Steine auf dem Weg zum Pass

19.10.2012 Rosemarie Schmitt

Brünig-Passhöhe, Oktober 1987. Martin und seine zwei Brüder sind ihres Junggesellendaseins überdrüssig. Sie brauchen eine Haushalthilfe und finden sie per Kontaktanzeige in der mysteriösen Halima, die ihrem eingleisigen Leben eine völlig neue Richtung gibt und sie mit sprachlichen, kulturellen und religiösen Grenzen konfrontiert. Eine dramatische Geschichte über Liebe und Toleranz - im Rhythmus der Natur auf einer abgeschiedenen Alp beim Brünigpass.


Anja Siouda spricht vieles an und manches aus! Sie regt zum selber denken an, ist nicht belehrend und schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger. Manches scheint sehr überzogen, - scheint, sage ich ganz bewußt, denn wie so oft: die Wahrheit ist oft kaum zu glauben, und scheint nicht selten völlig überzogen! Sioudas Roman ist nicht nur eine Pass- sondern auch eine Gratwanderung!

Sie spricht etliche Probleme an, von denen jedes einzelne Stoff für einen eigenen Roman böte. Und Lösungen anzubieten, nein das schrieb Anja Siouda sich weder auf die Fahne, noch in ihren Roman.

Steine auf dem Weg zum Pass – welchen der Pässe meinte die Schriftstellerin? Jenen amtlichen Identitätsausweis zur Legitimation bei Auslandsreisen, den Reisepass? Jenen Pass, der das gezielte Zuspiel im Sport bedeutet? Einen Gebirgspass, eben jene Stelle zwischen zwei Bergen, die den Übergang über einen Gebirgszug ermöglicht? Ich glaube, Anja Siouda spricht von allen Pässen!

Ihre Entscheidung, dieses Potential an Konflikten derart geballt in einen einzigen Roman (220 Seiten) zu packen, bietet so einigen Rezensenten Stoff. Doch nein, ich gehöre sicherlich nicht zu jenen, die sich über anderer Frauen Kinderwagen beugen, um dann lauthals auszurufen, wie unschön doch das Kleine sei! Menschen, die Unschönes suchen, werden es finden, in jedem Kinderwagen und in jedem Buch.

Was ich in Anja Sioudas Roman hingegen fand, war die Geschichte einer sensiblen Schriftstellerin, einem guten Menschen, einer Frau, die vieles sah, beobachtete, erlebte, und sich vorzustellen in der Lage ist. Ich las die Geschichte, geschrieben von einer Frau, die aufmerksam machen möchte auf Dinge, von denen man gerne glauben möchte, sie geschähen nur den Anderen oder überhaupt nicht, und wenn, dann nur auf der Brünig-Passhöhe.
Doch vor allen Dingen las ich die Geschichte einer ganz besonderen Liebe.


Steine auf dem Weg zum Pass – Ein Roman von Anja Siouda
Neuauflage 2012 bei Edition du Sud Amor Ben Hamida
ISBN: 978-3-906021-10-2

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