21. Mai 2020 - 4:00 / Ausstellung / Retrospektive
27. Mai 2020 15. November 2020

Die Eröffnungsausstellung der Albertina Modern bietet erstmals einen umfassenden Überblick einer der innovativsten Epochen österreichischer Kunstgeschichte. Die Schau präsentiert die wichtigsten Positionen an der Schwelle zur Postmoderne – vom Wiener Phantastischen Realismus über die frühe Abstraktion, den Wiener Aktionismus, die kinetische und konkrete Kunst sowie die österreichische Spielvariante der Popart bis zu dem für Wien so kennzeichnenden gesellschaftskritischen Realismus.

Gemeinsam sind den Künstlerinnen und Künstlern dieser Zeit die radikale Ablehnung von Autorität und Hierarchie, die Kritik an der Verdrängung vergangener Schuld und die kompromisslose Zurückweisung eines reaktionären Kunstverständnisses, das weit über 1945 hinaus in Österreich als Ideal gilt.

Gegen dieses Ideal verstoßen die Schreckensbilder des frühen Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Die Wiener Aktionisten von Otto Mühl bis Günter Brus und Hermann Nitsch spielen darauf an, während die Abstrakten, Wolfgang Hollegha und Markus Prachensky dagegen anmalen. Die gesellschaftskritischen Realisten von Alfred Hrdlicka über Reimo Wukounig bis Gottfried Helnwein verfluchen dieses Ideal und Wiens Speerspitze der Art Brut von Franz Ringel bis Peter Pongratz verspottet es.

Aber auch die Künstlerinnen, die ab den späten 1960er-Jahren den Konflikt der Geschlechter zum Ausgangspunkt ihrer widerständigen Kunst machen, bekämpfen das reaktionäre Ideal. Die Aktionistin Valie Export und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen. Sie beziehen auch Position gegen ein Männerbild, das immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des AustroFaschismus und Dritten Reichs bestimmt ist.

So ergibt sich für diese Ausstellung eine Epochengrenze, die über die Besatzungszeit hinausreicht, und der erst mit den 1980er-Jahren ein anderer, ein neuer Abschnitt der Kunstgeschichte gegenübersteht. 2021 wird mit The Eighties dieser neue Abschnitt ebenfalls zum Gegenstand einer großen Ausstellung in der Albertina Modern.

The Beginning widmet den großen Einzelgängern Friedensreich Hundertwasser, Arnulf Rainer und Maria Lassnig eigene Räume. Was Skulptur und Objektkunst in diesem Zeitraum bedeuten kann, veranschaulichen Hauptwerke von Joannis Avramidis und Rudolf Hoflehner über Wander Bertoni und Roland Goeschl bis Curt Stenvert, Bruno Gironcoli und Cornelius Kolig.

Die Eröffnungsausstellung der Albertina Modern zeigt insgesamt fast 100 Künstlerinnen und Künstler dieser, sich über drei Jahrzehnte spannenden, Epoche vor der Schwelle zur Postmoderne. Die Aufarbeitung von Ständestaat und Nationalsozialismus sowie die internationale Vernetzung aller wesentlichen ProtagonistInnen sind bislang oft übersehene Kennzeichen dieser Wiener Avantgarden.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Sammlungen der Albertina, die jüngst durch die Akquisition der Sammlung Essl eine große Bereicherung erfahren haben. Ein Ausstellungsprojekt dieses Anspruchs und Umfangs mit rund 360 Objekten ist darüber hinaus auf die Unterstützung vieler LeihgeberInnen angewiesen: KünstlerInnen, PrivatsammlerInnen und Museen.

The Beginning - Kunst in Österreich 1945 bis 1980
27. Mai bis 15. November 2020

Albertina Modern
Karlsplatz 5
A - 1010 Wien

W: https://www.albertina.at/

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  •  27. Mai 2020 15. November 2020 /
Franz Ringel, Brief an meine Freunde in Wien, 1973, Mischtechnik auf Hartfaserplatte, Albertina, Wien – The Essl Collection
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Maria Lassnig, Woman Power, 1979, Albertina, Wien –The Essl Collection © Maria Lassnig Stiftung / Bildrecht, Wien, 2020
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Valie Export, Aktionshose: Genitalpanik, 1969/2001 s/w Fotografie; Baryt auf Aluminium, Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2020
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Kiki Kogelnik, Untitled (Bomb), c., 1964, Mixed media with acrylic on bomb casing Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark. Erworben mit Zuwendung von Lousiana.dk und mit Mitteln aus dem Verkauf von Lousiana Editions © Kiki Kogelnik Foundation. All rights reserved, Foto: Fred Dott
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Max Weiler, Laufes, 1961, Eitempera auf Leinwand, Albertina, Wien – The Essl Collection © Robert Najar
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