Don´t Blink - Robert Frank

07.12.2017 Walter Gasperi

Laura Israel zeichnet in ihrem Dokumentarfilm kein rundes und geschlossenes Bild des schweizerisch-amerikanischen Fotografen und Filmemachers Robert Frank, sondern bietet in einer Kollage aus Statements Franks und seiner Wegbegleiter, seinen Fotografien und Ausschnitten aus seinen zahlreichen Filmen bewusst bruchstückhafte Impressionen seines Lebens und vielfältiges Schaffen. Bei absolut Medien ist «Don´t Blink - Robert Frank» auf DVD erschienen.


Neugierig sein, die Augen offen halten und nicht blinzeln, nennt Robert Frank gegen Ende von Laura Israels Dokumentarfilm als wichtigste Voraussetzungen seines Schaffens. Neugierig ist auch die Regisseurin, die seit Ende der 1980er Jahre Cutterin von Franks Filmen ist. Sie zeichnet nicht brav das Leben des 1924 in Zürich als Sohn einer Schweizerin und eines deutsch-jüdischen Vaters geborenen Fotokünstlers nach, sondern reiht in horrendem Tempo kurze Statements von Frank und seinen Wegbegleitern aneinander, die von ebenso kurzen Ausschnitten aus seinen Filmen und Blicken auf seine Fotos begleitet werden.

Nicht gern scheint der Porträtierte vor die Kamera zu treten, erklärt dass er Interviews hasse, da doch immer wieder die gleichen Fragen gestellt würden, kommentiert aber dann trotzdem sein Leben und Schaffen. Das Privatleben des nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA Emigrierten bleibt am Rande, fließt aber unweigerlich über seine Fotos und Filme in «Don´t Blink – Robert Frank» ein, hat er doch in seinen Filmen immer wieder sein Leben und seine familiäre Situation wie den Tod seiner 20-jährigen Tochter bei einem Flugzeugabsturz und den seines Sohnes thematisiert.

Nur beiläufig werden sein erster Job bei «Harpers Bazaar» und seine anschließende Anstellung beim «New Yorker» gestreift, knapp erwähnt sein bescheidener Lebensstandard während dieser Zeit und seine erste Ehe mit der Künstlerkollegin Mary Lockspeiser.

Im Zentrum steht immer Franks immenses Werk. Deutlich wird dabei durch die Filmausschnitte auch, welch weit gespanntes Netz an Beziehungen er hat, mit wie vielen Berühmtheiten er zusammenarbeitete. Von der Beatnik-Bewegung um Jack Kerouac und Allen Ginsberg bis zu Mick Jagger und den Rolling Stones, mit denen er 1972 den nie veröffentlichten Dokumentarfilm «Cocksucker Blues» drehte, und dem Kameramann Ed Lachman, mit dem er zusammenarbeitete, spannt sich der Bogen.

Kaum auf die Fotos des Buchs «The Americans», mit dem Frank 1958 der Durchbruch gelang, für das er gleichzeitig aber auch als Amerika-Hasser kritisiert wurde, geht Israel ein. Sie vermittelt allein mit den Inserts 10.000 Meilen, 30 Bundesstaaten, 27000 Fotos einen Eindruck davon, welche Arbeit hinter diesem Werk steht, für das er schließlich 83 Fotos auswählte.

Im Zentrum steht aber der Versuch über das Werk die Person des inzwischen 93-Jährigen zu erfassen, der sich nach außen immer wieder mal schroff gibt, gleichzeitig aber spüren lässt, dass sich hinter der rauen Schale Wärme und Menschenfreundlichkeit verbergen. Ganz auf ihn fokussiert Israel in ihrem an Archivmaterial und Informationen übervollen Dokumentarfilm.

Geradezu erschlagen lässt sie bei diesem atemlosen 80-minütigen Trip durch ein Künstlerleben zumindest den mit dem Leben und Schaffen Franks nicht vertrauten Zuschauer zurück, weckt aber mit der Informationsfülle auch das Interesse sich mit diesem herausragenden Fotokünstler des 20. Jahrhunderts näher zu beschäftigen.

An Sprachversionen bietet die bei absolut Medien erschienene DVD die englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Extras gibt es keine.

Trailer zu «Don´t Blink - Robert Frank»

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