11. Februar 2020 - 7:53 / Ausstellung / Design 
14. Februar 2020 7. Juni 2020

Ob Colafrosch oder Federhut, Eierbecher oder Butterfly Chair: Das Tier ist Inspiration für zahlreiche Designobjekte. Die Ausstellung "Énergie animale" im Museum für Gestaltung Zürich zeigt Design rund um Tiere in überraschenden Inszenierungen und greift aktuelle Fragestellungen wie das Artensterben oder Veganismus auf.

Mittels ausgewählter Exponate aus verschiedenen Gestaltungsdisziplinen nimmt "Énergie animale" eine Auslegeordnung vor und präsentiert die ganze Bandbreite an Designobjekten, die mit der Tierwelt zu tun haben. Die Ausstellung folgt dabei der menschlichen Lust, sich Form und Wesen von Tieren über die Gestaltung anzunähern und zeigt auf, wie stark unsere Objektwelt durch tierische Grundstoffe geprägt ist.

In thematischen Zonen erkundet "Énergie animale" die vielfältigen Rollen, die der Mensch dem Tier zuweist und zeigt die damit verbundene Ambivalenz auf. Ausgehend von der Symbolik der Arche verdeutlicht die Ausstellung die Macht, die der Mensch über das Tier hat: Der Mensch definiert die Bewegungsfreiheit und dementsprechend auch die Aufgaben der Tiere und untermauert so seine Machtposition im Gefüge der Koexistenz von Mensch und Tier. Präparate einheimischer Arten gruppieren sich auf der Arche und stellen die Frage, wer mit auf das Schiff darf und wer der Ausrottung preisgegeben wird. Umweltschutzplakate des japanischen Grafikers Kazumasa Nagai rücken einzelne Tiere und zugleich die grundsätzliche Fragilität der Natur in den Fokus.

Das ausgebeutete Nutztier

Unter dem Titel "Ach, Nutztiere!" illustrieren diverse Designobjekte rund um Lebensmittel non-veganen Ursprungs unsere enge Verbindung mit tierischen Lebensmitteln, die heute zu Debatten an so manchem Esstisch anregen. Tierische Erzeugnisse brachten vielfältige Produktentwicklungen mit sich: sei es der Eierbehälter, der sich perfekt an die ungewöhnliche Form des Eis anpasst oder der Fleischhammer, der ausschliesslich der Bearbeitung von Schnitzeln dient. Fischli/Weiss setzten dem Cervelat gar ein tönernes Denkmal. Plakate zeigen die lange Werbetradition berühmter Gestalter für tierische Produkte mit Slogans wie "Gesund und gut mit Butter" oder "Milch gibt Kraft und Ruhe". Das Tier als Nahrungsquelle ist fest in unserer Kultur verankert. Ebenso alltäglich tragen wir Tiere am Körper: Mode ohne Kaschmir, Seide oder Leder liegt trotz Debatten ums Tierleid und der Suche nach veganen Alternativen noch in weiter Ferne. Haute-Couture-Modelle von Cristóbal Balenciaga oder Christian Dior – kombiniert mit extravaganten Federhüten – zelebrieren die Schönheit edler Naturmaterialien. Eine Hands-on-Sammlung des Materialarchivs der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK macht unterschiedliche tierische Materialien sowie vegane Alternativen greifbar und zeigt übliche Produktionsbedingungen auf.

Das Tier im Wohnraum

Das Tier kommt auch als reine Verzierung zum Einsatz: Als dekorative und allegorische Motive treten Tierfiguren im Wohnraum in einen vielstimmigen Dialog. So teilt Ernst Ludwig Kirchners Chaiselonguedecke das Motiv des Alpaufzugs mit einem bemalten Bauernbett, während die idealisierte Fauna auf Jugendstilvasen und -textilien mit Christoph Heftis Käfer-Teppich liebäugelt. Hund und Katze werden aufgrund ihrer geschätzten Merkmale wie Treue und Spielfreude auf Plakaten gerne als Werbebotschafter für allerlei Produkte eingesetzt. Der Zweck der ursprünglich für die Jagd gezüchteten Modehunde ist inzwischen in Vergessenheit geraten. Längst fand eine Aufwertung des Haustiers statt: Es wird als gleichwertiges Familienmitglied wahrgenommen. Videopräsentationen aus dem Feld der Trendforschung an der ZHdK reflektieren unsere intensive Beziehung zu Haustieren als Phänomen, beispielsweise wenn mit veganen Leckerli ein Ernährungstrend aus der Menschenwelt aufs Tier übertragen wird.

Tierische Stärken

Der Mensch liess sich jedoch immer auch durch tierische Qualitäten wie Anmut und Stärke inspirieren: Bereits in der Höhlenmalerei, auf Jagdtrophäen und auf Gefässen für kultische Rituale wurde darauf verwiesen. Heutzutage sollen tierische Symbole auf Kleidung und als Tattoos Funktionen wie Schutz oder Stärke auf den Menschen übertragen. Kleinstskulpturen der japanischen Netsuke in Tierform sind nach wie vor geschätzte Glücksboten.

Énergie animale
14. Februar bis 7. Juni 2020
Kuratorium:
Sabine Flaschberger, Kuratorin Kunstgewerbesammlung
Museum für Gestaltung Zürich
Christian Horisberger

Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
CH - 8005 Zürich

T: 0041 (0)43 446 67 67
F: 0041 (0)43 446 45 67
E: welcome@museum-gestaltung.ch
W: http://www.museum-gestaltung.ch/

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  •  14. Februar 2020 7. Juni 2020 /
Wisa Gloria AG: Schaukelschnecke, Produktion: ab ca. 1961, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Donation: Balthasar Zimmermann, Foto: F. X. Jaggy und U. Romito, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK
Wisa Gloria AG: Schaukelschnecke, Produktion: ab ca. 1961, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Donation: Balthasar Zimmermann, Foto: F. X. Jaggy und U. Romito, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK
Höchster Porzellan-Manufaktur, Johann Gottfried Becker (Modelleur), Johannes Zeschin- ger und Johann Christoph Walter (Bemalung), Eberkopfterrine mit Untersatz, ca. 1748/53, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: Roman Raacke
Höchster Porzellan-Manufaktur, Johann Gottfried Becker (Modelleur), Johannes Zeschin- ger und Johann Christoph Walter (Bemalung), Eberkopfterrine mit Untersatz, ca. 1748/53, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: Roman Raacke
Ernst Ludwig Kirchner/Lise Guyer: Chaiselonguedecke, Alpaufzug, 1926, Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung, Foto: U. Romito und I. Suta, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK
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Donald Brun für Propagandazentrale der Schweizerischen Milchwirtschaft: Gesund und gut mit Butter, 1951, Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, © Roland Kupper
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