Unser Vorarlberger

15.06.2009 Kurt Bracharz

Am Morgen des Wahlsonntags dachte ich, jetzt hätte der Dr. Hans-Peter Martin es aber doch übertrieben. Da lag nämlich wie üblich die Gratiszeitung «Wann & Wo» im Hausflur, und von deren Umschlag lächelte der selbst ernannte «Hecht im Karpfenteich» ungewohnt pastoral – vermutlich dank Photoshop-Nachhilfe. Daneben die putzige Auffordung «Bitte heute wählen gehen», natürlich verbunden mit einem Hinweis, welche Liste, nämlich die 3. Aber das Schönste war doch die Überschrift: «Nur unser Vorarlberger kontrolliert die Mächtigen.»


Unser Vorarlberger! Wer mochte wohl als «wir» zu diesem «unser» gemeint sein? Das fragte ich mich an jenem Morgen, mittlerweile ist die Frage beantwortet worden. Die erste Innenseite des Umschlags hatte HPM auch gekauft, und sein Geld hatte darüber hinaus noch für einige Großplakate mit demselben Motiv gelangt. Also der Mann holt doch aus seinem Job ganz schön Geld heraus, das muss ihm der Neid lassen. Unbezahlbar war allerdings die Propaganda der «Kronen Zeitung» für ihn. Wenn sich die Rechercheure des «profil» nicht verzählt haben, kam HPM in den fünf Wochen vor dem Wahlkampf dort 121 Mal vor, natürlich immer positiv und samt Abdruck seines Buches «Die Europafalle».

Für die österreichischen Steuerzahler sparte HPM als EU-Parlamentarier angeblich schon bisher viel Geld ein, hier fällt allerdings der Nachweis nicht leicht. Selbst in seiner Eigenpropaganda dominiert das Kontrollthema, auch wenn beiläufig erwähnt wird, dass er gegen einen Türkeibeitritt und für die Neutralität Österreichs ist. Dass nur er die Mächtigen kontrolliert, glaubt er wohl selbst, die phänomenale Größe des HPM’schen Egos ist noch jedem aufgefallen, auch denen, die ihn nur vom Wegschauen kennen. Eine erstaunlich speichelleckende Titelstory in «News» zählte seine Freunde auf – vorwiegend Leute, die nur gelegentlich mit ihm zusammentreffen. Die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern dauerte hingegen immer recht kurz, man könnte Wetten darauf annehmen, wie lange es diesmal geht.


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