«eMotion» im Kunstmuseum St. Gallen

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Kann man «Kunst» messen? Und falls ja, wie könnte das vonstatten gehen? Diesen Fragen widmet sich ein internationales Forscherteam aus fünf Nationen und ebenso vielen Universitäten in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum St. Gallen. «eMotion - das psychogeografisch kartierte Museum», so der Name des Nationalforschungsprojekts, hat nicht weniger als die Vermessung der Wirkung des Museums und seiner Exponate in Angriff genommen. Gefördert durch den Schweizer Nationalfonds und Ubisense, versucht das fünfzehnköpfige Forscherteam empirisch und experimentell die Wirkung des «Kraftfeldes Museum» zu untersuchen.

Nach circa drei Jahren Vorbereitungszeit wird das Projekt am 4. Juni im Kunstmuseum St. Gallen der Öffentlichkeit vorgestellt. Museumsbesucher haben dann die Möglichkeit zwischen dem 5. Juni und dem 19. Juli aktiv an dem Kunstforschungsprojekt teilzunehmen. Sie erhalten unmittelbar Einblick in ihre eigene Kunstwahrnehmung sowie ihre körperlichen und geistigen Reaktionen während des Museumsbesuches.

Dem Forschungsteam geht es um das «Kraftfeld Museum», ein Ausdruck von Alexander Dorner, einem der Grünungsväter kuratorischen Arbeitens. Untersucht wird nicht was Kunst ist, sondern wie sie im Kontext des Museums zustande kommt, also wie sie wirkt beziehungsweise der Museumsbesucher Werke und ihre Wirkung empfindet. Zu dieser Frage existieren eine Vielzahl von Theorien, die bisher jedoch kaum empirisch geprüft wurden: Folgt man institutionstheoretischen Modellen, dann macht das Museum die Werke zu Kunstwerken. Eher kunstwissenschaftlich-kuratorische Vorstellungen gehen davon aus, einen Bedeutungsraum durch die Hängung, die Beziehung der Werke zueinander und zum Raum entstehen zu lassen. Oder ist es eher das Werk, seine Materialität und Gestalt die den Besucher in seinen Bann schlägt, wie die Kunstpsychologie argumentiert? Die Kultursoziologen hingegen weisen dem Besucher und seinem «biographical baggage» eine zentrale Rolle zu: nach ihrer Auffassung macht erst der Besucher mit seinem Vorwissen und seinem Erwartungen das Werk zum Kunstwerk und den Museumsbesuch zum besonderen Moment.

Wie die Institution, das kuratorische Konzept, die Werke und der Besucher zusammenwirken und so gegebenenfalls Momente der «Kunstwerdung» (Boris Groys) entstehen, versucht eMotion disziplinenübergreifend zu verstehen. Im Forschungsteam arbeiten daher Wissenschafter aus Soziologie, Psychologie, Kunsttheorie und Personen aus der Museumspraxis zusammen. Unterstützt werden sie von Programmierern, Tracking-Spezialisten und Interface-Entwicklern, die die technischen Voraussetzungen schaffen, die biophysiologischen Daten als auch die genaue Vermessung der Wegstrecke jeden einzelnen Besuchers während des Rundganges zu erheben.

eMotion ist ein Forschungsprojekt des Instituts für Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW.


eMotion
5. Juni bis 19. Juli 2009
Eröffnung: Do 4. Juni 09, 18.30 Uhr

Kunstmuseum St. Gallen
Museumstrasse 32
CH -9000 St.Gallen
T: 0041 (0)71 24206-71
F: 0041 (0)71 24206-72
E: info@kunstmuseumsg.ch
W: http://www.kunstmuseumsg.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 10 - 17 Uhr
Mittwoch bis 20 Uhr