Im Tal von Elah - In the Valley of Elah

02.09.2008 Walter Gasperi

Mag ein Soldat auch einen Krieg überleben, die psychische Deformation ist unvermeidlich und irreversibel. – Getragen von einem großartigen Tommy Lee Jones in der Hauptrolle zeichnet Paul Haggis in seinem ruhigen, aber dichten Drama ein bitteres Bild der Auswirkungen des Irakkriegs auf US-Soldaten.


Die Farben und das Licht erzählen in diesem Film mindestens genauso viel wie die Geschichte an sich. Milchig ist der Himmel stets, nie scheint die Sonne, weitgehend auf fahle Grün-, Blau und Grautöne beschränkt Starkameramann Roger Deakins die Farben und selbst die Gesichter der Figuren wirken blass. – In der Konsequenz dieser Licht- und Farbsetzung entwickelt «In the Valley of Elah» eine kalte Stimmung, die zwar nicht das Gefühl einer eisigen Hölle, aber von Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit evoziert. – Mehr als nur etwas ist faul im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», an das der pensionierte Militärpolizist Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) am Anfang noch glaubt, als er sich auf die Suche nach seinem aus dem Krieg zurückgekehrten, aber dann aus der Militärbasis in den USA verschwundenen Sohn macht.

Einen Latino, der das Star Spangled Banner verkehrt hisst, belehrt er noch, dass dies dadurch zum Notsignal werde und aussage «Wir sitzen in der Scheiße und kommen nicht raus – Helfen Sie uns!». – Am Ende wird er selbst die Flagge so aufziehen und Haggis damit auch einen Kommentar zur Lage der USA abgeben.

Nachdruck gewinnt diese Position dadurch, dass sie nicht von einem jungen Rebellen, sondern von einem - zudem vom eher rechts stehenden Tommy Lee Jones gespielten - überzeugten Patrioten vertreten wird, der seine Söhne selbst für die Armee begeisterte, aber im Laufe des Films langsam erkennen muss, dass dieses Land – oder dessen Regierung – mit dem Irakkrieg großen Mist gebaut hat. – Wie Goliath im Tal von Elah von David mit einer Steinschleuder besiegt wurde, so erschüttert der Irakkrieg die Weltmacht.

Ganz aus der Perspektive des Vaters erzählt Haggis und lässt so den Zuschauer sukzessive an dessen Zweifel teil nehmen. Nur über von einem Computerspezialisten schrittweise rekonstruierte Videoschnipsel vom versengten Handy des Sohnes bekommt man häppchenweise sehr rudimentäre Einblicke in die Erfahrungen und Belastungen im Kriegsgebiet. – Man sieht die Folgen in der Heimat. Wie einst Martin Sheen als Captain Willard in «Apocalypse Now» berichtet am Ende von «In the Valley of Elah» ein Soldat, dass er beim ersten Irakeinsatz nur schnell wieder zurück in die USA wollte, zwei Wochen nach seiner Rückkehr er es in der Heimat aber nicht mehr aushielt und wieder ins Kriegsgebiet wollte.

Hank Deerfield muss bald nicht nur erfahren, dass sein Sohn verschwunden, sondern dass er getötet und zerstückelt wurde. Die Militärpolizei will die Sache unter den Tisch kehren und auch die zivile Polizei sieht sich als nicht zuständig an und behauptet, der Mord sei auf Militärgebiet geschehen. Unterstützung erhält Deerfield nur von der jungen Polizistin Emily Sanders (eine großartige Charlize Theron), die seine väterlichen Gefühle verstehen kann, da sie einen kleinen Sohn hat.

Nur an wenigen Stellen forciert der für «L.A. Crash» mit dem Oscar ausgezeichnete Paul Haggis die Krimihandlung wie beispielsweise mit einer Verfolgungsjagd – der einzigen Actionszene –, ansonsten geht es vielmehr ruhig um das Ausloten der Psychen. Gerade durch die zurückhaltende Inszenierung, in der «In the Valley of Elah» an Eastwoods «Million Dollar Baby» erinnert, für dessen Drehbuch Haggis verantwortlich zeichnete, und das ebensolche Spiel, durch den Verzicht auf Spektakel und das Vertrauen auf leise Töne gewinnt dieser Film Dichte. In der Befindlichkeit der Figuren spiegelt sich dabei die Stimmung des Landes und langsam weitet sich das Bild der Deformationen, wenn auch das furchtbare Geheimnis gelüftet wird, das hinter dem Spitznamen «Doc» steht, den die anderen Soldaten Deerfields Sohn im Irak verliehen, steht, gelüftet wird.

Wird vom Freitag, 5.9. bis Donnerstag, 11.9. vom TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos gezeigt (engl. O.m.U.)

TaSKino Feldkirch
Mühletorplatz 1
A-6800 Feldkirch
T: 0043 (0)5522 72 895
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