28. Mai 2012 - 2:18 / Ausstellung / Archiv 
3. Februar 2012 29. Mai 2012

Für Anselm Kiefer (geb. 1945 in Donaueschingen, Deutschland) spielt die Auseinandersetzung mit dem Erinnern, dem Gedächtnis, besonders auch mit der Vergänglichkeit und dem Vergessen eine eminent wichtige Rolle. Mit seinen oft raumgreifenden Arbeiten möchte er Zeit erlebbar machen. Die großformatigen, antiheroischen Natur- und Historienbilder mit zerfallenen Monumenten, verwilderten Plätzen und morbiden Landschaften zeigen eine von der Vergangenheit zerfressene, zerstörte Gegenwart.

Gegen die Leere setzt Kiefer Namen in ungelenker Schreibschrift, Namen von Orten, von Göttern, von Personen, gelegentlich ganze Gedichtzeilen etwa von Ingeborg Bachmann oder Paul Celan.

Die Werke der Ausstellung spiegeln verschiedene bedeutende Grundthemen des Künstlers wider. Das monumentale Werk "Horlogium" (Sternenfall) steht am Beginn der Sammlungstätigkeit und lässt – zusammen mit der "Skulptur mit Sternen" – an den Kosmos oder auch die kosmische Dimension unserer Existenz denken. "Für Paul Clean" verweist auf Celans Gedicht "Die Todesfuge", auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den Holocaust.

Auch in den neuen Arbeiten bezieht sich Kiefer auf literarische Texte. Der Titel der Arbeit "tonend wie des Kalbs haut die Erde" ist einem Gedicht von Friedrich Hölderlin entlehnt. Über der verbrannten Erde baut sich eine Berglandschaft auf, ein Stethoskop scheint den Klang der Erde nachzuspüren. Die Textzeile "Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang" stammt hingegen von Ingeborg Bachmann. Eine aufgewühlte Wolken- und Seelandschaft erinnert an Gustave Corbet, im oberen Bildteil erscheint ein Buch aus Blei, ein häufig verwendetes Motiv Kiefers, Sinnbild für einen kollektiven Errinnerungsspeicher der Menschheit.

In den Materialbildern verwendet Kiefer Sand, Erde, Lehm, Asche, Haare, Samen, Draht, Zweige im Gipsmantel oder auch Textilien. Organische Materialien wie auch das Krustige, Zerbröselnde der Malerei versinnbildlichen, dass auch ein Kunstwerk vergänglich ist, dass Veränderung und Zerfall ein immanenter Bestandteil des Lebens sind.

Anselm Kiefer
Werke aus der Sammlung Essl
3. Februar bis 29. Mai 2012

Essl Museum - Kunst der Gegenwart
An der Donau-Au 1
A - 3400 Klosterneuburg

T: 0043 (0)2243 37050
F: 0043 (0)2243 37050-22
E: info@essl.museum
W: http://www.essl.museum/

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Für Paul Celan, 2005. Öl, Emulsion, Acryl, Kohle, Bleistift und Gips auf Leinwand, 190 x 280 x 50 cm; © Anselm Kiefer. Fotonachweis: courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris
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Horlogium (Sternenfall), 2003. Öl, Emulsion, Acryl auf Leinwand mit Gipspflanzen; Bleibücher, Karton, Metall und Glas, 280 x 500 x 32 cm, 170 x 160 x 140 cm; © Anselm Kiefer. Fotonachweis: Stefan Fiedler ? Salon Iris, Wien
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Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang, 2011. Öl, Emulsion, Acryl, Schellack und Blei auf Leinwand, 380 x 560 x 30 cm; © Anselm Kiefer. Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris / Salzburg
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tönend wie des Kalbs Haut die Erde, 2011. Öl, Emulsion, Acryl, Schellack, Kohle und Blei auf Leinwand, 380 x 560 x 14 cm; © Anselm Kiefer. Fotonachweis: Ulrich Ghezzi courtesy Galerie Thaddaeus Ropac Paris / Salzburg