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Kräftemessen zwischen Gut und Böse
| veröffentlicht auf http://kultur-online.net am 12.07.09 | |
| 02.05.09 bis 18.07.09 » Staatstheater Stuttgart | |
![]() Liebesdrama und Zauberwelt, Ränke- und Machtspiel: Georg Friedrich Händels Oper «Teseo». Letzterer Aspekt ist es, dem sich der Schweizer Regisseur, Autor und Filmemacher Igor Bauersima in seiner zweiten Stuttgarter Regie gewidmet hat. Die selten gespielte Barockoper ist in Stuttgart mit drei Countertenören besetzt und hatte unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel am 2. Mai 09 Premiere. «Teseo» dokumentiert Händels einzigen Versuch, italienische und französische Operntraditionen zu vereinen. Das Werk stand nach der Londoner Uraufführung 1713 erst 244 Jahre später wieder auf einem Spielplan, nämlich bei den Göttinger Händelfestspielen, und ist bis heute auf europäischen Bühnen kaum präsent. In freiem Rückgriff auf die Sagenwelt der griechischen Antike erzählt «Teseo» die Geschichte des Helden Theseus, den die Zauberin Medea (gesungen von Ensemblemitglied Helene Schneiderman) für sich gewinnen will. Es entspinnt sich ein Kräftemessen zwischen Gut und Böse, politische und private Welten verweben sich miteinander. Die Partien der männlichen Rollen werden dabei von drei Countertenören übernommen: In der Titelpartie gibt Franco Fagioli sein Staatsopern-Debüt. Der Argentinier wurde in Händel-Partien u.a. am Opernhaus Zürich, am Théâtre des Champs-Elysées in Paris und bei den Händelfestspielen in Karlsruhe gefeiert. Der mehrfach ausgezeichnete Matthias Rexroth kehrt als Arcane an die Staatsoper zurück. Das Trio vervollständigt Altus Kai Wessel als Egeo; in Stuttgart war er bereits in «Actus tragicus» zu hören. Für Regisseur Igor Bauersima geht es im «Teseo» nur «vordergründig um ein simples Liebesdrama». Er beleuchtet vor allem die in der Oper thematisierten Machtmechanismen: «Man kann in der damaligen Zeit des barocken Theaters viele Parallelen zum Heute sehen. Die politische Dimension kommt durch den Erfinder der Republik, Teseo, ins Spiel: Er gibt sämtliche Macht an den Bürger, entlässt ihn in die Freiheit und reduziert den Staatsapparat zum Beschützer dieser Freiheit. Heute, wo Politiker weltweit immer willkürlicher agieren, wo die Konzepte »Demokratie« und »Republik« ständig verwechselt werden und Freiheit für viele nur noch ein Fremdwort ist, wird die Erinnerung an Teseo immer dringlicher.» Was die Folgen von Macht(missbrauch) für Gesellschaften bedeuten können, prognostiziert Bauersima im Bühnenbild: Es evoziert mittels Videoprojektion (Georg Lendorff) eine endzeitliche Welt mit Science-Fiction-Anleihen einer «nicht allzu fernen Zukunft». Weitere Aufführungen: Staatstheater Stuttgart Oberer Schloßgarten 6 D - 70173 Stuttgart T: 0049 (0)711 2032-0 F: 0049 (0)711 2032-540 W: http://www.staatstheater-stuttgart.de | Helene Schneiderman (Medea); © Martin Sigmund Matthias Rexroth (Arcane), Olga Polyakova (Clizia), Jutta Böhnert (Agilea); © Martin Sigmund Franco Fagioli (Teseo); © Martin Sigmund Kai Wessel (Egeo), Helene Schneiderman (Medea); © Martin Sigmund |

