6. Dezember 2019 - 9:53 / Ausstellung / Fotografie 
7. Dezember 2019 16. Februar 2020

Alfred Seiland fotografierte im Jahr 2006 für das New York Times Magazine die Filmkulisse zur TV-Serie "Rome" in der römischen Filmstadt Cinecittà. Beeindruckt von den täuschend echt aussehenden Nachbauten war das Interesse für ein mittlerweile zentrales Thema seiner künstlerischen Arbeit geweckt: das Aufeinandertreffen von Antike und Gegenwart. Seither folgt er den Spuren des Imperium Romanum rund um das Mittelmeer und weit darüber hinaus und zeigt, wie die Menschen der Gegenwart mit dem antiken Erbe umgehen. Das Vorarlberg Museum zeigt über 130 Arbeiten aus Seilands fotografischem Großprojekt "Imperium Romanum", darunter auch Motive aus Vorarlberg. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

In den Bildern des 1952 geborenen Fotografen treffen verschiedene Zeitalter aufeinander: Autos parken in der Ruine eines Jupitertempels in Damaskus; ein antikes, in einer eleganten Holzrekonstruktion erbautes Theater in Serbien duelliert sich mit einem monumentalen Kohlekraftwerk im Bildhintergrund; eine Familie badet im Fluss, der vom Pont du Gard, der weltbekannten Aquäduktbrücke in Südfrankreich, überspannt ist (die Entstehung dieses Bildes ist neben vielen anderen in einer fünfteiligen Arte Dokumentation zu sehen, die in der Ausstellung gezeigt wird). Alfred Seiland: "Viele Motive meiner Bilder sind ungezählte Male abgelichtet worden. Nur wenn es mir gelingt, diesem Kanon etwas Neues hinzuzufügen, mach ich ein Bild. Ich arrangiere nichts, habe aber eine Vorstellung, wie das Bild aussehen soll." Bis sich die Bedingungen fügen, sind mitunter etliche Besuche eines Ortes notwendig. Seiland fotografiert mit einer analogen Großbildkamera auf Negativfilm, neuerdings aber auch mit einem digitalen Rückteil.

Der Künstler lenkt den Blick der Betrachter auf die Konfrontation zwischen Antike und Moderne. Manche Bilder sind zum Lachen komisch, bei anderen könnte man einen nachlässigen Umgang mit dem römischen Erbe unterstellen – oder sind es Belege, wie selbstverständlich antike Relikte zum heutigen Alltag gehören? Und in manchen Fotografien sucht man vergebens nach Spuren der Römer. Die historische Bedeutung der Orte ist nicht mehr erkennbar. Alfred Seiland sieht das Spannungsfeld, in dem die antiken Bauwerke heute stehen – zwischen historischem Kapital und zeitgenössischer Vermarktung, musealer Pflege und touristischer (Ab-)Nutzung, zwischen Erhaltung und Zerstörung. Er beobachtet, wie die Menschen heute mit den antiken Bauwerken leben und gibt unvoreingenommen wieder, was er vorfindet. Auch Konflikte, die seit der Antike an denselben Orten ausgetragen werden, an der Klagemauer in Jerusalem zum Beispiel.

Alfred Seiland, geboren 1952 in St. Michael/Obersteiermark begann sich Ende der 1960er Jahre autodidaktisch mit der Fotografie zu beschäftigen und arbeitet seit Mitte der 1970er Jahre als freier Fotograf. Er lebt in Leoben.

Alfred Seiland - "Imperium Romanum"
7. Dezember 2019 bis 16. Februar 2020

Vorarlberg Museum
Kornmarktplatz 1
A - 6900 Bregenz

W: http://www.vorarlbergmuseum.at

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  7. Dezember 2019 16. Februar 2020 /
Driving Range und Römisches Badehaus (Golfclub Montfort) Rankweil, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Driving Range und Römisches Badehaus (Golfclub Montfort) Rankweil, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Am Bodensee, Bregenz, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Am Bodensee, Bregenz, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Am Römischen Gräberfeld (Thurn und Taxis Park), Bregenz, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Am Römischen Gräberfeld (Thurn und Taxis Park), Bregenz, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Pont du Gard (Les Fééries du Pont), Vers-Pont-du-Gard, Frankreich, 2018 © Alfred Seiland
Pont du Gard (Les Fééries du Pont), Vers-Pont-du-Gard, Frankreich, 2018 © Alfred Seiland
Römerstadion und Freiluftmuseum Römervilla, Rankweil, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
Römerstadion und Freiluftmuseum Römervilla, Rankweil, Österreich, 2019 © Alfred Seiland
„Rome“-Filmset, Cinecittà-Studios, Rom, Italien, 2006 © Alfred Seiland
„Rome“-Filmset, Cinecittà-Studios, Rom, Italien, 2006 © Alfred Seiland
Jupitertempel, Damaskus, Syrien, 2011 © Alfred Seiland
Jupitertempel, Damaskus, Syrien, 2011 © Alfred Seiland