26. Februar 2011 - 2:31 / Archiv / Sonstige 

Die Ausstellung "Ralf Witthaus – Künstlerbücher und Bucheinbände" in der Kölner Kunst und Museumsbibliothek (KMB) zeigt vom 15. Januar bis 28. Februar 2011 erstmals die Buchkunst von Ralf Witthaus in all ihren Facetten. Fast das komplette künstlerische Frühwerk von Witthaus findet sich in Skizzenbüchern, Künstlerbüchern und auf Bucheinbänden gezeichnet. Seit 1994, seinem ersten Studienjahr, bis heute entstanden an die 300 Bücher. Der Bogen in diesen Zeichenbüchern reicht von ersten zeichnerischen Übungen bis zu der jüngsten Werkreihe, die erst vor wenigen Wochen während der Nachbereitung der Bundesrasenschau entstand.

Der 20-Jährige begann mit einem tagebuchartigen Arbeitsansatz, es ging um die Welt, die er sah: Landschaft, Aktunterricht, Portrait, Dinge des Alltags. Er wollte wahrnehmen, darstellen, üben und experimentieren. Bis er feststellte, dass alle Besessenheit für Genauigkeit und die Hingabe, unterschiedlichste Terrains von Zeichnung auszuloten, ihn nicht weiterbrachten. Darauf folgte eine Suche nach Inhalten und nach neuen Strategien außerhalb der zeichnerischen Form. Wenn man ihn fragt, warum er so viel in Bücher zeichnet, antwortet er: "Ich bin sehr produktiv! Wie soll man sonst Ordnung halten?" Er erzählt, wie er im Studium erlebte, dass soviel für die Schublade produziert wurde. Deshalb bevorzugte er von Anfang an das Skizzenbuch. "Ich mochte kein Lager, keinen riesigen Haufen in der Schublade haben – und das ist auch der Grund, warum ich dann später als Zeichner in den öffentlichen Raum gegangen bin. Das machte mehr Sinn: Meine Kunst ist für alle!"

Bald versuchte er das Element des "Site Specific", also den Ortsbezug, der für seine Landschaftskunst sehr wichtig ist, zurück auf das Buch zu importieren. 2002 begann Witthaus auf entkernte Bucheinbände zu zeichnen und zu collagieren. "Buchdeckellandschaften" nannte er sie. Er sortierte Bücher aus, zuerst seine eigene Sammlung. Bei denen, die keine Funktion mehr für ihn hatten, riss er den Bucheinband vom Buchblock und bearbeitete den Einband weiter. Er gab ihm eine neue Funktion. Manchmal machte sich die künstlerische Arbeit an dem Buch oder seinem Titel fest, manchmal zogen sich ganze Themenreihen durch die zumeist kleinformatigen Arbeiten. Diese waren in ihrer Machart sehr unterschiedlich, aber in der Hängung brachte er seine "Assoziationsketten" in neue größere Zusammenhänge. Er hing die Bilder wie Wolken, alles schien in Bewegung und doch gab es Zusammengehörigkeit. Die Skizzenbücher blieben Begleiter, aber nun mehr als Tagebücher des Künstlers.

Seit 2009 gibt es eine neue Serie, die sich zentral in seinen Zeichenheften abspielt. Ralf Witthaus beschäftigt sich erneut mit der Tierwelt sowie mit seiner Handschrift und beginnt in den Büchern das Minimum von Zeichnung zu erforschen. Hier finden sich deutliche Parallelen zu der Entwicklung der Rasenmäherzeichnungen. Hunderte von Blättern reihen sich in den Skizzenheften auf, bei denen mitunter große Lebendigkeit und Leichtigkeit in kleinsten zeichnerischen Gesten entstehen. Erzählerisch reihen sich die Blätter aneinander. Alle Einzelbilder zusammen bilden jedoch eigene und offene Bildeinheiten. Manche Werke bestehen nur aus einzelnen Linien, andere beschreiben Dinge oder Situationen des Alltags, aber es können sich manchmal auch mehrere Dinge aus der gleichen Zeichnung beschreiben lassen. Die Arbeiten auf den anderen Seiten schimmern leicht hindurch.

Witthaus betont das Momenthafte – ähnlich wie bei den Werken im Außenraum konzentriert sich die künstlerische Arbeit ganz auf das Hier und Jetzt. Da er sich in seinen Künstlerbüchern nicht wie bei den Rasenmäherzeichnungen auf die Gegebenheiten von Orten zu beziehen braucht, wohnt den Zeichnungen eine andere Freiheit inne. Sie bilden den spontanen Kontrapunkt zu den organisatorisch aufwändigen und körperlich anstrengenden Großprojekten des Künstlers. Die Zeichnung fließt wie Energie in den Büchern und es zeigt sich, wie einfach Gedanken körperhaft werden.

Ralf Witthaus – Künstlerbücher und Bucheinbände
15. Januar bis 28. Februar 2011

Kunst- und Museumsbibliothek
Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstraße 1
Köln-Innenstadt



  •  15. Januar 2011 28. Februar 2011 /
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Doppelgut, 2008, 36 x 25 cm. © Ralf Witthaus
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Haus mit zwei Vulkanen, 2008, 48,5 x 32 cm. © Ralf Witthaus
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Leiterpyramide, 2008, 43 x 27 cm. © Ralf Witthaus