Di, 27.05.2008 / Archiv / Fotografie
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Annemarie Schwarzenbach, am 23. Mai 1908 in Zürich geboren, will zuerst General, Pianistin oder Tänzerin werden und entscheidet sich dann für das Schreiben. Sie studiert Geschichte in Zürich und Paris und publiziert mit 23 ihren ersten Roman. Jeder, der sie sieht, verliebt sich in die schöne Frau, die freilich schon immer weiss, "dass ich nur Frauen mit wirklicher Leidenschaft lieben kann."

Mit den Kindern von Thomas Mann, Erika und Klaus, ist sie eng befreundet und teilt ihre antifaschistische Haltung. Mit der eigenen Familie, einer der reichsten des Landes, die Hitlers wahre Natur lange Zeit verkennt, gerät sie in schwere Konflikte. Bis 1933 lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin, danach wird sie eine "unheilbar Reisende". In weniger als zehn Jahren fährt sie vier Mal nach Persien, vier Mal in die Vereinigten Staaten, mehrmals durch ganz Europa und 1939 in Begleitung von Ella Maillart in einem Ford von Genf bis nach Kabul. Zwei Jahre später bricht sie auf ins "Herz der Dunkelheit" (Joseph Conrad), den Kongo. Über 300 Reisefeuilletons und mehrere tausend Fotos dokumentieren das ruhelose Leben dieser modernen Nomadin. In die Heimat kehrt sie immer wieder zurück, sei es in ihr geliebtes Sils im Engadin oder in eine der zahlreichen Schweizer Privatkliniken, wo sie sich vom Morphium zu befreien sucht. 1942 stirbt sie mit 34 Jahren in Sils.

Die Ausstellung findet anlässlich des 100. Geburtstags von Annemarie Schwarzenbach (23. Mai) statt und verdankt ihren Titel einer bislang unveröffentlichten Novelle. Sie zeigt Leben, Werk und Mythos der 1987 wiederentdeckten Autorin anhand einer Vielzahl bisher unbekannter, oft aus Privatbesitz stammenden Archivalien, darunter Briefe, Filme, Fotos, Tagebücher und Manuskripte. Zu sehen ist auch das Rosenkavalier-Kostüm, das Annemarie Schwarzenbach oft trug und das alle Aspekte ihres faszinierenden androgynen Wesens in sich vereint. Kurator der Ausstellung ist der Historiker Alexis Schwarzenbach, ein Grossneffe der Autorin.


Begleitpublikationen: Alexis Schwarzenbach, Auf der Schwelle des Fremden. Das Leben der Annemarie Schwarzenbach, ca. 400 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Collection Rolf Heyne, München, ca. CHF 96 (in der Ausstellung CHF 65).

Annemarie Schwarzenbach - Eine Frau zu sehen
19. März bis 1. Juni 2008

Strauhof Zürich
Augustinergasse 9
CH 8001 Zürich
T 0041 (0)44 412 31 39

Öffnungszeiten:
Di bis Fr 12 – 18 Uhr
Sa bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen



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Annemarie Schwarzenbach und ihr Mercedes Mannheim, Berlin 1932. Foto: Marianne Breslauer; Bildquelle: Sammlung Alexis Schwarzenbach, Zürich. © 2008 by the Estate of Marianne Breslauer, Zürich
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Annemarie Schwarzenbach als Rosenkavalier, Bocken 1922. Foto: Renée Schwarzenbach- Wille. Archiv Dr. Alexis Schwarzenbach, Zürich; © 2008 by Alexis Schwarzenbach
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Annemarie Schwarzenbach und ihr Hund Doktor, Engadin, um 1936. Fotograf: unbekannt; Quelle: Nachlass Annemarie Schwarzenbach, Schweizerisches Literaturarchiv, Bern
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Annemarie Schwarzenbach fotografiert im Berliner Ullstein-Studio von Marianne Breslauer, 1931. Bildquelle: Sammlung Alexis Schwarzenbach, Zürich; © 2008 by the Estate of Marianne Breslauer, Zürich