Duplicity - Gemeinsame Geheimsache

26.05.2009 Walter Gasperi

Spionage in der Kosmetikbranche. – Tony Gilroy zieht mit Julia Roberts und Clive Owen ein unterhaltsames Spiel ab, das allerdings letztlich im Bestreben immer raffiniert sein zu wollen, doch auch etwas bemüht wirkt.


In Dubai treffen sich der MI-6-Agent Ray Koval (Clive Owen) und die CIA-Spionin Claire Stenwick (Julia Roberts) zum ersten Mal. Und wenn hier der charmante Brite von der coolen Amerikanerin reingelegt wird, werden schon wie im ganzen Film Fragen von Vertrauen und Betrug diskutiert. Von der politischen Basis bewegt sich der Film aber schon während des fünf Jahre später spielenden Vorspanns, die Protagonisten haben bei den staatlichen Geheimdiensten inzwischen gekündigt und arbeiten für private Auftraggeber, auf die wirtschaftliche Ebene, wenn Tom Wilkinson und Paul Giamatti als Chefs konkurrierender Kosmetikkonzerne in einer herrlich grotesken und ganz ohne Worte auskommenden Szene auf dem Rollfeld eines Flughafen auch brachial aufeinander losgehen.

Alles Grund gelegt ist mit dieser Exposition, im Folgenden geht es nur noch um ein cooles Spiel, um Täuschen und in die Irre führen, Vertrauen ergaunern um Informationen und Zutritt zu erhalten. Dabei entwickelt sich die Handlung nicht linear nach vorne, denn immer wieder wird durch Rückblenden, die nach Rom, London, Miami oder auf die Bahamas führen, Licht in die Vorgeschichte gebracht.

Das ist sehr stylisch inszeniert, führt Top-Urlaubsdestinationen und noble Hotels vor und im Mittelpunkt stehen immer die zwei bestens aufgelegten Stars Julia Roberts und Clive Owen. Ihnen zuzusehen, wie sie sich treffsichere Dialoge zuwerfen, wie sie sich gegenseitig nicht trauen und übers Ohr zu hauen versuchen, macht zweifellos einigen Spaß, aber wirklich Interesse für diese Figuren zu wecken, vermag Gilroy in seinem nach dem packenden «Michael Clayton» zweiten Spielfilm nicht. Zu sehr bleibt er an der Oberfläche, interessiert sich zu sehr für das Hopping von Schauplatz zu Schauplatz, für stets neue Wendungen und lässt sich zu wenig auf die Figuren ein oder ihnen zu wenig Raum um ihnen Profil verleihen zu können. Zu kurz kommt bei dieser mechanisch-kühl kalkulierten Erzählweise das Gefühl und in der Liebesgeschichte knisterts nicht, gibt es keine Erotik.

Andererseits hemmen diese Rückblenden natürlich auch den Fortschritt der Handlung, die bei genauerer Betrachtung sehr dünn ist, ohne die Rückblenden förmlich im Nichts verpuffen würde. Denn auf ein karges Gerüst reduziert ist die Geschichte von Wirtschaftsspionage unter zwei konkurrierenden Kosmetikkonzernen.

Und auch die Erzählweise will sich dem Zuschauer als äußerst raffiniert und intelligent geben, wirkt aber in diesem selbstgefälligen Streben nach ständig neuen Wendungen und Pointen bemüht und ist bei genauerer Betrachtung auch recht simpel. Zudem läuft man, wenn man ständig Volten schlägt, freilich auch Gefahr sich in diesem Netz von Finten, Tricks und Wendungen in Widersprüchlichkeiten zu verheddern.

Schöne Auftritte gönnt Tony Gilroy dem Duo Roberts – Owen dennoch, spannend ist der finale Kampf um die Infos und äußerst listig die Schlusswendung. An Filme Hitchcocks und die Eleganz Soderberghs - Vorbilder, auf die hier sichtlich angespielt wird - kommt «Duplicity» somit zwar nicht heran, aber einen vergnüglichen Abend bietet diese Spionagekomödie allemal.

Läuft derzeit im Metrokino Bregenz

Trailer zu «Duplicity - Gemeinsame Geheimsache»

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