18. November 2007 - 2:32 / Bühne / Schauspiel 

Am Mittwoch, 7. November 2007, findet um 20 Uhr im Zürcher Schiffbau die Premiere von "Biologie der Angst" statt. In seinem neuesten Projekt geht es Schorsch Kamerun um die Angst: Wie weit ist sie Antrieb, wieweit Werkzeug der Manipulation? Der Abend wird in Kamerunscher Manier revuehaft und musikalisch sein.

Unter dem Druck der Globalisierung hat sich unsere Gesellschaft von der Utopie einer Arbeitswelt ohne Existenzangst längst verabschiedet. Immer weniger wird die Leistung bewertet und immer mehr die Persönlichkeit. Via Internet und Handy wird die private Sphäre immer mehr aufgelöst. Es gibt Soziologen und Neurologen, die entdeckt zu haben glauben, dass die Angst uns gut tut, dass nur sie uns fit für die Herausforderungen macht, die die Zukunft an die Menschheit stellen wird. – Trotzdem häufen sich in Kliniken und Therapiestationen unheilbare Angstdefekte. Psychopharmaka werden zum Treibstoff unserer Arbeitswelt.

Schorsch Kameruns Projekt "Biologie der Angst" will den Bereich der Unschärfe zwischen Angst als Motor und Angst als Gift poetisch-spielerisch ergründen. Das Bühnenbild in der Halle 2 gleicht einer Versuchsstation für Psychotests, wird jedoch im Spiel als Klinik bezeichnet, deren Patienten nie gewiss sein können, ob sie dort zum Zweck der Heilung oder Teil eines gross angelegten Menschenversuchs sind. Da sind Ärzte und Patienten, die sich gegenseitig Aufgaben stellen.

Eine besondere Rolle spielt der Wunderheiler, der den Abend moderieren wird, und dessen Ziel es offensichtlich ist, das Publikum zu therapieren, wozu die Bühnenshow ihm ein willkommenes Mittel ist. Die Vorstellung nimmt insgesamt einen – aus Kameruns Projekten schon bekannten – revuehaften Charakter an. Constanze Kümmel, die bereits die Bühne der Zürcher Inszenierung von "Metropolis" ausgestattet hat, baut wiederum ein grosszügiges, aber auch verstörendes Bild, in dem Fernsehquiz, Versuchsraum, Kinderparadies ineinander übergehen.

Schorsch Kamerun arbeitet seit 2000 regelmässig am Schauspielhaus. In der letzten Spielzeit realisierte er im Atrium des Schiffbaus die winterliche Freiluftinszenierung "Lockruf des Katzengoldes" nach Jack London. In "Biologie der Angst" bindet Kamerun zusätzlich zu den professionellen Darstellern und einer Tänzerin eine Gruppe von Experten ein: Angstpatienten, die zum Teil in jahrelanger Praxis gelernt haben, mit Angstsymptomen umzugehen.


Biologie der Angst von Schorsch Kamerun - Uraufführung
Premiere: Mi 7. November 07, 20 Uhr, Schiffbau Halle 2

Regie Schorsch Kamerun – Bühne Constanze Kümmel – Kostüme Daniele Selig – Musik Jonas Landerschier ­ – Choreografie Zenta Haerter – Video Meika Dresenkamp – Licht Sascha Haenschke – Dramaturgie Andreas Erdmann

Mit: Mirjam Heimann, Fabian Hinrichs, Marcus Kiepe, Miriam Maertens, André Meyer, Natasha Ng, Michael Ransburg und Marie-Lies Birchler, Beatrice Haupt, Tamar Pollak, Norbert David Lohrmann

Weitere Vorstellungen:
8./9./12./15. November 07
16./17./19./20. November 07

Schauspielhaus Schiffbau
Schiffbaustrasse 4
CH - 8005 Zürich

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