Mi, 07.01.2009 / Ausstellung / Archiv
Do, 30.10.2008 Mo, 12.01.2009
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Unter dem Titel "Zeitblick" zeigt die Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland eine Ausstellung mit 50 Werken aus den Ankäufen der letzten zehn Jahre. Anlass ist das zehnjährige Bestehen des Amtes des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Bereits seit 1971 stellt die Bundesregierung jährlich einen Etat, derzeit knapp 500.000 Euro, für Ankäufe zeitgenössischer Kunst zur Verfügung, die von einer unabhängigen Ankaufskommission empfohlen und mehrheitlich beschlossen werden.

So konnte über Jahrzehnte hinweg eine Sammlung mit Werken aufgebaut werden, die als Zeichen der Zeit, in der wir leben, zur kulturellen Repräsentation des Bundes erworben werden. Gemeinsam ist den Werken, dass sie in Deutschland entstanden oder von deutschen Künstlern geschaffen worden sind. Bisher haben 20 Ankaufskommissionen fast 1300 Exponate für die Sammlung des Bundes empfohlen. Da die Bundessammlung über keinen festen Ort verfügt, sind die Werke über die ganze Bundesrepublik und darüber hinaus auch international verstreut. Öffentliche Institutionen, Ministerien, Botschaften, das Bundeskanzleramt, das Bundespräsidialamt, aber auch zahlreiche kleinere und große Museen in Deutschland sind Leihnehmer der Exponate. Teile der Sammlung werden der breiteren Öffentlichkeit alle paar Jahre im Rahmen einer Ausstellung präsentiert.

Auch die Dekade zwischen 1998 und 2008 war mit zwei Ausstellungen, die an vier verschiedenen Orten im In- und Ausland gezeigt wurden, von einer regen Ausstellungstätigkeit geprägt. So wurde im Jahre 2007, anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, unter dem Titel "Visit(e)" im Palais des Beaux-Arts in Brüssel eine Auswahl von 40 künstlerischen Positionen präsentiert (kuratiert von Eugen Blume und Anette Hüsch), die 2008 in der Bundeskunsthalle in Bonn in erweiterter Form zu sehen war. In Berlin wurde 2003 mit "actionbutton" (kuratiert von Veit Loers) im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart eine Präsentation der Neuerwerbungen aus den Jahren 2000-2003 gezeigt, die dann 2004 auch im Russischen Museum in St.Petersburg zu sehen war.

Die nun im Martin-Gropius-Bau versammelten Werke wurden zwischen 1998 und 2008 angekauft und bis auf eine Ausnahme noch nicht öffentlich im Rahmen der Sammlung präsentiert. Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben fast 400 Werke in die Sammlung Eingang gefunden, darunter solche von international renommierten Künstlern wie Olafur Eliasson, Isa Genzken, Jonathan Monk oder Thomas Struth. Die Ankaufskommissionen sind aber zugleich der Tradition der Sammlung gefolgt, ein Augenmerk auf junge, äußerst vielversprechende Positionen zu legen, und haben Arbeiten beispielsweise von Ulla von Brandenburg, Ceal Floyer, Michael Sailstorfer, Jorinde Voigt oder Haegue Yang erworben. Damit ist die Sammlung auch Ausdruck der für den Kunststandort Deutschland und Berlin im Speziellen äußerst lebendigen letzten zwei Jahrzehnte.

Von Fotografie über Malerei, Skulptur, Video und Zeichnung sind alle Gattungen der Kunst vertreten. Einige raumgreifende Installationen verdeutlichen, dass die Sammlung nicht auf "Ausschmückung" von Dienstgebäuden ausgerichtet ist. Angesichts der Bandbreite und Komplexität der Sammlung spricht Wulf Herzogenrath, längjähriges Mitglied der Ankaufskommission, in seinem Katalogbeitrag von der Museumsqualität der Sammlung.

Folgende Künstler sind an der Ausstellung beteiligt: Axel Anklam, Nairy Baghramian, Lothar Baumgarten, Thomas Bayrle, Ulla von Brandenburg, Monika Brandmeier, George Brecht, Birgit Brenner, Jan Brokof, Andreas Bunte, Martin Dörbaum, Jürgen Drescher, Felix Droese, Olafur Eliasson, Ceal Floyer, Peter Friedl, Christian Frosch, Isa Genzken, Katharina Grosse, Julius Grünewald, Beate Gütschow, Sven Johne, MK Kähne, Veronika Kellndorfer, Kopys/Löffler, Valerie Krause, Ulrike Kuschel, Uwe Lausen, Thomas Locher, Rita McBride, Meuser, Matthias Meyer, Jonathan Monk, Bettina Pousttchi, Timm Rautert, Dieter Roth, Peter Rösel, Michael Sailstorfer, Karin Sander, Albrecht Schäfer, Dirk Skreber, Andreas Slominski, Thomas Steffl, Lorenz Straßl, Thomas Struth, Jorinde Voigt, Johannes Wohnseifer, Haegue Yang, David Zink Yi.


Katalog: "Zeitblick. Ankäufe der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland 1998 – 2008", DuMont Buchverlag Köln 2008, 204 Seiten, EUR 19,90.- Mit Beiträgen von Anne-Marie Bonnet, Ingvild Goetz, Wulf Herzogenrath, Anette Hüsch, Veit Loers, Bernhart Schwenk und Thomas Wagner.

Zeitblick. Ankäufe der Sammlung Zeitgenössischer Kunst
der Bundesrepublik Deutschland 1998 — 2008
30. Oktober 2008 bis 12. Januar 2009

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
D - 10963 Berlin

T: 0049 (0)30 25486-0
F: 0049 (0)30 25486-107
E: post@gropiusbau.de
W: http://www.gropiusbau.de/

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Axel Anklam / o.T., 2004. Edelstahl, patiniert (Edition 1/3), 45 x 87 x 54 cm. Foto: BKM 2008; © VG Bild-Kunst, Bonn 2008
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Korpys/Löffler: Stadt von Morgen, 2007. Video und 15 C-prints, 3 s/w Barytabzüge. Foto: Heinz Pelz, Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe; © VG Bild-Kunst, Bonn 2008
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