14. August 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / Filmriss
logo filmriss

Woher kommt der Mensch? Wer ist sein Schöpfer? - Große Fragen lauern im Hintergrund von "Prometheus", doch Ridley Scott interessiert sich vor allem für eine visuell atemberaubende Oberfläche. Mit dem optischen Genuss kann der Inhalt nicht mithalten und im Finale driftet das "Alien"-Prequel in einen flachen Horrorfilm ab.

Rund zehn Jahre lang gibt es schon Pläne für ein "Alien"-Prequel. Ridley Scott und James Cameron entwickelten Ideen, dann kam 2003 "Alien vs. Predator" in die Kinos und das Projekt wurde beiseite gelegt. 2009 zeigte Scott wieder Interesse, das Drehbuch von Jon Spaith missfiel ihm aber wegen der Nähe zu "Alien" und er holte "Lost"-Koautor Damon Lindehof ins Bot, der Spaiths Fassung überarbeitete.

Zum "Alien"-Prequel wird "Prometheus" erst im Finale, wenn ähnliche schlangenartige Monster auftreten. Näher ist der Film, dessen Title sich auf den antiken Prometheus-Mythos bezieht, mit der Frage nach dem Schöpfer zunächst aber "Blade Runner".

Visuell grandios ist die Eröffnungsszene, in der ein riesiges Raumschiff Gletscher, Felslandschaften, endlose Flusstäler und Wasserfälle überfliegt. Auf Island wurde diese Szene gedreht, an deren Ende sich ein muskelbepacktes kahlköpfiges Wesen opfert, indem es sich in einen Wasserfall stürzt und mit dem Zerbrechen des Körpers die Grundbausteine des Lebens verteilt: Wie bei Erich von Däniken scheinen die Götter einst der Erde einen Besuch abgestattet zu haben.

Mit einem Schnitt sind wir im Jahr 2089 und Archäologen entdecken auf der schottischen Isle of Skye Höhlenmalereien, auf denen sich die gleiche Planetenformation findet, wie auf den Malereien vieler anderer früher Kulturen. Mit einem weiteren Schnitt sind nochmals vier Jahre übersprungen und das Raumschiff Prometheus befindet sich schon im Anflug auf einen der Planeten, die auf den Wandmalereien dargestellt sind.

So furios die Eröffnung ist, so eindrucksvoll geht es weiter, wenn Scott den Zuschauer durch das in Weiß getauchte, klinisch saubere Raumschiff führt. Eine ähnliche Kälte wie das Raumschiff strahlt auch der Android David (Michael Fassbender) aus, der die im Tiefschlaf liegenden Wissenschaftler weckt. Sein Streben nach Menschlichkeit, das in seinem begeisterten Studium von David Leans "Lawrence of Arabia" und seinem sich an Peter O´Toole orientierenden Verhalten zum Ausdruck kommt, wird leider ebenso wenig weiter verfolgt, wie die Frage, ob Meredith Vickers (Charlize Theron), die als Repräsentation der das Unternehmen sponsernden Konzerns den Oberbefehl hat, nicht auch ein künstlicher Mensch ist.

Man erwartet und hofft aber weiterhin, dass die Fragen nach Herkunft des Menschen, nach künstlicher Existenz und Schöpfungsakt, der auch in einer Schwangerschaft der Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) angeschnitten wird, vertieft werden, doch Scott ist mehr an perfekter Verpackung als an inhaltlicher Tiefe interessiert.

Wunderbar zurückhaltend entwickelt der vom Werbefilm kommende Brite zwar zunächst die Handlung, wenn die Wissenschaftler den Planeten zu erkunden beginnen und in eine vermeintliche Höhle vordringen. Mit einem perfekten Production-Design, dunklen Grautönen und Schwarz schafft Scott eine klaustrophobische Atmosphäre.

Gefangen ist man als Zuschauer von dieser Welt, erst nach über einer Stunde bricht hier die Gewalt los. Dann aber entwickelt sich "Prometheus" immer mehr zum genreüblichen Horrorfilm, der mehr auf drastische Schockszenen setzt als die angeschnittenen philosophischen Fragen weiter zu entwickeln.

Enorm groß ist hier die Fallhöhe zwischen der stupenden visuellen Gestaltung und den grandiosen Bildeinfällen auf der einen Seite und der inhaltlichen Durchdringung des Themas auf der anderen. Um dieses zu vertiefen bleiben auch die Figuren trotz eines exzellenten Casts zu blass. Das Einzige, was zählt, ist hier die visuelle Oberfläche.

Diese freilich ist so beeindruckend, dass "Prometheus" auch dann noch fasziniert, wenn jedes Interesse an Inhalten längst den Bach hinunter gegangen ist und sich Noomi Rapace als Dr. Elizabeth Shaw zur nicht minder toughen Nachfolgerin oder Vorgängerin von Sigourney Weaver in "Alien" entwickelt hat. Dann geht es nur noch um den Überlebenskampf und einerseits um die Hinführung zu "Alien", andererseits aber auch um die Vorbereitung eines Sequels zu "Prometheus". - Das wäre dann wohl der in der Filmgeschichte ziemlich einmalige Fall eines Sequels zum Prequel. Solange die Zuschauerzahlen stimmen, wird man an dieser Schraube sicherlich beliebig weiter drehen.

Läuft derzeit in den Kinos

Trailer zu "Prometheus"

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



Ähnliche Beiträge


Ein Reisender durch die Zeiten: Ridley Scott Mo, 13.08.2012

21346-21346prometheusplakat.jpg