Mo, 28.01.2008 / Kurt Bracharz / Znort
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Auf die Frage, ob es das größere Verbrechen sei, eine Bank zu berauben oder eine Bank zu gründen, gibt es dieser Tage viele Antworten. Die deutlichsten aus Frankreich, wo man sich nicht entblödet, den 5-Milliarden-Euro-Verlust der Societé Generale, der den aktuellen Börsencrash ausgelöst hat, auf den "Betrug" eines Angestellten zurückzuführen. Dass dieser 30jährige, der auf das Steigen oder Fallen von Börsenindizes zu wetten hatte, keinen persönlichen Gewinn aus seinen Manövern ziehen wollte, macht ihn zu einem merkwürdigen "Betrüger".

Wie soll man die globalen Strategien der Großbanken nennen, von den in Hedgefunds auf den Cayman-Inseln geparkten anonymen Milliarden über den Verkauf fauler Kredite von US-Banken an europäische bis zum gezielten Einsatz von den Banken abhängiger Rating-Agenturen zur Verschleierung der Bonitätsverhältnisse von Hypotheken? Erst als der Hut brannte, wurde der Anlagenversicherer ACA in Nullkommanix von Super-AAA auf Müll-CCC heruntergestuft.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat beim WEF in Davos gegenüber dem "Tages-Anzeiger" von einer "enormen Kreativität" bei Finanzmarkt-Innovationen gesprochen, allerdings auch unmissverständlich gesagt: "Die Finanzinstitute waren zum Teil auch so kreativ, um bestehende Gesetze zu umgehen." Das geschickte Umgehen von Gesetzen ist naturgemäß nicht strafbar, es sollte nur jenen zu denken geben, die immer noch an die Seriosität von Banken glauben.

Es ist eine verbreitete Meinung, dass der Kapitalismus zwar inhuman, aber wenigstens rational sei. Die Bewertung von allem und jedem ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Profits gehorche einer inneren Logik. Der Markt reguliere sich selbst etc. Tatsächlich verzerren nicht nur kriminelle Aktivitäten und legale Spekulationen die Verhältnisse, sondern die Geschehnisse an den Börsen werden erheblich mehr von Angst, Gier und Aberglauben bestimmt als von Vernunft. Man denke an den Goldpreis oder an die Hoffnungen auf ein chinesisches Wirtschaftswunder.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)