Mozart im Film
| 19.03.09 Walter Gasperi | DVD-Tipp | |
![]() Bei «Mozart-Filmen» denkt man zunächst wohl an Milos Formans «Amadeus». Dass sich auch deutsch-österreichische Filmemacher des großen Musikers angenommen haben beweist eine vom Filmarchiv Austria im Mozartjahr 2006 herausgegebene DVD, die neben dem Fragment eines Stummfilms zwei Mozart-Filme der 40er und 50er Jahre beinhaltet. Nur fünf Minuten und zwanzig Sekunden ist das Fragment lang, das von Otto Kreislers ursprünglich 87-minütigem Stummfilm «Mozarts Leben, Lieben und Leiden» (1921) erhalten ist. Viel lässt sich folglich kaum über den Film sagen, und auch vom Lieben und Leiden des großen Komponisten erfährt man in der Kürze wenig. Karl Hartl dagegen, der sich in zwei Filmen mit Mozart beschäftigt hat, stellt die Liebe ganz in den Mittelpunkt. Ob in «Wen die Götter lieben», der im Stalingrad-Jahr 1942 entstand oder dem 13 Jahre später gedrehten «Reich mir die Hand mein Leben» – immer blickt Hartl auf das Privatleben Mozarts. Indem die Erzählweise, abgesehen davon, dass der Nachkriegsfilm farbig ist, sich in praktisch nichts unterscheidet, wird freilich auch sichtbar, wie bruchlos zumindest im Filmbusiness der Übergang von der Nazizeit zur Nachkriegsproduktion verlief. Wie ein Ei dem anderen gleichen sich zwar gewisse Szenen, wie der Auftrag für ein Requiem durch einen anonymen Boten oder eine Szene, in der Mozart dirigiert und seine Geliebte eine Arie singt, inhaltlich ist aber die Schwerpunktverschiebung unübersehbar. Geht es in «Wen die Götter lieben» zumindest noch ansatzweise um eine Biographie, wird in «Reich mir die Hand, mein Leben» die Entstehung der «Zauberflöte» einzig als Vorwand für eine letzte bittersüße Liebesgeschichte Mozarts zu seiner jungen Pamina genützt. Gemeinsam ist den beiden Hartl-Filmen freilich die Verschränkung von Leben und Werk. Erfolgt das in «Reich mir die Hand, mein Leben» anhand einzelner Arien von «Die Zauberflöte», so huscht «Wen die Götter lieben» nach einem Abstecher nach Mannheim, wo der junge Mozart seine spätere Ehefrau Konstanze kennen lernt, von der Entstehung einer Oper zur nächsten. Wie sich freilich aus der Geschichte von «Die Entführung aus dem Serail» der Gedanke an eine Entführung der geliebten Constanze, die die Mutter von Mozart fernhalten will, ergibt, hat schon etwas für sich. Emotional stärker wirkt allerdings die «Figaro»-Premiere, bei der Hartl allein über Blicke erzählt. Wie hier ein Dreieck aus der in der Loge sitzenden Constanze, der singenden Schwester Constanzes – Mozarts erster und nie erloschener Liebe – Aloysia und dem dirigierenden Mozart aufgebaut wird, ist zweifellos gekonnt und wird noch übertroffen durch die Inszenierung der Premiere von «Don Giovanni» in Prag: Bei einer Feier auf dem Land glaubt Constanze ihren Wolfgang Amadeus schon endgültig an ihre Schwester verloren zu haben und beschließt abzureisen. Mozart – und mit ihm der Zuschauer - sieht nun «Don Giovanni» dirigierend in Überblendungen die Abreise seiner Frau und eilt nach Hause, wo er seine Frau doch noch vorfindet. Gemeinsam ist beiden Filmen auch die chronische Geldnot Mozarts, die Andeutung von Verschwendertum, aber nur die Nachkriegsversion bringt zumindest am Beginn Probleme mit dem Kaiser, dem Mozarts bürgerliche Haltung überhaupt nicht passt, zum Ausdruck. Meisterwerke der Filmkunst sind beide Filme fraglos nicht, aber einen interessanten Einblick mehr in die Zeit ihrer Entstehung als in die Zeit und das Leben Mozarts bieten sie dennoch. | |

