Revanche

01.07.2008 Walter Gasperi

Ein Liebespaar im Wiener Halbweltmilieu und ein Polizist und seine Frau in der niederösterreichischen Provinz. Nichts haben die beiden Paare und ihre Geschichten zunächst miteinander zu tun, doch der Zufall führt sie in Götz Spielmann ungemein konzentriertem und dichtem Psychodrama zusammen.


Keine Tat bleibt ohne Wirkung. Fast zwingend schlägt sie Wellen, durch die auch an sich Unbeteiligte involviert werden. Schon mit dem Eröffnungsbild, das erst am Ende in seinen Kontext eingebettet wird, wird dieses Thema angekündigt: Ein Gegenstand, der von unsichtbarer Hand in einen Teich geworfen wird, zieht Kreise. So leise wie der Gegenstand fällt, ist auch Götz Spielmanns fünfter Spielfilm. Auf Filmmusik verzichtet der 1961 geborene Oberösterreicher ebenso wie auf Action. Er vertraut ganz auf ein famoses Schauspieler-Ensemble und eine ungmein konzentrierte Inszenierung, bei der auf jede Nebengeschichte und alle Schnörkel verzichtet wird.

Am Anfang stehen zwei parallel laufende Geschichten: Auf der einen Seite geht es um Alex, der im Wiener Halbweltmilieu für einen Bordellbesitzer arbeitet. Mit seiner Geliebten, der ukrainischen Prostituierten Tamara, träumt er vom großen Geld, vom Ausbruch aus dem Milieu und einer Bar auf Ibiza. Ein Kinderspiel müsste es sein, eine Bank in der Provinz zu überfallen, doch dann geht alles schief und durch einen unglücklichen Zufall wird Tamara erschossen.

Auf der anderen Seite ist der Polizist Robert, der in idyllischer Landschaft mit Frau Susanne im neuen Einfamilienhaus lebt. Nur vordergründig ist das Paar allerdings glücklich, denn der schon lange bestehende Kinderwunsch erfüllt sich nicht. Weil Alex nach dem missglückten Überfall bei seinem Großvater auf dem Land, den wiederum die Polizistengattin regelmäßig besucht, Zuflucht sucht, kreuzen sich die Geschichten nicht nur, sondern werden zu einer zusammen geführt.

Konstruiert wirkt das in der Nacherzählung, ist im ebenso stringenten wie perfekten Aufbau und dessen konsequenter Umsetzung durch die Regie, sowie in der meisterhaften, atmosphärisch dichten, aber nie aufgesetzten Verankerung in den beiden Milieus aber absolut zwingend. In langen distanzierten und statischen Einstellungen (Kamera: Martin Gschlacht), die Johannes Kirsch als Alex, Ursula Strauss als Polizistengattin und Andreas Lust als Robert viel Zeit und Raum lassen ihr Innenleben nach Außen zu kehren, entwickelt «Revanche» große innere Spannung. Obwohl die äußere Handlung mit Fortdauer geradezu immer mehr zurückgenommen wird und ganz im Gegensatz zu allen Moden auf Langsamkeit statt auf Tempo gesetzt wird, steigert sich die Intensität, werden die Rachegefühle von Alex ebenso fast physisch erfahrbar wie die Schuldgefühle Roberts.

Wohl noch nie wurde in einem Film so viel Holz gehackt und zersägt, aber gerade die Wiederholung dieser Szenen macht den Leidensdruck und den Abbau der schier übermächtigen Rachegefühle, die Alex lenken, spürbar. Wenn er und Robert sich dann noch zufällig am Teich begegnen, glaubt man, dass eine Explosion der Gewalt unmittelbar bevorsteht, doch auf einfache Lösungen verzichtet Spielmann. Statt Emotionen hineinzupressen nimmt er sie in der zurückhaltenden Inszenierung geradezu zurück, schaut einfach zu, was passiert, wenn diese Menschen aufeinander zu treiben, und zeigt durch die Langsamkeit der Erzählweise, welche Zeit es braucht, bis man sich zu einer Tat durchringt oder aber auch von ihr Abstand nimmt, welch starkes Gefühl Rache ist und wie schwer es ist, sich von diesem Gefühl zu befreien und zu vergeben.

Läuft am Dienstag, 19.3. um 20.30 Uhr am Spielboden Dornbirn

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