3. Mai 2011 - 2:20 / Ausstellung / Archiv 
26. Februar 2011 8. Mai 2011

Markus Lüpertz gilt als ein "Malerfürst" unserer Zeit. Die Kunsthalle Jesuitenkirche zeigt anlässlich seines 70. Geburtstages eine Auswahl seiner Zeichnungen, Graphiken und Skulpturen. Der umstrittene Künstler, der bis 2009 mit der Kunstakademie Düsseldorf eine der einflussreichsten Kunstschulen Deutschlands leitete, ist besonders mit seiner "dithyrambischen" Malerei in den 1960er Jahren bekannt geworden.

Seitdem bricht sich seine ungebremste Kreativität Bahn in großformatiger Malerei, Zeichnungen und einem beeindruckenden plastischen Werk. Ergänzt und dialogisch fortgeführt werden die häufig mythologischen Themen in zahlreichen farbigen Lithographien und Radierungen. Dabei fällt auf, wie frisch und respektlos Lüpertz sich gerade den Sujets nähert, die fest in der Kunstgeschichte verankert sind: So werden mythologische Figuren in völlig unklassischen Proportionen dargestellt, mit protzenden Muskeln und bewusst eingesetzten Hohlräumen. Statt edler Bronze- oder Marmorästhetik bemalt Lüpertz viele seiner Skulpturen in den leuchtendsten Farben und nutzt sie damit als Fläche für eine vom Gegenständlichen befreite, nur für sich wirkende Malerei. Viele seiner Werke erhalten so einen Ausdruck des Rohen, Primitiven und Archaischen, der ihnen eine besondere Wucht verleiht.

Das gilt auch für einige druckgraphische Werke: In mannshohen Holzschnitten etwa setzt Lüpertz auf die große Form und den plakativen Einsatz großer farbiger Flächen. Einen Kontrast dazu bilden filigrane Radierungen, in denen er sich, wie in der Spanischen Serie, mit der Vergänglichkeit auseinandersetzt oder konzentrierte Serien von Köpfen oder Diamanten schafft. Einige Kaltnadelradierungen und Heliogravüren hingegen nähern sich in der Ästhetik seinen spontanen Zeichnungen an. Die Ausstellung in der Kunsthalle Jesuitenkirche zeigt den Maler Markus Lüpertz bewusst nicht in seinem malerischen Werk. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die begleitenden und das malerische Hauptwerk umspielenden Gattungen.

So zeigt sich, wie er die Themen seiner Malerei und Skulptur mit allen ihm zur Verfügung stehenden künstlerischen Mitteln durchdringt, wie Zeichnung, Skulptur und Druckgraphik ein Wechselspiel eingehen, das verschiedenste Aspekte eines gestalterischen Gedankens umkreist. Die Ausstellung bietet damit einen tiefen Einblick in das kreative Schaffen eines inspirierten Künstlers und unermüdlichen Arbeiters.

Markus Lüpertz - Sagenhaft
Malerentgegnungen in Zeichnungen, Graphiken und Skulpturen
26. Februar bis 8. Mai 2011

Kunsthalle Jesuitenkirche
Pfaffengasse 26
D - 63739 Aschaffenburg

W: http://www.kunsthalle-jesuitenkirche.de/

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