Wort zum Sonntag

 
Der wöchentliche Kultur-Digestif von Haimo L. Handl.

Deutungshoheit

  

Kürzlich las ich in einer großen Tageszeitung unter dem reißerischen Titel «Gebt uns unsere Kunst zurück!» über den Vorwurf, der Westen, also Europa und die USA, die wichtigen Sammler, Auktionisten und Galeristen, würden die chinesische Kunst nach ihren eigenen Maßstäben...

 

Lehrer schuldig

  

Der Schulschluss naht und damit das Klagen über vermehrten Stress und negative Abschlüsse. Auch heuer werden wieder viele Schüler es nicht schaffen. Erklärungen tun not. Die leichtesten finden die Eltern und ihre gutmeinenden Vertreter in einem stereotypen Angriff auf das Schulsystem, in...

 

Populärhochkultur

  

Vergleicht man die Sportbegeisterung mit der für Populärkultur bzw. «Hochkultur», fallen nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten auf. Hinsichtlich der Beliebtheit bzw. des Massenkonsums rangieren Popkultur und Sport, oder besser gesagt Sportdarbietungskonsum, ganz...

 

Verantwortungen

  

Über gewisse Verantwortungslosigkeit wird geklagt. Männer, die Vaterpflichten nicht wahrnehmen, nicht einmal Alimente bezahlen wollen. Frauen, die als sogenannte Rabenmütter Kinder erwürgen und verscharren. Menschen, die nicht arbeiten wollen, obwohl Tausende Jobs warten, wie man uns...

 

Umverteilung

  

Gegenwärtig wird etwas über die sogenannte Grundsicherung diskutiert bzw. gestritten. Die Argumente der konservativen Seite sind recht eigentümlich. Fast typisch, das heißt, nicht neu, nach altbewährtem Muster. Neues zu visionieren, gar zu wagen, wird kategorisch abgelehnt. Möglich seien...

 

Propaganda als Kunst und Kunst als Agitation

  

Das MAK, das gerne Vorreiter sein möchte, versucht's diesmal mit einer einzigartigen Show nordkoreanischer Kunst. Da muss das Attribut «Staats-» gar nicht angeführt werden, denn in dieser totalitären Diktatur gibt es nur Staatskunst, sozialistischen Realismus als Realismus. Das...

 

In Zeiten der Krise: Exquisit teure Kunst und Tempel samt Events

  

Bis vor kurzem sagte man stolz: «Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut.» Seit den Raubzügen und staatlichen Umverteilungshilfen zugunsten der Reichen und Superreichen hat der Slogan etwas von seinem Charme eingebüßt. Im Kulturbereich gilt anscheinend eine...

 

Verordnungsdenken

  

Kürzlich las ich einen Aufruf einer besorgten Gutmenschlerin, man möge doch der Barbara Karlich verbieten, in ihrer ORF-Talkshow Menschen zu missbrauchen, denn darum handele es sich, wenn sie peinlich einfache Menschen so vorführe. Etliche Personen unterstützten diese Argumentation, waren...

 

Griechische Pein

  

Verantwortliches Management kennt für seine Projekte immer Pläne für den «Fall der Fälle», das sogenannte «worst case scenario». Auch wenn es noch so unwahrscheinlich klingt, man muss wissen, was wie zu geschehen hat, wenn: Wenn dies oder jenes geschieht bzw. NICHT...

 

Verdächtigungsunkultur

  

Es ist wieder modisch geworden nicht nur rasch zu verdächtigen, sondern auch zu verurteilen bzw. verdächtigend zu verurteilen. In einigen Ländern und Gesellschaften reicht das aus für Mord, wenn Islamisten eine Beleidigung ihres Gottes oder des Profeten davon rächen. In anderen, wenn man...

 

Schicksal

  

Was ist Schicksal? Am gegenwärtigen Schicksalsglauben auch in hoch entwickelten, aufgeklärten Gesellschaften lässt sich die Schwäche der Aufklärung ablesen: die willige Unterwerfung unter Vorbestimmung, Determinierung, göttlichem Willen oder, neutraler ausgedrückt, einer vom Menschen...

 

Widersprüchlichkeiten

  

Mit 16 Jahren darf man bei uns sich legal sexuell betätigen, man darf schon wählen und das politische Leben mitbestimmen, aber nicht in ein Solarium. Die elterliche Gewalt ist noch nicht ganz aufgehoben, und wenn etwas «schiefgeht», wird das jugendliche Alter mildernd...

 

Urbane Unfreundlichkeit

  

Betteln bei Strafe verboten, Herumlungern unerwünscht. So wollen die Städte aufräumen mit dem Abschaum, indem sie Armut kriminalisieren, um die Lästigen, die Bettelnden, die Sandler, die Obdachlosen, die Streunenden wegzukriegen. Nachdem es nicht mehr, wie früher, rechtens möglich ist,...

 

Die Zeitmaschine

  

Heute Nacht begann in Mitteleuropa wieder die Sommerzeit. Aus pragmatischem Utilitätsdenken, wie es der Amerikaner Benjamin Franklin in puristischem Produktivitätswahn als erster vorgeschlagen hat, wird der Mensch früher zur Arbeit gejagt, um Kosten zu sparen. Alle folgen willig dem Diktat,...

 

Kinderschändergaudi

  

Die Wellen gehen hoch. Fälle von vor 10, 20, 30 oder 40 Jahren werden gemeldet. Die Anzeiger fühlen sich als Opfer und werden als solche anerkannt. Es wird nicht gesagt, sie WAREN Opfer, sondern behauptet und verstanden, sie SIND Opfer. Die Kampagne ist nicht eine zur Erhellung und...

 
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