3. Oktober 2019 - 5:22 / Bühne / Theater 

Die Geschichte der österreichischen Tänzerin Therese Zauser. Ein biographisches, multimediales Theaterprojekt mit internationalen Verbindungen.

Die Wege und das Leben von Therese Zauser nachzuzeichnen und ein Bild von ihr, von den Städten rund um das Mittelmeer, der kolonialen ‚Belle Epoque‘ und heutigen Sichten auf Orte mit europäischer Vergangenheit zu bekommen, ist Intention dieses Projektes. Die Spurensuche reist auf historischen Wegen mit zeitgenössischen filmischen und theatralen Mitteln, die eine Gegenwart kreieren, wo eine Vergangenheit im KZ Ravensbrück ermordet wurde.

Der Stücktext von Nadine Kegele bedient sich eines genialen Kunstgriffs, der die Person Therese Zauser in zwei Figuren aufteilt, wovon die eine mit dem ihr eigenen Mut und Überzeugung von Tanger nach Europa aufbricht, die andere jedoch in Tanger bleibt und in ihren Erinnerungen wühlt. Die eine Therese Zauser, die nach dem Anschluss Österreichs 1938 nach Portugal und weiter nach Deutschland ins Engagement reist, weil sie in Afrika nunmehr keine Arbeit mehr findet und nicht mehr reisen darf, legt sich eine dicke emotionale Schutzschicht zu für ihre Auftritte im kriegsgeprägten Budweis, Pilsen, Prag, Saarbrücken, Frankfurt, Wilhelmshaven. Die andere Therese – mit Künstlernamen Judith Jesse Jansen – bleibt mit ihren Erinnerungen in Tanger und fantasiert sich in ihrer Biographie rückwärts über die maghrebinischen Länder nach Ägypten und Istanbul, feiert ihre grossen Erfolge nochmals nach und wird wieder zum Kind, das schlussendlich ihrem anderen Ich im KZ-Ravensbrück final begegnet. Der Zeit gemäss sind die Geschlechterrollen und ihre Zuordnungen beweglich, was männliches Denken und Handeln sein könnte übernimmt der weibliche Part, der männliche Schauspieler begleitet die Figur Therese Zauser auf ihrer Reise bis zur Denunzierung in Saarbrücken 1941 und ihrer Verhaftung.

Die wundersame Musik von Marcus Nigsch erhellt die verschiedensten Stimmungslagen dieser vielschichtigen Tänzerin und Figur, Videos von zeitgenössischen Künstlerinnen aus Zypern bis Marokko kontrastieren die historische Erzählung mit eigenwilligen Bildsprachen und Filmerzählungen.

Grundlage des Stückes sind umfangreiche Recherchen und Reisen, von Ravensbrück in den Maghreb, von Izmir und Ägypten bis ins Stadtarchiv Feldkirch. Welche Beziehungen es historisch zwischen Europa und den Mittelmeerländern gab und welche es heute gibt, bleibt eine spannende Frage. Das Stück möchte auch ein Nachdenken über diese Beziehungen und heute existierende Bilder von den einst kolonial besetzten Ländern anregen.

Zur Person Therese Zauser aka Judith Jansen aka Terry Thetis
Therese Zauser, geboren 1910 in Feldkirch, verliess 19-jährig die ihr enge Kleinstadt im Westen Österreichs, wurde Artistin und reiste durch Nordafrika und die Mittelmeerländer, um in Varietes und Clubs als Sängerin und Tänzerin zu arbeiten. Sie legte sich den Künstlernamen Therese Judith Jansen oder Judit Jessie Zauser zu und bezeichnete sich als ‘Danseuse et chanteuse fantaisiste’.

Die wichtigsten Stationen waren Sophia (Bulgarien), Izmir (Türkei), Nikosia (Zypern); Port Said, Alexandria, Kairo, Suez (Ägypten); Damaskus (Syrien), Bagdad (Irak), Teheran (Iran), Malta, Oran, Algier (Algerien); Casablanca, Fez, Tanger (Marokko), Dakar (Senegal), Lissabon (Portugal).

Therese reiste immer allein, ihre Engagements dauerten in der Regel nur einige Wochen und sie hatte ständig um ihre nächsten Auftritte besorgt zu sein. Die einschlägigen Etablissements trugen klangvolle Namen: Korso Tabarin, Casino Bella Vista, Le Florida, Au Pavillon Chinois, Dancing Perroquet Constantine, Cabaret Arcadia u.v.a.

Die nationalsozialistische Machtergreifung spürte sie auch in Nordafrika: Aus Tanger schrieb sie am 17. September 1938 ihrem Bruder Karl: „Seit ich Deutsch geworden bin, habe ich nichts mehr zu lachen.“

Ab Januar 1939 trat Therese hauptsächlich in Lissabon auf, wurde dort nach einer Gefängnisstrafe ausgewiesen und suchte Engagements in Deutschland sowie beim Film. Ohne Erfolg. Weitere Auftritte in Saarbrücken, Frankfurt und Wilhelmshaven folgten. Dort wurde Therese Zauser wegen feindlicher Äusserungen gegenüber dem Naziregime denunziert und umgehend verhaftet, nach Hamburg-Hütten gebracht und schliesslich im Oktober 1941 ins KZ Ravensbrück deportiert.

Am 11. Februar 1942 wird Therese Zauser im KZ Ravensbrück ermordet.

Bin noch in Tanger und darf nicht reisen. Therese.
Premiere: 5.10.2019 / 20.00 Uhr
Vorstellungen: 6.10.2019 um 11.00 und 18.00 Uhr / 7.10. und 9.10. und 10.10.2019 jeweils 20.00 Uhr
Herbst 2019 – Herbst 2021: Tournee Wien – Theater Kosmos / Izmir / Jerusalem / Cairo, Alexandria...

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