18. Februar 2012 - 1:14 / Ausstellung 
19. November 2011 19. Februar 2012

Am Freitag, den 18. November 2011, eröffnete der Heidelberger Kunstverein zum zweiten Mal eine Ausstellung, die sich unter dem Titel "Übermorgenkünstler II" dem Nachwuchs aus den umliegenden staatlichen Akademien und Hochschulen für Bildende Künste widmet. Wie auch bei der ersten Ausgabe der "Übermorgenkünstler" 2009 konnten sich, da Heidelberg über keine offizielle Akademie für Bildende Künste verfügt, eingeschriebene Studenten der Akademien in Frankfurt, Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Mainz und Offenbach mit einer Arbeit bewerben.

Insgesamt 308 Bewerbungen gingen im Kunstverein ein – eine überwältigende Zahl, die zeigt, in welch kurzer Zeit sich das Ausstellungsformat in der Region einen Namen gemacht hat. Die Jury, bestehend aus Nina Gülicher, Sammlungskuratorin des Wilhelm-Hack-Museums Ludwigshafen, Bernd Reiß, Kurator am Museum für Moderne Kunst Frankfurt a.M. und Susana Sáez, Interimsleiterin des Heidelberger Kunstvereins, wählte insgesamt 18 Beiträge aus, die nun vom 19. November 2011 bis 19. Februar 2012 im
Kunstverein zu sehen sind.

Lucas Fastabend und Leo Wörner haben den Titel der Ausstellung als Ausgangspunkt für ihre gemeinsame Arbeit gewählt. Für "Vehicle" begaben sie sich auf eine 48-stündige Reise nach Heidelberg und in das "Übermorgen". Die Reise führte sie von ihrem Wohn- und Arbeitsort Frankfurt am Main über die wichtigsten deutschen Kunststädte Düsseldorf, Berlin und Leipzig an den Ateliers von Katharina Grosse, John Bock und Matthias Weischer vorbei. In der Halle des Kunstvereins sind die Mitbringsel ihres Roadtrips zu sehen – eine 48-stündige Videodokumentation der Reise und verschlossene Transportkisten für Kunstwerke, die die drei namhaften deutschen Künstler den Nachwuchskünstlern übergeben haben.

Zuzanna Czebatul präsentiert auf einem pyramidenartigen Podium 20 Schmuckbüsten. "Collar" befasst sich mit den Mechanismen der Generierung von Bedeutung und Macht. Zweifel an Bedeutungshoheiten klingen auch in der Außeninstallation "I know you know I know" von Tobias Donat an: An der historischen Fassade des Kurpfälzischen Museums wehen zwei Flaggen mit den eingenähten Begriffen Fake/Real und True/False.

Mehrere der ausstellenden Künstler greifen auf eine geometrisch-abstrakte Formensprache zurück. Enrico Bach spielt auf großformatigen Leinwänden mit der Illusion der Gleichzeitigkeit geometrischer Räume. Jonas Weichsels abstrakte Gemälde konzentrieren sich auf das Verhältnis von Farbe, Form und Fläche. Die Akkuratesse der Bilder wird durch Spuren der Gemachtheit durchbrochen, die die Bilder objekthaft anmuten lässt.

Diesen Arbeiten steht eine Gruppe von Werken gegenüber, denen ein narratives Prinzip zugrunde liegt. Aki Nagasaka präsentiert unter dem Titel "If on a Winter"s Night a Traveler" eine Reihe von Objekten, die wie Souvenirs anmuten. In dem dazugehörigen Buch wird jeder Gegenstand zum Ausgangspunkt für eine gedankliche Reise. Franziska von Stenglins rekonstruiertes Wartezimmer "And just like that, the tension brakes" vereint Fotos eines realen, von der Künstlerin in den Bergen vorgefundenen Warteraumes sowie Objekte aus ihrer Familiengeschichte. Ein beigefügter Text ihres Professoren Simon Starling rekonstruiert den Moment der künstlerischen Inspiration seiner Studentin.

Rasmus Søndergaard Johannsens und John Skoogs Beiträge reflektieren auf ganz unterschiedliche Art und Weise das Medium Film. In einer laufenden Filmserie, in der angetrieben vom Kurbelgriff der Kamera Maschinen einfache Aktionen ausführen, entzaubert und huldigt Johannsen zugleich dem Medium als einem der größten Simulatoren von Wirklichkeit. John Skoog hinterfragt in "Sent på Jorden" (Spät auf Erden) konventionelle Erzählweisen von Filmen. Emotional aufgeladene Situationen werden hier in beeindruckenden, ausschließlich in der Dämmerung aufgenommenen Bildern aneinandergereiht. Die Videoarbeit von Lisa Meixner "Chiron" transferiert den Mythos des Zentauren Chiron in die Jetztzeit und erzählt dabei von der hybriden Existenz des modernen, urbanen Menschen und seiner unzertrennlichen Verbundenheit mit Fahrzeugen, Touchscreens und Internetanschlüssen.

Übermorgenkünstler II
19. November 2011 bis 19. Februar 2012
Ausstellung in der Halle, auf der Galerie und im Studio

Heidelberger Kunstverein
Hauptstraße 97
D - 69117 Heidelberg

W: http://www.hdkv.de/

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Lisa Meixner: Still aus Chiron, 2010, Video, 13 min
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Jessica Twitchell: Monument, 2011. Finnpappe, Bleistift, Aquarell, Installationsansicht
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Aki Nagasaka: If on a winter's night a traveler, 2011. Diverse Materialien, Installationsansicht