18. Mai 2009 - 3:59 / Ausstellung / Archiv 
15. Oktober 2008 24. Mai 2009

Anlässlich des 100. Todestages von Heinrich Siebold (1852–1908) zeigt das MAK erstmals bedeutende Teile seiner wertvollen Japansammlung, die es großteils Siebold, einem der wichtigsten Stifter des MAK, verdankt. Dessen Sammlungen, in verschiedenen Museen Europas zu finden, zählen zu den wichtigsten vor 1900 entstandenen Privatkollektionen und dokumentieren den umfassenden kulturellen Wandel Japans Ende des 19. Jahrhunderts.

Als ehemaliger österreichisch-ungarischer Gesandter war Heinrich Siebold, Sohn des Japanforschers Philipp Franz von Siebold, ab 1869 als Dolmetscher in Japan tätig, bis er 1873 die japanische Delegation nach Europa zur Wiener Weltausstellung begleitete. Hier suchte und pflegte er den Kontakt zu Sammlern und Museen. In den folgenden Jahren wuchs Siebolds private Japan-Kollektion rapide an, sodass er im Jahr 1892 einen Großteil davon dem k.k. Österreichischen Handelsmuseum schenken konnte.

Mit über 10.000 Stück besitzt das MAK eine der größten Sammlungen japanischer Färbeschablonen (Katagami). Alleine 8.000 davon übergab Heinrich Siebold dem k.k. Handelsmuseum (1875 gegründet, hieß es bis 1887 k.k. Orientalisches Museum), dessen Sammlung 1907 vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, dem heutigen MAK, übernommen wurde. Anhand einer spezifischen Auswahl an Katagami aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt die MAK-Schausammlung Asien einen Einblick in die Herstellung und Färbetechnik sowie die Ornamentgeschichte des traditionellen japanischen Stoffdrucks.

Schon seit dem 7. Jahrhundert ist die Technik des Färbens von Leder, Stoff und Papier mit Hilfe von detailliert geschnitzten Katagami ein angesehenes Kunsthandwerk in Japan, wo es, auf der ganzen Welt verbreitet, eine eigenständige Entwicklung erfährt. Während der Edo-Periode (1603–1868) konzentrierte sich die manuelle Fertigung der Katagami in Japan auf zwei Orte der Ise-Halbinsel, südlich von Kyoto. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die politische Öffnung Japans nicht nur eine Fülle technischer Neuerungen, sondern verursachte u.a. tiefgreifende Änderungen der Bekleidungsgewohnheiten und führte dazu, dass traditionelle Gewänder aus dem Alltagsbild verschwanden.

Neue Impulse gewann die überlieferte Technik japanischen Handwerks in Folge der Verabschiedung des „Gesetzes zum Schutz des kulturellen Besitzes“ in Japan, 1950: Handwerker und Künstler erhalten seit damals staatliche Subventionen mit der Auflage, ihr traditionelles Gewerbe auszuüben und weiterzugeben.

"2 x Japan: Textilien" präsentiert in der Studiensammlung Textil einen Überblick über die variationsreiche Sammlung japanischer Textilien im MAK, die Heinrich Siebold ebenfalls mit wertvollen Stücken bereicherte. Den Schwerpunkt bilden aus kostbaren Stoffen gefertigte oder mit aufwändigen Stickereien verzierte Gewänder wie Kimonos, Kriegerröcke, Gewänder für das No-Theater, Umhänge, die bei buddhistischen Zeremonien umgelegt wurden, oder eine bemalte Feuerwehrjacke. Darüber hinaus erlauben Gewebemuster, Fragmente und überlange Kimonogürtel das Studium der virtuosen japanischen Webkunst.

Die Seidenweberei war in Japan bereits im 5. und 6. Jahrhundert heimisch, Weber aus China und Korea sowie aus diesen Ländern importierte Textilien, die als Vorbild dienten, hielten sie auf hohem Niveau. Webereizentren waren Kyoto und Tokyo, die wichtigsten Kunden bis zum 19. Jahrhundert der Hof, buddhistische Mönche, Schauspieler des No-Theaters und vermögende Bürger. Ab dem 8. Jahrhundert entwickelten sich weitere, spezifisch japanische Techniken zur Musterung und Herstellung von Textilien, wie beispielsweise die 1997 bereits in einer MAK-Ausstellung präsentierte Abbindetechnik Shibori. Textilien mit Papierfasern und -fäden (shifu) werden heute noch auf hohem künstlerischem Niveau produziert.


2 x Japan. Katagami / Textilien
15. Oktober 2008 bis 24. Mai 2009

MAK Wien
Stubenring 5
A - 1010 Wien

W: http://www.mak.at/

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  •  15. Oktober 2008 24. Mai 2009 /
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Kimono (Obi) mit Katagamidruck (Detail), Japan 20. Jh. Baumwolle, Reservedruck bunt, 16,5 x 354 cm
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Gewebefragment mit Katazome (Detail), Japan, 20. Jh. Baumwolle, Reservedruck, blau-weiß, 35,5 x 33 cm
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Geschenkdecke (Fukusa), Japan, 19. Jh. Seide, Samt unaufgeschnitten und aufgeschnitten, Malerei, 82 x 72,5 cm. Widmung Hermann Mandl 1892
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Geschenkdecke (Fukusa), Japan, 19. Jh. Seide, Metall- und Seidenstickerei, 70 x 64 cm. Widmung Hermann Mandl 1892
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Kimono, No-Theater-Gewand (Kosode), Japan, 17. bis 18. Jh. Seide, bestickt. Aus dem k.k. Handelsmuseum, Wien. Aus der Sammlung Heinrich Siebold 1892. Foto: © MAK/Georg Mayer