In der Sonne hellem Schein

16.11.2008

09.06.2008 bis 22.11.2008  

Bürgermeister Johann Heinrich Waser war eine prägende Gestalt der Zürcher und eidgenössischen Politik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Kaum bekannt ist dagegen Wasers umfangreiche publizistische Tätigkeit. Sie gibt reichen Aufschluss über die Laufbahn dieses Zürcher Staatsmannes und bietet zugleich faszinierende Einblicke in die Alltagsgeschichte der Zürcher Elite jener Zeit.


Johann Heinrich Waser verdankte seine politische Laufbahn einer ausgesprochen günstigen persönlichen Ausgangslage: Als Nachfahr Huldrych Zwinglis und einer Reihe von Theologen und Gelehrten, die den Ruhm der reformierten Stadt mitbegründet hatten, wurde Waser schon früh auf eine Tätigkeit im Dienst des Staates vorbereitet. Mit 21 Jahren trat er als Volontär in die städtische Kanzlei ein. Damit begann eine steile politische Karriere, die ihn vom Amt des Stadtschreibers über die Verwaltung der Landvogtei Kyburg bis zu seiner letzten Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Zürich führte.

Die Geschichtsschreibung interessierte sich vor allem für die Rolle Wasers in den grossen zeitgenössischen Ereignissen wie dem Bauernkrieg von 1653 oder dem eidgenössischen Bundschwur 1663 vor König Ludwig XIV. von Frankreich in Paris. Kaum bekannt ist dagegen der umfangreiche schriftstellerische Nachlass des Zürcher Politikers, der grösstenteils in der Zentralbibliothek liegt. Waser übersetzte konfessionelle Abhandlungen und Fachschriften zur Kriegskunst, beschrieb und kommentierte die politischen Ereignisse seiner Zeit und verfasste umfangreiche und literarisch anspruchsvolle familiengeschichtliche und autobiographische Aufzeichnungen.

Wasers Aufzeichnungen sind ein Höhepunkt in der reichhaltigen Zürcher Tradition der Geschichte der vornehmen Geschlechter und des Schreibens über sich selbst und zeugen von einer heute längst in Vergessenheit geratenen Schreibkultur. Die Ausstellung im Katalogsaal der ZB, konzipiert von der Germanistin Dr. Barbara Schmid, folgt den Kapiteln von Wasers Hausbuch und Autobiographie «De Vita sua». Sie begleitet den jungen Waser auf seinen Bildungsreisen nach Genf, Italien, Dordrecht, England und Böhmen, verwebt familiäre und historische Ereignisse und bietet einmalige Einblicke in den persönlichen Lebensweg und die politische Laufbahn eines Vertreters der Zürcher Elite vor fast 400 Jahren.


In der Sonne hellem Schein
Bürgermeister Johann Heinrich Waser (1600–1669)
und seine Darstellung des eigenen Lebens
Katalogsaal der Zentralbibliothek Zürich
Zähringerplatz 6, 8001 Zürich
9. Juni bis 22. November 2008
Revisionsschliessung der ZB vom 19. bis 28. Juni

Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 8 - 20 Uhr
Samstag 8 - 16 Uhr

weiterführende Links:

http://www.zb.uzh.ch

  • Johann Heinrich Waser, Lateinisches Iterinar Schmucktitelblatt. Malerei auf Pergament, 1630 (Zentralbibliothek Zürich)
  • Johann Heinrich Waser, Oeconomica, Bd. 1 Schmucktitelblatt. Schwarze und rote Tinte auf Pergament, 1662/63 (Zentralbibliothek Zürich)
  • Conrad Meyer, Porträt von Johann Heinrich Waser als Bürgermeister Kupferstich, 1653 (Zentralbibliothek Zürich)
  • Johann Heinrich Waser, De Vita sua, Bd. 1 Schmucktitelblatt. Schwarze und rote Tinte auf Pergament, 1662/63 (Zentralbibliothek Zürich)

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