50 verschiedene Artbox-Ausstellungen präsentierte die freie „ThalwilerHofKunst“ innerhalb der vergangenen neun Jahre. Inzwischen kombiniert mit dem Kulturlabor und dortigen Ausstellungen, soll dies gefeiert werden: Mit einer besonderen Schau, der „Box in the Box“. die bis 20. April dauert, und einem Jubiläumsfest.
Die Artbox von Thalwil – die kennt man inzwischen. Mit „man“ sind Kunstinteressierte und Kunstschaffende gemeint. Und wohl auch einige Bahnfahrer und –fahrerinnen, denn die beiden „Artboxen“ im Bahnknotenpunkt Thalwil kennt bald jeder. Es handelt sich um zwei ausgediente Zuführerkabinen, welche die SBB seit fast zehn Jahren der Kunst zur Verfügung stellt. Mit Kunst ist konkret die «ThalwilerHofkunst»-Gruppe gemeint.
Kleiner Rückblick
Nach dem Abbruch vom Hotel Thalwilerhof war die gleichnamige freie Kunstgruppe auf der Suche nach einem neuen Ort. Der fand sich in Form der Telefonzellen-ähnlichen ehemaligen Zugführerkabinen auf Gleis 4 und 6 des Bahnhofs. Das Konzept lag auf der Hand: Kunst im öffentlichen Raum, unbegrenzt zugänglich, begrenzt im Format – eine ideale Herausforderung für das künstlerische Bespielen. Nachdem die SBB grünes Licht gab und die Gemeinde ein Patronat zusprach, ging es 2003 mit zwei spontanen Nullnummern los. Dann sorgte Peter Lüthy für die „Möblierung“ in Form von Zwischenbrettern für Tisch und Wand und alle zwei Monate gibt es seitdem etwas Neues anzusehen. Inzwischen kombiniert mit dem Kulturlabor, bietet sich damit für Kunstschaffende und –Interessierte eine beliebte Plattform, die denn auch weit herum bekannt geworden ist. Jede Box überrascht die Passanten und die Reaktionen sind so vielfältig wie der Inhalt: Ein feines Lächeln, ein Gespräch, Nachdenken, Kopfschütteln, oder auch Meckern «Was, das soll Kunst sein!?» Texte helfen mitunter weiter. Ungeahnte Tücken des im Sommer brütendheissen und im Winter eiskalten Raums sind beim Installieren immer wieder zu berücksichtigen – Klebebänder, um nur einiges zu nennen, lösen sich im Winter, Feuchtigkeit sorgt für das Eigenleben von Papier und Karton und Hitze wie der wechselnde Sonnenstand sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Zur 50. Artbox wurden alle bisher tätigen Künstler eingeladen, mit der „Box in the Box“ A5-Faltschachteln zu gestalten. Fast 30 sagten ihre Teilnahme zu. Grundsätzlich stellen sich alle gerne dieser Herausforderung, ausserdem ist da die Rede von der „aussergewöhnliche Kulturinsel Thalwil“, vom Jubiläum einer „Institution“, von der „Ehre mitmachen zu dürfen“ beziehungsweise das sei doch Ehrensache. Gelobt wird das Projekt Artbox auch, weil immer wieder Auswärtige eingeladen sind und das zeuge von einer grossen Offenheit und Grosszügigkeit. «Uns gefällt die Kartonschachtel als Verpackung, das noch in seiner Verpackung steckende Kunstwerk. Das man erst auspacken muss, unzippen, encodieren, entschlüsseln, transferieren und aufdröseln muss um es zu sehen (Duo Baggenstos/Rudolf). Nesa Gschwend, gerade aus Indien zurück, freute sich, in kleinem Raum, konzentriert mit ganz einfachem Material zu arbeiten und „zu sehen, was aus dieser gleichen Ausgangslage an Vielfalt entstanden ist“. Catrin Lüthi K formuliert sehr schön, wie sie im ICE rasend schnell bei Thalwil von oder nach Graubünden vorbeibrause: »Jedes Mal spitze ich meine Augen, um vielleicht einen Blitzhauch aus den Zugführerkabinen wahrzunehmen. Alles, was ich dann eben nicht sehe, bildet sich in meinem Kopf zu Neugier weiter. Schon das Wissen, dass Ihr dort immer auf Schiene seid, nährt auch mein Schaffen hier." (Gabi Rosenberg)
