"Funkensausen" von Anette Welp

22.02.2013 Rosemarie Schmitt

Der Klappentext: «Worüber reden wir hier eigentlich?» fragte Maurice gereizt. «Wir reden über Männer und Frauen. Gegensätze ziehen sich an, bis sie sich abstoßen. Gegensätze werden immer schwierig mit der Zeit, wenn sie sich in den Alltag eingeschlichen haben und nicht mehr mit Liebe betrachtet, sondern menschlich werden. Wenn sie nicht mehr besonders, sondern zäh sind.»


In ihrem besonderen Erzählstil philosophiert Anette Welp über erfüllte und unerfüllte Liebe sowie Sehnsüchte in gewöhnlichen, aber auch ungewöhnlichen Beziehungen. Ihre Protagonistinnen und Protagonisten ziehen Zwischenbilanzen und suchen nach Antworten auf wesentliche Lebensfragen. Und manchmal ist ihre Suche vergeblich … Ein Buch über tiefe Liebe trotz Widrigkeiten, aber auch über Katastrophen, die Lebenswege verändern.

Meine Gedanken zum Buch: Selbstverständlich kommt es bei einem Buch auf den Inhalt an, dennoch, ich mag und genieße, wenn ein Buch schön anzuschauen ist, sich gut anfühlt, sich beim umblättern nicht als störrisch erweist, ja, selbst den Geruch des Papiers und der Druckerschwärze nehme ich war, und es ist mir eine Freude, wenn alles passt. Und all dies passte für mich bei «Funkensausen».

Nun aber meine Gedanken zum Inhalt des Buches: 45 Titel sind in der Inhaltsangabe zu finden, wovon sich hinter jedem 2. ein lyrischer Text verbirgt, um sich anschließend zu offenbaren. Auf 133 Seiten erzählt Anette Welp kurze Geschichten, an die sich jeweils ein Gedicht anschließt, oder ihnen vorausgeht, je nachdem. Eben dieses Wechselspiel, dieser Mix von Lyrik und Prosa, gefällt mir ganz besonders.

In einigen ihrer Geschichten läßt die Autorin nicht viel Raum für die eigene Fantasie des Lesenden, und das kann mitunter auch genau passen. Nicht immer und unbedingt habe ich das Bedürfnis, mir eigene Gedanken zum möglichen Verlauf der Geschehnisse zu machen, Eventualitäten zu berücksichtigen und Interpretationsfreiräume zu füllen. Ich empfinde es als durchaus entspannendes Leseerlebnis, fertige, bekömmliche, manchmal auch vorhersehbare (siehste, hab ich mir’s doch gleich gedacht!) Geschichten serviert zu bekommen. Hin und wieder setze ich mich halt gerne hin, und lasse mich und meine Leselust bedienen. Und wer dennoch denken möchte, weiter denken möchte, dem empfehle ich, bei den lyrischen Zeilen zu verweilen, die sich jedem Prosatext der Autorin anschließen, um einen Kontext zu dem vorher Gelesenen herzustellen.

Anette Welp gehört für mich zu den Perlen, die man mit viel Glück unter unbekannten Autorinnen findet. Welp ist in der Lage auf 8 Seiten zu erzählen, wofür so manch bekanntere Schriftstellerin einen ganzen Roman braucht. «Funkensausen» begleitet mich immer wieder, fährt mit mir in der Bahn, macht mit mir Pause auf der Bank im Stadtpark, unterhält mich im Wartezimmer des Arztes, oder bringt mich bei einer Tasse Kaffee in der Frühstückspause auf andere Gedanken. Anette Welps Texte bringen einen auf allerhand Gedanken: ironische, amüsante, ernsthafte, bösartige, alberne aber auch schmerzende.

Worte pflastern Kopfsteine / stacheln Selbstlaute an / rollen Buchstaben über Lippen / zünden Funken himmelwärts («Lichter Kreis» von Anette Welp aus Funkensausen)

Doch bereits nachdem ich die erste Seite von Funkensausen aufgeschlagen hatte, noch bevor ich zur Inhaltsangabe gelangte, blieben meine Gedanken eine ganze Weile gefangen - gefangen von den ersten vier Worten der Autorin: «Ein Anfang ... für immer».

Funkensausen – Gedichte und Geschichten
Von Anette Welp
Taschenbuch: 140 Seiten
Verlag: Augen Auf Verlag
ISBN-13: 978-3981097474
EUR 14,95

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