4. Dezember 2020 - 18:19 / Ausstellung / Architektur 
8. Dezember 2020 14. März 2021

Anlässlich seines 150. Geburtstags widmet das MAK Adolf Loos (1870–1933), einem der bedeutendsten Wegbereiter der Moderne in der Architektur, eine Ausstellung.

Anlässlich seines 150. Geburtstags widmet das MAK Adolf Loos (1870–1933), einem der bedeutendsten Wegbereiter der Moderne in der Architektur, eine Ausstellung.

Der Schwerpunkt liegt dabai auf seine revolutionären privaten Wohnbauten, zumeist luxuriös eingerichtete Einfamilienhäuser, Villen und Landhäuser für eine bürgerliche, oft jüdische Klientel, aber auch für Künstler_innen und Literat_innen. Kontrastierend dazu stehen in der Ausstellung, die knapp 100 Entwurfszeichnungen, Pläne, Fotografien und Modelle aus dem Adolf-Loos-Archiv der Albertina zeigt, bedeutende Sozialprojekte des Jahrhundertarchitekten, darunter Bauten für das Wiener Siedlungswerk, die Gemeinde Wien sowie den Werkbund.

Das komplexe Œuvre von Adolf Loos, vor allem seine Architektur und seine Schriften, nahm kontinuierlichen Einfluss auf die Baukultur der vergangenen 100 Jahre. Mit seinen revolutionären baulichen Lösungen stillte er eines der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen, den Wunsch nach Behausung. Nachfolgende Architekturikonen wie Richard Neutra, Heinrich Kulka oder Rudolph M. Schindler und kurzzeitig auch Margarete Schütte-Lihotzky zählten zu seinen Schüler_innen und Mitarbeiter_innen.

Als energischer Gegner des Ringstraßenstils und scharfer Kritiker des Jugendstils sowie der Wiener Secession prägte Loos den ästhetischen Diskurs in Wien um 1900. In seinen zahlreichen theoretischen Abhandlungen und insbesondere in seiner legendären Streitschrift "Ornament und Verbrechen" (1908) trat er vehement gegen jegliche neu erfundene Verzierung von Gebrauchsgegenständen und Gebäuden auf.

Wohnbauten beschäftigten Loos sein gesamtes Schaffen hindurch und nehmen einen besonderen Stellenwert darin ein. Die Ausstellung beleuchtet sowohl sein projektiertes als auch sein ausgeführtes Werk, das sich in den privaten und den öffentlichen Wohnbau teilen lässt. Loos schuf die Bauten sehr eigenständig, war aber nicht frei von verschiedensten Einflüssen, so lassen sich etwa komplexe Bezüge zur amerikanischen, englischen und mediterranen Architektur sowie auch zum Klassizismus und zur Antike ablesen.

Aus den USA, wo er drei Jahre lang gelebt hatte, brachte Loos ein völlig neues Bild moderner Kultur nach Wien, das er in polemischen Zeitungsartikeln verbreitete – und im berühmten Looshaus (1910/11) am Michaelerplatz demonstrierte: In der Klarheit seiner Gliederung und der Schnörkellosigkeit der Fassade löste es im damaligen Wien einen Skandal aus.

Bei seinen privaten, oft flachgedeckten Wohnbauten bevorzugte Loos – wann immer es möglich war – großflächige Terrassen und den "Raumplan": Bei diesem von ihm entwickelten System wurden die Stockwerke nicht schichtartig übereinander "gelegt", sondern jeder Raum erhielt die für seine Benutzung nötige Höhe und Dimension. Durch diesen ökonomischen Umgang mit Raum ergab sich ein kompliziertes, räumlich ineinander verschränktes System, das große wohnliche Qualitäten bot und noch bietet.

Zwischen 1903 und 1931 mit diesem System geplante und erbaute Projekte wie die Häuser für den Dadaisten Tristan Tzara (1925/26), die Sängerin und Tänzerin Josephine Baker (dieses Haus blieb Projekt) in Paris (1927), den Baumeister František Müller in Prag (1928–1930) und den Textilfabrikanten Hans Moller in Wien (1927) zählen bis heute weltweit zu den bedeutendsten Einfamilienhäusern des 20. Jahrhunderts.

Neben den Architekturprojekten wird in der Ausstellung erstmals die Gipsreplik der 1911 vom Bildhauer Artur Immanuel Löwental ausgeführten Büste von Adolf Loos seiner Totenmaske, abgenommen 1933 von Adolf Rainbauer, gegenübergestellt.

Adolf Loos. Privathäuser
8. Dezember 2020 bis 14. März 2021
Im Rahmen seines umfassenden Digital-Angebots bietet das MAK eine virtuelle Führung mit Rainald Franz auf dem MAK YouTube Kanal sowie über mak.at.

MAK Wien
Stubenring 5
A - 1010 Wien

W: http://www.mak.at/

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  •  8. Dezember 2020 14. März 2021 /
Adolf Loos, Haus Josephine Baker, Paris XVI, Avenue Bugeaud, Frankreich (Projekt für den Um- und Zusammenbau zweier bestehender Häuser), 1927 Modell © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Josephine Baker, Paris XVI, Avenue Bugeaud, Frankreich (Projekt für den Um- und Zusammenbau zweier bestehender Häuser), 1927 Modell © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Tristan Tzara, Paris XV, Avenue Junot, Frankreich, 1925/26 Modell: Prof. Hans Puchhammer, TU Wien © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Tristan Tzara, Paris XV, Avenue Junot, Frankreich, 1925/26 Modell: Prof. Hans Puchhammer, TU Wien © Albertina, Wien
Adolf Loos und Heinrich Kulka, Doppelhaus in der Werkbundsiedlung, Wien XIII., Woinovichgasse 13, 15, 17, 19, 1930–1932 Modell: Prof. Hans Puchhammer, TU Wien © Albertina, Wien
Adolf Loos und Heinrich Kulka, Doppelhaus in der Werkbundsiedlung, Wien XIII., Woinovichgasse 13, 15, 17, 19, 1930–1932 Modell: Prof. Hans Puchhammer, TU Wien © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Rufer, Wien XIII., Blick von der Wohnhalle ins Speisezimmer, 1922 Foto: © Martin Gerlach jun., 1930 © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Rufer, Wien XIII., Blick von der Wohnhalle ins Speisezimmer, 1922 Foto: © Martin Gerlach jun., 1930 © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Moller, Wien XVIII., Straßenfassade, 1927/28 Foto: © Martin Gerlach jun., 1930 © Albertina, Wien
Adolf Loos, Haus Moller, Wien XVIII., Straßenfassade, 1927/28 Foto: © Martin Gerlach jun., 1930 © Albertina, Wien