To Rome With Love

04.09.2012 Walter Gasperi

Auf seiner Filmtour durch die europäischen Metropolen ist Woody Allen in Rom angekommen. In seinem federleichten Divertimento verschränkt er vier Episoden zu einer Liebeserklärung an die Ewige Stadt.


Nach London («Match Point», «Scoop», «Cassandra´s Dream»), Barcelona («Vicky Cristina Barcelona») und Paris («Midnight in Paris») ist Woody Allen in Rom angekommen. Schon der Titel macht klar, dass dies eine Liebeserklärung an die Stadt am Tiber sein wird.

Der Song «Volare» – statt dem bei Allen üblichen Jazz - zu den gewohnt weißen Titeln auf schwarzem Grund stimmt schon auf Italien ein und zu einem 360°-Panoramaschwenk um die Piazza Venezia rühmt sich ein italienischer Verkehrspolizist in gebrochenem Englisch seiner Kenntnis der Stadt und ihrer Bewohner. Der Carabinieri führt in die vier Episoden ein, die Allen in den folgenden 110 Minuten parallel erzählen wird, und wird sich selbst auch schon aus «To Rome with Love» verabschieden.

Lustvoll führt Allen die Sehenswürdigkeiten Roms vor. Er lässt seine Figuren durch die engen verwachsenen Gassen Trasteveres schlendern, einen Ausflug zur Via Appia machen, eine nächtliche Szene bei Gewitter in den Caracalla-Thermen spielen, ein junges Paar aus der Provinz mit dem Zug im Bahnhof Termini ankommen, führt nochmals mit einem 360°-Panoramaschwenk die Piazza del Popolo vor, bietet einen Blick auf den Kapitolsplatz ebenso wie auf die Fontana di Trevi, bis er «To Rome with Love» nach mehreren Schwenks über die ganze Stadt an der Piazza di Spagna enden lässt.

Ganz offensichtlich ist Allen dem Charme der Ewigen Stadt verfallen. Kein realistisches Bild der italienischen Hauptstadt bietet er, sondern vielmehr ein Wunschbild und ist sich dabei durchaus bewusst, dass er Klischeebilder vorführt, verpasst ihnen aber immerhin immer einen leicht ironischen Unterton. Auch die vier Episoden, die Allen mit leichter Hand parallel erzählt, ohne dass sie sich je kreuzen würden, arbeiten mit Klischeefiguren.

Da heißen die Protagonisten nicht nur Michelangelo, Leopoldo und Leonardo, sondern es gibt auch das unerfahrene Paar aus der Provinz oder die der Oberschicht der Stadt bestens bekannte Prostituierte (Penelope Cruz), die Allen als Sophia-Loren-Verschnitt anlegt. Ganz selbstverständlich begleitet Alec Baldwin da auch als amerikanischer Architekt wie ein Geist den von Jesse Eisenberg gespielten Studenten und ist stets präsent mit seinen Ratschlägen und Warnungen.

Zwei Episoden mit amerikanischen Touristen stehen zwei mit Einheimischen gegenüber. Zweisprachig ist deshalb der Film zumindest in der Originalfassung auch gehalten und bezieht nicht zuletzt daraus viel Atmosphäre.

Der in den USA gescheiterte Opernregisseur Jerry (Woody Allen) entdeckt im Vater seines italienischen Schwiegersohns einen Opernsänger – doch singen kann dieser nur unter der Dusche. Ein grundsolider Angestellter (erfreulich zurückhaltend: Roberto Benigni) steigt plötzlich aus unerklärlichen Gründen zum Medienstar auf und wird auf Schritt und Tritt von Paparazzis verfolgt, während die frisch verheiratete Frau aus der Provinz dem von ihr angehimmelten Filmstar begegnet.

So geht es um die Sehnsucht nach Ruhm und dessen Fluch, um die Lust der Bevölkerung an Klatsch und Tratsch, aber auch wieder – wie so oft bei Allen - um die Unsicherheit von Beziehungen. Da mag der Student Jack auch in einer glücklichen Beziehung mit Hayley (Alison Pill) leben, er verfällt dann doch – zumindest kurzzeitig - dem unerklärlichen Charme der exzentrischen Monica (Ellen Page) und auch das junge italienische Paar macht außereheliche Erfahrungen.

Locker, wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt dieser Film und nimmt sich selbst nicht so wichtig. Die One-Liner hat Allen vor allem für sich geschrieben und darf dabei auch seine Angst vor dem Tod wieder ins Spiel bringen. Daneben lebt von «To Rome With Love» aber vor allem von seinem Ambiente, seiner Italianitá und zahlreichen skurrilen Einfällen wie einer absurden Operninszenierung Jerry.

Vernichtend sind die Kritiken für letztere, ein imbeziler Idiot, den man dafür enthaupten müsse sei der Regisseur. Allen selbst kann man das freilich nicht vorwerfen. Ein Leichtgewicht mag «To Rome with Love» innerhalb seines umfangreichen Oeuvres schon aufgrund des episodenhaften Charakters und des Verzichts auf einen großen Handlungsbogen sein, doch so ein federleichtes, verspieltes Divertimento, das zwei Stunden niveauvoll unterhält, und am Ende den Kreis zum Anfang schließt, will auch erst mal gedreht werden.

Wird am Mittwoch, den 12.12. um 20 Uhr und am Freitag, den 14.12. um 22 Uhr vom Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz gezeigt (O.m.U.)

Trailer zu «To Rome With Love»

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