27. Juli 2022 - 16:59 / Aktuell / Literatur 

Im Rahmen eines Festaktes im Mozarteum Salzburg überreichte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2022 an die schottische Schriftstellerin Ali Smith. Dieser wird jährlich vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport (BMKÖS) vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass "Ali Smith in ihren Romanen und Erzählungen nah an unserer Gegenwart bleibt. Und weil Gegenwart ohne Vergangenheit nicht zu haben ist, stattet sie Figuren mit Biografien aus, in denen sich das 20. Jahrhundert spiegelt. Als Menschenkennerin weiß Smith, dass es, um Personen nahe zu kommen, nicht ausreicht, sie auf äußere Lebensstationen festzulegen. Sie stattet sie mit Träumen und Erinnerungen, Fantasien und Gedankenspielen aus. Dazu bedarf es eines gewieften ästhetischen Programms, das der Fülle der inneren Zustände gerecht wird. Ali Smith verfügt über die literarischen Mittel, um empathisch, wütend, ironisch, nüchtern, bisweilen in kühne Fantasien ausgreifend, bisweilen dem realistischen Schreiben verpflichtet, die Vielfalt der Gesellschaft wie die Vielfalt des Einzelnen ins Bild zu rücken."

Die 1962 in Inverness in Schottland geborene Autorin lebt und arbeitet in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt.

Für "Die Zufällige" wurde sie mit dem Whitbread Award für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet. Ihr Roman "Beides sein" wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit "Herbst" kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize. Ihre Bücher erscheinen in der deutschen Übersetzung von Silvia Morawetz im Luchterhand Verlag. Im April erscheint als Follow-up zum Jahreszeitenzyklus ihr neues Buch mit dem Titel "Companion piece".

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 jährlich für ein literarisches Gesamtwerk vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert. Zuletzt ging der Preis an Karl Ove Knausgård (2017), Zadie Smith (2018), Michel Houellebecq (2019), Drago Jančar (2020) und László Krasznahorkai (2021).



© BMKÖS, Foto: HBF/Pusch
© BMKÖS, Foto: HBF/Pusch