The Wild Angels

11.06.2009 Walter Gasperi

Drei Jahre vor «Easy Rider» entstand Roger Cormans Kultfilm. Auch in diesem von Pierrot Le Fou als DVD herausgegebenen Bikerfilm geht es um das Aufbegehren gegen das Bürgertum, das auch in der filmischen Form zum Ausdruck kommt, doch macht Corman hinter dem Freiheitsstreben letztlich eine tiefe innere Leere sichtbar.


Gebündelt ist das Spannungsfeld dieses klassischen Biker-Films schon in der Eröffnungsszene, wenn kleine Kinder im gepflegten Garten eines Vorstadthäuschens spielen und sich als Kontrast zu dieser bürgerlichen Welt der Biker Heavenly Blues (Peter Fonda) mit seinem Motorrad ins Bild schiebt. Unwillkürlich weckt dieser Beginn und das Gehabe Fondas Erinnerungen an Marlon Brando in dem mindestens genauso legendären «The Wild One» (1954).

Corman stellt der Statik und Enge der bürgerlichen Welt bei Blues´ Fahren mit seinem Motorrad auf dem Highway mit subjektiver Kamera, geschickten Schnittfolgen und natürlich entsprechender musikalischer Untermalung Bewegung und damit auch Freiheit und Freiheitsdrang gegenüber. Die Engräumigkeit der Vorstadt wird kontrastiert von Landschaftstotalen mit Highway und Halbwüste, wobei der Himmel mehr als die Hälfte der Einstellungen einnimmt.

Überflüssig und aufgesetzt wirkt der kurze Off-Kommentar am Beginn, der aufklärt, dass «The Wild Angels» nach Polizeiakten gedreht wurde und dass die von den Bikern verwendeten Nazi-Symbole keinen politischen Gehalt haben, sondern einzig ihr Revoltieren gegen die bestehende Gesellschaft ausdrücken sollen. Die dünne Handlung ist – typisch für ein Exploitation-Movie – auf markante, nicht differenzierter ausgestaltete Szenen reduziert und dient vor allem dazu lange Party- oder Schlägerszenen und natürlich Motorradfahrten zu verbinden. Auch die Figuren sind nicht komplexer gezeichnet, Motorrad und Lederjacke verleihen ihnen ihr Profil und ihnen an die Seite werden junge Frauen gestellt. – Nicht Charaktere sollen hier modelliert, sondern Typen entworfen und damit das Lebensgefühl einer Generation vermittelt werden.

Am Arbeitsplatz von Blues Freund Loser (Bruce Dern) kommt es zum Konflikt mit Mitarbeitern und gemeinsam und mit ihrer Gang begeben sich Blues und sein Freund auf Tour, feiern Party in der Wildnis, provozieren eine Auseinandersetzung in einer Autowerkstatt und legen sich auch mit der Polizei an. Als Loser dabei angeschossen und von der Polizei in ein Krankenhaus gebracht wird, entführen ihn seine Kollegen wenig später.

Der Ton des Films ändert sich aber spätestens mit dieser Szene. Denn steht am Beginn die ausführliche Schilderung von Motorradfahrten, die den Eindruck von Aufbruch, Aufbegehren und Freiheit vermitteln, tritt nun zunehmend Stillstand ein. Von der Weite geht es in die Enge einer Kirche, rein destruktiv wird agiert und am Ende steht Blues allein auf einem Friedhof. Resignativ ist sein Schlusssatz «There is nowhere to go».

«The Wild Angels» ist ein roher und ein rauer Film, der den Freiheitsbegriff letztlich als hohl entlarvt, der zwar voll Verachtung auf die bürgerliche Gesellschaft blickt, aber auch das Agieren der Motorrad-Gang als ziellos und dekadent kritisiert.

Die echten «Hells Angel» waren über die Darstellung ihres Alltags als Abfolge von Motorradfahren, Schlägern und Feiern nicht erfreut und klagten Corman, in England wurde der Film bis 1968 verboten, bei den Filmfestspielen von Venedig wurde ihm dagegen eine lobende Erwähnung zuteil.

Unbestritten ist «The Wild Angels» heute ein wichtiger Vorläufer des «New Hollywood» und fraglos ein Klassiker des Biker-Films. Spärlich sind freilich die Extras die die von Pierrot Le Fou herausgegebene DVD bietet: Nur ein Trailer findet sich hier. Da ist man dann gerade schon froh darüber, dass der Film wenigstens nicht nur in der (schlechten) deutschen Synchronfassung ertragen, sondern auch in der amerikanischen Originalfassung (mit deutschen Untertiteln) genossen werden kann.

Ausschnitt aus «The Wild Angels»

  • The Wild Angels (1966)
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