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In einem Schweizer Bergdorf lebt Hanna mit ihren Eltern. Ihr Bruder ist vor einiger Zeit abgestürzt, die Familie zerbricht an diesem Unglück. Eines Tages trifft Hanna am Bahnhof, der einzigen Kontaktstelle zur Außenwelt, auf Tobias aus der Stadt, der mit seiner Mitbewohnerin Jasmin für gelegentliche Ausflüge in die Berge ins Dorf kommt.

Tobias lauscht fasziniert den Mythen der Bergwelt, die Hanna ihm erzählt. Die beiden freunden sich an. Seit dem Tod ihres Bruders flieht Hanna vor der bedrückenden Atmosphäre auf dem Hof der Eltern. Die wahren Umstände seines tragischen Unfalls kennt nur Vater Jakob, doch der schweigt und flüchtet, von Schuldgefühlen gepeinigt, immer wieder zum örtlichen Pfarrer. Hannas Welt zerbricht immer weiter. Sie beschließt, das Dorf endgültig zu verlassen und zu Tobias in die Stadt zu gehen. Doch der weist sie zurück. So erscheint ihre Zukunft als tragisch-düsterer Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt.

Aus lokalen Sagen hat der junge Berner Dramatiker Reto Finger in den Erzählungen Hannas eine Parallel-Geschichte entworfen, an deren Anfang das Singen als Ausdruck der Einheit des Menschen mit der Welt steht. Die Sagen stehen dem tatsächlichem Leben von Hanna gegenüber: Wenn sie versucht mit dem Pfarrer oder dem Vater (die patriarchale Welt verkörpern Kurt Sternik und Mario Plaz) ein wirkliches Gespräch zu führen, wenn sie auf ein leichtes Wort von Tobias hin plötzlich vor dessen Wohnung in der Stadt steht, wenn sie die Fehlgeburt ihrer Lieblingskuh in Worte fasst. Helga Pedross als Mutter kann ihr dabei so wenig beistehen, wie Jasmin, die Sara Livia Krierer spielt, am Ende die bloße Mitbewohnerin von Tobias ist.

In einer poetisch-kargen Sprache hat Reto Finger, der für "Kaltes Land" mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet wurde, ein Stück neuer Archaik geschaffen, das am Vorarlberger Landestheater der Intendant Harald F. Petermichl im Bühnenbild von Karl-Heinz Steck und der Ausstattung von Christine Brandi inszeniert. Finger wurde 1972 in Bern geboren. Er lebt in Zürich, wo er sein Studium für Rechtswissenschaften und Rechtsphilosophieabschloss und zwei Jahre am Bezirksgericht arbeitete. Sein erstes Stück "Schwimmen wie Hunde" entstand im Rahmen des Förderprogramms für junge Schweizer Dramatiker "Dramenprozessor". "Kaltes Land" entstand während seines Aufenthalts als Stadtschreiber im Berner Emmental.


Kaltes Land von Reto Finger
Premiere: Sa 12. Januar 08, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
16./17./27./29. Januar 08
8./ 9./14. Februar 08

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 42 8 70
F: 0043 (0)5574 48 3 66
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