Leergut - Vratné lahve
| 29.07.08 Walter Gasperi | Filmriss | |
![]() Warmherzig, aber auch sehr brav und harmlos erzählt der Tscheche Jan Sverák in seiner Komödie von einem pensionierten Lehrer, der aus Langeweile einen Job in einem Supermarkt annimmt und dabei vor allem versucht einsame Herzen zu verkuppeln. Mit den Schülern wird der Lehrer Beppo Weberknecht nicht mehr fertig und mehr als einmal hat er schon die Nerven verloren und den nassen Schwamm nicht zum Reinigen der Tafel verwendet, sondern über dem Kopf eines renitenten Schülers ausgedrückt. Der Direktion ist das zwar nicht recht, von Konsequenzen sieht man aber bislang ab. Beppo freilich gefällt sein Dasein als Lehrer längst nicht mehr und so sucht er um Pensionierung an. Doch zuhause bei seiner Frau, ebenfalls eine pensionierte Lehrerin, hält er es auch nicht aus und mit seinen alten Freunden will er auch keinen Kontakt aufnehmen, da er sie für vergreist hält. Eine neue Aufgabe muss folglich her. Den Versuch sich als Fahrradkurier zu betätigen gibt er auf, nachdem es auf einer winterlich verschneiten steil abfallenden Prager Kopfsteinpflasterstraße zu schnell bergab ging, doch die Anzeige im Supermarkt, mit der eine Hilfskraft in der Leergutabteilung – auch eine schöne Metapher für einen Menschen auf dem Abstellgleis - gesucht wird, interessiert Beppo. Die Arbeit an sich ist dem rüstigen 65-jährigen relativ egal, wichtiger ist ihm schon der Kontakt mit den Kunden und den Mitarbeitern wie dem schweigsamen ehemaligen Offizier, den alle «Schwätzer» nennen oder dem jungen «Wolf», der seine Schulausbildung nachholen will. Ihrem Glück will er ebenso nachhelfen wie dem seiner Tochter, die ihr Mann wegen einer anderen verließ, kümmert sich aber gleichzeitig um eine alte Frau und scheint auch offen für die sexuellen Avancen einer Ex-Kollegin. Denn mit der Beziehung zu seiner Frau, der gleichzeitig von einem Standesbeamten eine Liebeserklärung gemacht wird, steht es nicht zum besten und so verfolgen Beppo immer wieder sexuelle Träume. Der Tscheche Jan Sverák hat die Rolle des griesgrämigen Lehrers ganz auf seinen Vater Zdenek zugeschnitten. Er beherrscht den Film und hält die kleinen Alltagsgeschichten zusammen. Kritische Töne fehlen nicht, wenn beispielsweise die Leergutabteilung durch einen Automaten ersetzt werden soll. Doch diese Rationalisierungs- und Kapitalismuskritik kommt so sanft daher wie der ganze Film. Die Menschen und der soziale Kontakt sollten wichtiger sein als Maschinen und Profit ist Sveráks Botschaft, doch in seiner Betulichkeit und Niedlichkeit verliert «Leergut» auch die Bodenhaftung. Zu nett und glatt, geradezu märchenhaft ist hier alles, als dass man diese warmherzige, hart am Sentimentalen vorbeischrammende Komödie wirklich ernst nehmen könnte. Das liegt nicht nur an der Figurenzeichnung und der mangelnden Problementwicklung, sondern auch an der biederen Inszenierung, bei der alles in warmes Licht und Farben getaucht wird und vor allem mit Großaufnahmen gearbeitet, das soziale Umfeld aber kaum ausgeleuchtet wird. - Sympathisch und unterhaltsam kann man «Leergut» sicher finden, aber auf Dauer befriedigen soviel ungebrochene Liebenswürdigkeit und harmlose heitere Verwicklungen doch nicht wirklich, sondern hinterlassen eher einen unangenehmen Beigeschmack, dass hier trotz exzellenter Schauspieler ein interessanter Stoff verschenkt wurde. Läuft derzeit in den Schweizer Kinos (tschech. O.m.U.) TaSKino Feldkirch Mühletorplatz 1 A - 6800 Feldkirch T: 0043 (0)5522 72 895 F: 0043 (0)5522 75 578 E: office@saumarkt.at W: TaSKino Feldkirch | Leergut |


