31. Januar 2019 - 4:18 / Ausstellung / Design 
22. Februar 2019 19. Mai 2019

Zum 100. Geburtstag des Bauhauses widmet das Vitra Design Museum dem Unternehmer und Designer Anton Lorenz eine Ausstellung im Vitra Schaudepot. Lorenz gilt als eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des modernen Stahlrohrmöbels. Seine Bedeutung verdankt er nicht nur seinen Möbelentwürfen, sondern auch seinem Erfolg mit Patenten und Firmengründungen. Die Ausstellung umfasst Möbel legendärer Designer wie Marcel Breuer, Mart Stam oder Ludwig Mies van der Rohe, aber auch Objekte und Dokumente aus dem Nachlass von Anton Lorenz. Wie kaum ein anderes Material verkörperte Stahlrohr die Ideale der Bauhaus-Avantgarde, etwa das Streben nach einer »Maschinenästhetik« und die Suche nach radikal neuen Konstruktionen, wie sie in dem berühmten Freischwinger Ausdruck fand.

Marcel Breuer verwendete 1925 erstmals Stahlrohr als Möbelmaterial – ein Schritt, der das moderne Wohnen revolutionieren sollte. Seit den späten 1920er-Jahren entstand daraus eine Industrie, die die neuen Stahlrohrmöbel einem stetig wachsenden Publikum zugänglich machte. Anton Lorenz spielte dabei eine entscheidende Rolle: Er erkannte als einer der Ersten das Potential der neuen Möbel und arbeitete für einige der wichtigsten Hersteller, darunter Standard Möbel, Desta, Thonet. Dabei agierte Lorenz mit Patenten und Unternehmensgründungen so geschickt, dass er bald als »graue Eminenz« des Stahlrohrmöbels galt und über ein weltweit verzweigtes Netzwerk zum Erfolg dieses Möbelgenres beitrug.

Neben seiner Tätigkeit als Designer und Manager befasste sich Lorenz schon seit Ende der 1920er-Jahre mit den ergonomischen Aspekten von Sitz- und Liegemöbeln. Lorenz übersiedelte 1939 dauerhaft in die USA und etablierte dort ein nicht weniger erfolgreiches Möbelgenre: den verstellbaren Liegesessel, der bis heute das Zentrum vieler Wohnzimmer bildet. Hierfür arbeitete Lorenz in den USA erneut mit vielen Firmen zusammen und profitierte vom wachsenden Interesse an komfortablen, informellen Möbeln, die den zunehmenden Fernsehkonsum und das Ideal des »lazy living« widerspiegelten. Zu Lorenz’ eigenen Entwürfen in diesem Bereich zählt mit dem »BarcaLounger« (1940) eines der erfolgreichsten Produkte in der Geschichte des amerikanischen Möbeldesigns.

Seit 1989 befindet sich der Nachlass von Anton Lorenz im Vitra Design Museum. Mit der Ausstellung »Anton Lorenz: Von der Avantgarde zur Industrie« im Vitra Schaudepot präsentiert das Vitra Design Museum erstmals wichtige Dokumente aus diesem Nachlass. Ergänzt um Möbelentwürfe zahlreicher Protagonisten der Bauhaus-Ära und von Lorenz selbst bieten sie einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Avantgarde. Dabei wird deutlich, dass der Durchbruch des modernen Designs nicht nur von genialen Entwürfen abhing. Genauso wichtig waren Unternehmen, Rechtsfragen, Patente, Produktionsverfahren – und Macher wie Anton Lorenz, die all dies zusammenbrachten, um die Ideen der Avantgarde möglichst vielen Menschen nahe zu bringen.


Anton Lorenz: Von der Avantgarde zur Industrie
22. Februar bis 19. Mai 2019
Eröffnung: 21. Februar 19, 18:30 Uhr

Vitra Design Museum
Charles Eames-Strasse 1
D - 79576 Weil am Rhein

T: 0049 (0)7621 7023-200
F: 0049 (0)7621 7023-590
E: info-weil@design-museum.de
W: http://www.design-museum.de/

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Katalog DESTA Deutsche Stahlrohrmöbel, 1931; © Vitra Design Museum, Nachlass Anton Lorenz (Grafik: Otto Rittweger)
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Anton Lorenz, Stratolounger »6100«, ca. 1960, Demonstrationsmodell mitPlexiglas »Fernseh Position«, (Mohasco Industries); © Vitra Design Museum, Nachlass Anton Lorenz, Foto: Andreas Sütterlin
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»Das tut Barcalo für Fernsehzuschauer...« Prospekt von Barcalo, nicht datiert; © Vitra Design Museum, Nachlass Anton Lorenz
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Modell zur Veranschaulichung der Mechanik eines Bewegungsstuhls, angefertigt anlässlich des Patent-Prozesses Lorenz gegen Berkline, 1963; © Vitra Design Museum, Nachlass Anton Lorenz
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Anton Lorenz auf einem Stuhl mit Glasstütze sitzend (Experiment), 1938/39; © Vitra Design Museum, Nachlass Anton Lorenz