Cars 2

02.08.2011 Walter Gasperi

Sprechende Autos, auch Schiffe und Flugzeuge nur keine Menschen findet man im neuen Animationsfilm von Pixar. Gewohnt liebevoll und detailreich ist das gemacht, bietet viel Action und besitzt Aktualität in der Parteinahme für den Einsatz alternativer Energien, doch so wirklich ans Herz wachsen können einem die blechernen Protagonisten kaum.


Mit «Cars 2» feiert Pixar seinen 25. Geburtstag. 1986 wurde das Unternehmen von Steve Jobs gegründet, von Anfang an war auch «Toy Story»-Erfinder John Lasseter dabei, der auch bei diesem Sequel zum motorenstarken Animationsfilm von 2006 für die Regie verantwortlich zeichnet. Nach Kurzfilmen folgte 1995 mit «Toy Story» der erste lange Kinofilm – und das Zeitalter der computeranimierten Filme begann: Nach Hits wie der «Toy Story»-Trilogie, «Findet Nemo», «Ratatouille» «Wall-E» und «Up - Oben» macht «Cars 2» das Dutzend voll.

Zu jedem Pixar-Langfilm gehört freilich ein Kurzfilm. Mit «Urlaub in Hawaii» stellt John Lasseter den heulenden Motoren eine kleine, aber feine Geschichte mit den aus «Toy Story» bekannten Figuren voran. Weil das Mädchen Bonnie ihr Spielzeug nicht nach Hawaii mitgenommen hat, verwandeln Cowboy Woody, Captain Buzz Lightyear und Co. für das Liebespaar Ken und Barbie kurzerhand das Kinderzimmer in die Urlaubsinsel. Mag auch draußen der Schnee fallen, drinnen herrscht sommerliche Strandstimmung.

Wie gewohnt bei Pixar ist das liebevoll und detailreich gemacht, lässt schmunzeln, strahlt aber auch Wärme aus. Sichtlich schwer tut sich Lasseter letztere beim Hauptfilm zu entwickeln. Emotional etwas fern sind einem doch der rote Flitzer Lightning McQueen, sein Freund der rostige und zerbeulte Abschleppwagen Hook mit seinen Häsenzähnen und die anderen sprechenden Autos. Mögen sie auch noch so detailreich gestaltet sein, wunderbar unterschiedlich und jeder mit eigenem Charakter, mag auch im Kern ganz menschlich von Freundschaft erzählt werden, wirklich ans Herz wachsen einem diese Protagonisten kaum.

Fast – aber eben nur fast – wett gemacht wird dieser Mangel aber wieder durch Erzähltempo und Einfallsreichtum. Schier atemlos ist die Auftaktszene, in der ein britischer Geheimagent versucht auf einer Erdölplattform einen verbrecherischen Plan aufzudecken und nur mit knapper Not den Gegnern entkommt. Nicht nur in dieser Szene, sondern auch in Folge werden mit viel Liebe und Detailkenntnis die «James Bond»- und «Bourne»-Filme zitiert und in die Welt der Motoren übertragen.

Mit viel Action entwickelt Lasseter die Geschichte auf zwei Ebenen, lässt einerseits Lightning McQueen an dramatischen Rennen in Japan, Italien und London teilnehmen und verwickelt andererseits Lightnings Freund Hook in die Spionage- und Verschwörungsgeschichte. Die wechselnden Schauplätze von Radiator Springs, das in den rotbraunen Halbwüsten des Südwestens der USA liegt, über Paris und die italienische Riviera bis zur englischen Hauptstadt London boten den Machern die Möglichkeit hemmungslos ihrer Lust an detailreicher Animation zu frönen. Klassische Sehenswürdigkeiten werden eingebaut, der legendäre Stadtkurs von Monaco wird in Details kopiert, gleichzeitig wird aber alles mit erfundenen Momente versetzt.

Hinreißend ist auch wieder die Animation der unterschiedlichen Wagen, wenn Männchen auf Weibchen treffen, schnittige Sportwagen auf defektanfällige Kleinwagen. Da wirkt dann «Cars 2» freilich auch wie ein großer Werbefilm für Spielzeugautos und Computerspiele, denn letztlich werden diese Produkte Disney-Pixar mehr einbringen als die Kinoeintritte.

Und dennoch fehlt auch ein gesellschaftspolitisches Statement nicht, mit dem diese große Merchandising-Maschine inhaltlich auf der Höhe der Zeit ist. Denn in die flotte und perfekt geölte Unterhaltung, die auch eine smarte Hommage an die Agentenfilme der 60er-er Jahre bietet, verpacken Lasseter und sein Team auch eine entschiedene Abrechnung mit den Ölkonzernen und ein Plädoyer für die Entwicklung und den Einsatz alternativer Energien.

Läuft derzeit in den Kinos

Trailer zu «Cars 2»

weiterführende Links:

Cars 2

weiterführende Links:

Cars 2

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2014. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.