Mi, 30.11.2011 / Rosemarie Schmitt / Musikuß
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Hätte er doch nur hundert Jahre länger gelebt! Er hätte noch so Vieles komponieren und mit dem Wissen gehen können, daß seine Werke nicht nur Konzertbesuchern, sondern allen Menschen zugänglich würden. Vorausgesetzt jedenfalls sie verfügten über das nötige Kleingeld sich ein Grammophon und die dazugehörigen Schallplatten zu kaufen. Eine Schellackplatte kostete 1904 immerhin 2,50 Mark! Was wäre Ihre Wahl gewesen: 1 Schallplatte oder 2 Kilogramm Rinderfleisch? Die Entscheidung fällt sicher leicht, ist man satt.

Am 14. Dezember 1788 starb Carl Philipp Emanuel Bach. Er war einer der Söhne Johann Sebastian Bachs und sein Taufpate war kein Geringerer als Georg Philipp Telemann. Wie dieser musikalischste aller Überväter Johann Sebastian wohl damit zurecht kam, daß sein Sohn ihm die Show stahl und der Herr Papa plötzlich im Schatten des Filius stand? Denn Carl Philipp Emanuel Bach war bereits zu Lebzeiten berühmt und seine Kompositionen gerne gehört.

Seine Werke waren im Vergleich zu denen seines Vaters weniger "berechnend". Er komponierte nicht ausschließlich mit mathematischem Verstand, sondern verwob klare, logische Strukturen mit einem ordentlichen Quantum Herz und Gefühl. Er war eben nicht nur ein Kind Bachs, sondern auch eines seiner Zeit, schließlich stand das Zeitalter der Wiener Klassik kurz bevor (etwa ab dem Jahr 1780).

C.P.E. Bach war Anfang sechzig (1775/76) als er dies komponierte: "Orchester Sinfonien mit zwölf obligaten Stimmen: 2 Hörnern, 2 Hoboen, 2 Violinen, Bratsche, Violoncell, Fagott, Flügel und Violon. Seiner Königlichen Hoheit Friedrich Wilhelm, Prinzen von Preussen, unterthänigst gewidmet von Carl Philipp Emanuel Bach, Capellmeister und Musikdirector in Hamburg." Der Charme dieser 4 Orchestersinfonien läßt sich nur durch Eines überbieten: durch den Charme der Schallplatte! Und wenn beides zusammen trifft...!

Es gibt eben Dinge, die kann man nicht besser machen! So wie die Aufnahme in der Berliner Christuskirche im November 1986. Damals spielte Hartmut Haenchen mit dem Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach" diese Orchestersinfonien ein. Und nun, 25 Jahre später erscheint diese Einspielung erneut bei "Chrystal"-Classics, zunächst tatsächlich ausschließlich als LP!

Ich wünsche Ihnen eine charmante Vorweihnachtszeit und gute Einfälle für einzigartige und außergewöhnliche Geschenke!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



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CHRYSTAL Classics: Orchester Sinfonien von Carl Philipp Emanuel Bach, LP
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Carl Philipp Emanuel Bach
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Der Dirigent Hartmut Haenchen. Foto: G. Mothes