversen Misanthropie verdeckt, geleugnet oder ignoriert. Dabei durchzieht bei Cioran die Begrüßung des Dämons, der Unvernünftigkeit alle wesentlichen Äußerungen. Interessant, dass einige Sätze »modern« klingen:
»Bei der Jugend mit der neuesten Ausbildung sind die Perspektive des Dynamismus des Lebens, die Verherrlichung von dessen Irrationalität und Beweglichkeit mit inbrünstiger Verzweiflung und quälendster Angst verknüpft. Nicht Schwärmerei, sondern Weltangst kennzeichnet die dramatische Anspannung der jungen Menschen. Ungewissheit der Gegenwart gemischt mit Zukunftsangst; ... die Angst angesichts einer dämonischen Welt verbunden mit einer wollüstigen Bejahung dieses Dämonismus; ein Empfinden des Nichts, das mit perverser Befriedigung die Erfahrung des Lebens mit derjenigen des Nichts verschränkt«.
»Uns jungen Menschen wird auf verhängnisvolle Weise mit allem zu brechen auferlegt. Freuen wir uns dieses bitteren Schicksals, das in der Weltgeschichte nur wenigen Generationen zuteil wurde.«
Lange hat sich der Begeisterte nicht gefreut. In Frankreich, das er aus Deutschland noch kritisiert hatte (»Ich hasse die Stimmung in Frankreich wegen der Selbstzufriedenheit, der Ausgeglichenheit und der Verkalkung, die sie bis zum Überlebtsein unzeitgemäß macht«.) kritisierte er dann Deutschland, indirekt ein wenig seine Begeisterung. Die Zeiten hatten sich geändert und das glorifizierte Vorbild war halt doch zerbrochen. Was blieb, waren die düsteren, dunklen Gedanken, die nun von den Antibürgerlichen, den Antifaschisten, aufgenommen und beklatscht wurden. Cioran musste nur ein wenig den Hals drehen, den Kopf wenden...

In Deutschland damals war er im Kern des Geschehens, voll bei der Sache: »Es nötigt Bewunderung ab, wenn man sieht, wie ein Regime, um sein Dasein zu rechtfertigen, das Recht verändert, die Religion umwandelt, der Kunst eine andere Richtung gibt, eine andere Perspektive der Geschichte konstruiert, drei Viertel der anerkannten Werte brutal beseitigt, rasend verneint und dabei vor Enthusiasmus pulst.«
»Im gegenwärtigen historischen Augenblick ziehe ich dem Rationalismus der demokratischen Politik den barbarischen, explosiven, fruchtbaren und beseelten Irrationalismus vor, der einen Sieg der Lebenskraft, des Elans und der verzweifelten Tat über die toten Formen, den Legalismus und den Juridismus anzeigt.«

Nun, diese positive verzweifelte Tat war so beseelt und lebendig, dass sie sich rasch im Tod, in der Vernichtung verzehrte. Diejenigen, die dabei als Material, als Drecksdinge, als Ungeziefer drauf gingen, hatten halt Pech. Cioran hatte sich nach Frankreich und ins Schreiben gerettet. Es galt ja der historische Augenblick. Cioran, der Augenblicksdenker.

Der Augenblick währte 1933 doch einige Zeit: »Ist nicht die Zeit gekommen, da wir mit allem aufräumen müssen, was kritischer Geist, Kalkül, Maß und Form ist?«. Ja, doch. Die Aufräumer müssen reinigen: Bücher verbrennen, Leute wegsperren, töten, verbrennen, tilgen. Das große Reinemachen. Später, in den Neunzigerjahren, wird wieder in Europa ein Reinigungsprogramm vonstatten gehen, die sogenannten »ethnischen Säuberungen«, und wieder werden viele das begrüßen oder abtun als Missverständnis, aus Kollateralschäden historischer Augenblicke...

»Wenn mir etwas an den Anhängern Hitlers gefällt, so ist es der Kult des Irrationalen, die Verherrlichung der Lebenskraft als solcher, das mannhafte Ausgreifen der Kräfte, ohne kritischen Geist, ohne Vorbehalte und ohne Beherrschung.«
Das Hohelied der Irrationalität. Die antiaufklärerische Haltung auf der Höhe der Zeit: hinweg mit Kultur, Humanismus, Rationalität! Her mit der bedenkenlosen Tat, der brutalen Kraftäußerung, des frei Unbeherrschten!
»Die Mystik des Blutes führte sie zum mystischen Kult der Erde als des Gegenpols zum Geist. Der Anschluß an die Erde oder, besser gesagt, die Teilhabe an der ewigen Fruchtbarkeit der Erde ist für die substantielle Einwurzelung in eine Nation notwendig. Daher die Verurteilung der verfeinerten und zersetzten Geister, der von Bodenlosigkeit Befallenen«...

Das alte Ideal mit seinem tiefen Hass gegen Rationalität und rationaler, aufgeklärter Bildung würde heute wieder von vielen begrüßt werden, da doch in vermeintlichem Respekt vor Religionen zutiefst inhumane irrationale Haltungen geschützt und gepflegt werden. Vielleicht steht Cioran eine neue Renaissance bevor?

Wer sagte so klar, schwarz auf weiß, worum es geht? Cioran sagte es. Erst deutlich, dann raunend. Damals, aus der Zeit der Deutlichkeit und irrationalen Klarheit: »Das Verdienst Hitlers besteht darin, einer Nation den kritischen Verstand geraubt zu haben. Man kann nur in dem Maße etwas vorantreiben, ein Brodeln hervorrufen, indem man den Menschen die Freiheit des Abstands zwischen sich selbst und ihnen raubt. Nur in ihrer Verführungskraft offenbart sich die Fruchtbarkeit einer Vision.« Das war 1934. In einem anderen Artikel führte er damals aus: »Der Humanismus ist weniger als eine Illusion und der Pazifismus bloß politische Masturbation. ... Da heißt es: Niemand hat das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen, niemand hat das Recht, Blut zu vergießen, niemand darf über das Leben eines anderen verfügen! Der Mensch ist ein Wert an sich usw. usf. ... Aber ich will jedermann fragen: Was hat die Menschheit verloren, wenn einigen Schwachsinnigen das Leben genommen wurde?« »Wir alle verursachen zu wenige Opfer, wir haben zu wenig Liebe und zu wenig Haß.« »Nicht jeder Mensch verdient, frei zu sein. Das Vorurteil der Freiheit für alle ist eine Schande.«

Die Nazis, die Arier, wussten, wessen Leben lebenswert und wessen lebensunwert war. Und handelten danach. Heute morden Mörder in ihrem Hass gegen Ungläubige, und deren Kritiker werden von Duslern als Hetzer diffamiert, weil ihre Religion nichts mit den Untaten einiger Weniger zu tun habe. Wie in alten Zeiten scheint sich die Kollaboration von Ungeist, Antiintellektualität, feige Beschwichtigung mit den Irrationalisten breitzumachen. Ist Cioran vielleicht modern?

Ein berühmter Rezensent, Fritz J. Raddatz, zeigte sich entsetzt über dieses Buch. Warum hat es ihn so überrascht? Ist seine vehemente Reaktion vielleicht eine Flucht, eine Art Selbstbestrafung, weil er früher den Kern dessen, das heute so offen daliegt, nicht zu sehen vermochte? Immerhin wechselte er im Gespräch mit Cioran 1986 Sätze, die damals schon bedenklich klangen:

FJR: Sie reden wie ein Aussteiger, ein bisschen wie ein Grüner: »zurück zur Natur«.
EMC: Für das Wesentliche ist die Kultur, ist die Zivilisation nicht notwendig.
FJR: Die Natur des Menschen ist unveränderbar, ist böse?
EMC: Nicht böse: verdammt. Der Mensch ist böse, das will ich glauben, aber das ist fast Nebensache. Der Mensch kann seinem Schicksal nicht entrinnen.

Und weil das Schicksal so mächtig ist, trägt ES die Verantwortung. Der Mensch ist nur Opfer, auch als Täter, da er ja seinem Schicksal nicht entrinnen kann, nicht einmal im Hass. Man muss die Täter bemitleiden, ihre Religion, ihr Rasen verstehen: sie tun es aus ihrer Art Liebe, als unwillkürlichen Lebensvollzug hin zum Tode: viva la muerte!

Im Gespräch mit Raddatz äußerte sich Cioran noch über seine gänzliche Unverantwortlichkeit. Diese wäre, wie sein Hass und seine Menschenverachtung, zu kontrastieren (gewesen) mit den Taten und Werken jener, die dem Ansturm des Irrationalen rechter (Faschismus, Nationalsozialismus) und linker (Stalinismus, Realkommunismus) Façon entgegenarbeiteten. Denn auch die gab es. Allzu schnell und allzu leicht wird oft so getan, als hätte die Zeit damals nichts Anderes erlaubt. Falsch. Damit folgt man bereits der Diktion des Opfertäters.

Wenn man jetzt so tut, als habe man das nicht wissen können, als habe man des Beweises durch diese Veröffentlichung bedurft, um klar erkennen zu können, täuscht man sich, betrügt oder belügt man sich. Der Verweis auf die vorliegende Schrift gerät damit zur Entlastung eigenen Denkens, dem früher der Kern des Inhumanen, wie es Ciorans Schriften auszeichnet, nicht aufgefallen war. Je peinlicher diese Feststellung gerät, desto dramatischer und vehementer lautet das Urteil.

Hinter all dem plakativ Bösen lauert aber ein tabuisiertes Problem: Die Frage, warum so viele dem Faszinosum des Irrationalen in Gestalt des Faschismus und Nationalsozialismus verfielen, bleibt unbeantwortet. Die gängigen Mutmaßungen überzeugen nicht. Wir pirschen um den heißen Brei. Etwas muss, ähnlich wie heute der Islamismus, die Zivilisationsmüden direkt angesprochen und begeistert haben, dass sie in der Rationalität nicht nur eine Bürde, sondern ein Verhängnis sahen, dass sie kritisches Denken als Sünde und Gefahr, als tödliche Schwächung, empfanden und nicht sahen, dass all ihr Irrationalismus selbst eine Krankheit zum Tode war.

Es ist eines, festzustellen, wie dieser Wendehals und unverantwortliche Opportunist Cioran seine Haltung begründet (z. B. im Interview mit François Bondy, publiziert in »Gespräche" 1972, worin er von der Eisernen Garde und seiner Position ein falsches, verzerrtes Bild liefert), ein anderes, zu lernen, woher solches Denken rührt, wohin es zielt. Wenn die neue, vorliegende Sammlung von Aufsätzen hilft, das Bild abzurunden, hat sie bereits Erfolg.

E. M. Cioran: Über Deutschland. Aufsätze aus den Jahren 1931-1937. Herausgegeben, aus dem Rumänischen übersetzt und mit einer Nachbemerkung versehen von Ferdinand Leopold. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2011; ISBN 978-3-518-42197-0

Aus: DRIESCH – Zeitschrift für Literatur & Kultur 6/2011

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