Die Reisende in Sachen "Indischem Flamenco"

04.01.2012 Rosemarie Schmitt

Als sie 1981 in London geboren wurde, war ihr indischer Papa bereits 61 Jahre alt. Erst zwei Jahre zuvor hatte ihm eine andere Frau in New York eine Tochter geboren. Nicht, daß er fremd gegangen wäre, nein, er kannte seine Lieben bereits seit vielen Jahren. Mit Sukanya Rajan, die ihm in London die Tochter gebar, lebt er nun in Kalifornien und ist seit 1989 mit ihr verheiratet.


Im April 2012 wird er seinen 92. feiern und es ist anzunehmen, daß er ruhiger geworden ist. Nun geben diese beiden Töchter Gas. Was ihnen ihr Vater Ravi Shankar mit ins Leben gab, war eine außergewöhnliche Musikalität und daß Norah Jones und ihre Halbschwester Anuoshka Shankar wunderschöne Frauen sind, verdanken sie zweifellos eher ihren Müttern.

Nun hat Anoushka Shankar, die wie ihr Vater meisterhaft das Sitarspiel liebt und beherrscht, ihr Debütalbum «Traveller» bei Deutsche Grammophon veröffentlicht. Es ist in der Tat ihr Album, denn alle Titel wurden von ihr selbst komponiert. Ihr Produzent für dieses Projekt ist der 1973 in Madrid geborene Gitarrist Javier Limón, der in den Genres Rock, Pop und Flamenco zuhause ist. So ist es nicht verwunderlich, daß das Album «Traveller» sehr stark von den Einflüßen des Flamencos geprägt ist, denn waren es doch die Inder, denen die Spanier den Flamenco verdanken! Sie glauben mir etwa nicht?

So glauben Sie vielleicht Javier Limón: «Vor langer Zeit, ungefähr vor 800 Jahren, kamen die Vorfahren der Gitanos aus Rajasthan, und vieles vom Wesen ihrer Musik floß in die Flamenco-Musik und ihren Stil ein. Was wir heute als Flamenco bezeichnen, haben sie zusammen mit den Christen, den spanischen Juden und den Mauren geprägt. Daher haben unsere Musikrichtungen so viel gemeinsam, es sind Geschwister. Der Flamenco ist noch sehr jung, vielleicht 200 Jahre alt. Für mich ist er der kleine Bruder der indischen Musik.»

Anoushka Shankar: «Es war die Liebe zu dieser Musik, die mich dazu inspiriert hat, dieses Flamenco-Album zu machen und zwei Traditionen miteinander zu verbinden. Flamenco hat mich schon immer begeistert und fasziniert, er sprach mich an, da ich spürte, daß er eine Eigenschaft mit der klassischen indischen Musik teilt, die ich ganz besonders schätze; die grenzenlose Musikalität des Ausdrucks, ganz gleich, ob es sich um eine Solostimme handelt, eine Sitar oder eine Gitarre (...)»

Die Ursprünge des Flamencos liegen in der Tat in Indien, und nachdem Sie «Traveller» gehört haben, werden Sie es glauben, ja glauben müssen!

Wie gut, daß ich meine CDs nicht in Schubladen aufbewahre, denn ich wüßte nicht, in welche ich «Traveller» stecken sollte, doch abgesehen davon, liegt sie eh meist griffbereit in der Nähe des CD-Spielers!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • Anoushka Shankar: 'Traveller', Deutsche-Grammophon

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