Hommage to the formation of personhood

17.10.2008

01.10.2008 bis 22.10.2008  

Vom 1. bis 22. Oktober ist in den Fenstern der Fassade des Wiener Projektraumes MAG3 in der Schiffamtsgasse die Schau MAR[e]FA/R von Gue Schmid zu sehen. MAR[e]FA/R ist eine Wortkonstruktion. Das Wort «Mare» bezeichnet (das) Meer und kommt aus dem italienischen, «far» aus dem Englischen, was dort soviel wie fern heißt. «Marfa» aber heisst eine Ortschaft im US-Bundesstaat Texas. Die in der Ausstellung gezeigten Dias und Fotos zeigen eine Steppenlandschaft, in der, etwas unterhalb des Horizonts aber bildmittig gelegen, seltsame Formen, die an übergroße Tische oder auch Garagen erinnern, sichtbar sind.


Es handelt sich um Skulpturen des Minimal Art Künstlers Donald Judd, welche in diesem Gebiet, angrenzend an die Ortschaft Marfa platziert wurden. Verantwortlich dafür zeichnet die Stiftung Chinati Foundation, die das Gelände ökonomisch betreibt vermarktet. Das Gelände, eine leer stehende ehemalige Kaserne aus dem 2. Weltkrieg, beherbergt nicht nur jene Skulpturen, sondern auch Offiziers- und Mannschaftsbaracken, in welchen weitere Werke von Minimal Art Künstlerkollegen Judds sehr eindrucksvoll präsentiert sind.

Die im Projekt MAR[e]FA/R verwendeten Aufnahmen wurden in den verschiedenen nebeneinander liegenden Gebäuden des Areals, in denen u.a. Dan Flavin’s Lichtinstallationen präsentiert sind, photographiert – vom Innen- in den Außenraum, mit dem Rücken zu Flavin’s Arbeiten. Die Fensterkreuze wurden erst nachträglich hinzugefügt und den dort vorkommenden nachempfunden. In der Installation, welche nur von der Strasse aus zu betrachten ist, sieht man also durchs Schauen in die Fenster des Wiener Projektraumes MAG3 auf das Steppengebiet in Texas mit seinen Skulpturen.

Einzig ein jeweils in jedem einzelnen Fenster (4) sich befindender, aber insgesamt zusammenhängender Ausschnitt eines Artikels des Philosophen Herbert Marcuse, geschrieben in der Zeitschrift für Sozialforschung (1937), behindert die Sicht auf die Landschaft und deren darin präsentierten Werke. Jener Artikel insgesamt – also kulturgeschichtlich gesehen – nimmt Bezug auf gesellschaftliche Vorgänge einer damals sich mit unglaublicher Brutalität global kapitalisierenden Welt, thematisiert deren antagonistische Seiten und hat bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Die Installation wird durch eine Zeitschaltuhr an- und ausgeschaltet. Der Einschaltzeitpunkt ist gleichzeitig der Öffnungszeitpunkt, der Ausschaltzeitpunkt der Schließzeitpunkt des Geländes bzw. des Areals in Marfa. Die Öffnungszeit der Chinati Foundation und des Geländes in Marfa ist von 10 a.m. bis 4 p.m. Im Projektraum MAG3 wird mit sieben Stunden Zeitverschiebung die Öffnungszeit von Marfa simuliert und die Installation in der Zeit zwischen 17 und 23 Uhr von Montag bis Samstag, also etwas mehr als 3 Wochen (21 Tage), zu sehen sein.

Am letzten Tag der Ausstellung werden anstatt der vier Einzelbilder in den jeweiligen Projektoren die Magazine mit je 81 Dias bestückt sein (insgesamt 324 Photos). Bei diesen Dias handelt es sich um analog aufgenommene Abbildungen aus der gesellschaftlichen Bilderproduktion von Illustrierten. Diese Bilder, in makrologischer Technik realisiert, thematisieren verschärft jenen schon oben beschriebenen inhaltlichen Kontrast. Die Projektoren laufen im Endlosmodus - die Textpassagen Marcuses sind weiterhin lesbar.


MAR[e]FA/R [hommage to the formation of personhood]
von Gue Schmid
1. bis 22. Oktober 2008; Eröffnung: Di 30.September 08, 19 Uhr
Bildaktualisierungen/ Finissage: 23. Oktober 08, 19 Uhr

Projektraum MAG3
Schiffamtsgasse 17
A 1020 Wien
T 0043 (0)676 3409218
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  • © Gue Schmid
  • © Gue Schmid
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