24. Oktober 2019 - 8:46 / Ausstellung / Skulptur 
25. Oktober 2019 2. Februar 2020

Das Werk des 2010 verstorbenen Bildhauers Bruno Gironcoli beschreibt in seiner Rätselhaftigkeit und Eigenwilligkeit einen höchst persönlich geprägten Kunstkosmos, der eine Sonderstellung innerhalb des zeitgenössischen Kunstschaffens einnimmt.

Alltagsgegenstände mutieren in seinen Skulpturen zu künstlerischen Versatzstücken, welche Geburt, Elternschaft, Eros, Gewalt und Sexualität thematisieren und in Form einer privaten Mythologie zu Metaphern menschlicher Existenz werden lassen. Gegenständliche und ornamentale Formen werden Assemblage- artig zu überdimensionalen Werken gegossen, die an Maschinen erinnern und durch Symbole und provokative Schnörkel zusätzlich optisch und inhaltlich aufgeladen werden. Themen wie Entfremdung, Unterdrückung, Genderfragen und Hierarchie- Verhältnisse werden von Bruno Gironcoli in einer suggestiv visuellen Formensprache bearbeitet und positioniert. Er entwickelte eine unverwechselbare, ureigene Ausdrucksform, die die aktuellen Themen nicht plakativ abbildete - vielmehr versuchte er die komplexen Fragestellungen mit Hilfe seiner eigenen bedrängenden Bildwelten und Vorstellungen zu bewältigen.

Bekannt wurde er vor allem durch seine Großplastiken, die er in den 80er Jahren in seinem Bildhaueratelier/ Böcklinstrasse im Wiener Prater schuf. Als Professor der Meisterklasse für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien verfügte er über ein riesiges Atelier, das es ihm ermöglichte, völlig neue Wege in seiner Arbeit zu beschreiten. Die Ausstellung im Kunstraum Dornbirn konzentriert sich auf diese sehr intensive künstlerische Schaffensphase. Die ausgestellten Großplastiken, die alle in der Technik des Aluminiumgusses produziert wurden, verbreiten in der ehemaligen Montagehalle eine faszinierende, magisch- rätselhafte und streckenweise verstörende Wirkung.

Die Skulpturen beeindrucken durch ihre schiere Maßlosigkeit, die sich nicht nur in der Größe, sondern auch in der Komplexität der Hintergründe offenbart. Die ästhetisch reizvolle Form, die von vielschichtigen Bedeutungen geprägt ist, spricht Archaisches und Technisches gleichzeitig an. Die faszinierend- fremde Ästhetik seiner Skulpturen, die absolute Authentizität seiner Herangehensweise, seine lebenslange Beschäftigung mit allen Facetten menschlichen Daseins, lassen die Wirkung seines Oeuvres auch nach seinem Tod ungebrochen aktuell und fesselnd erscheinen.

Bruno Gironcoli. Casted Enigma
25. Oktober 2019 bis 2. Februar 2020
Kuratoren: Thomas Häusle, Herta Pümpel
Vermittlung: Gespräch mit Christine Gironcoli am Freitag, 25. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Kunstraum Dornbirn
Jahngasse 9 (Montagehalle)
A - 6850 Dornbirn

T: 0043 (0)5572 55044
F: 0043 (0)5572 55044-4838
E: kunstraum@dornbirn.at
W: http://www.kunstraumdornbirn.at/

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  •  25. Oktober 2019 2. Februar 2020 /
(c) R Arno from Zagreb, Croatia [CC BY-SA 2.0]
(c) R Arno from Zagreb, Croatia [CC BY-SA 2.0]
Aluminiumguss-Plastik «Ein Körper, zwei Seelen» (2001 von Bruno Gironcoli) im Park von Schloss Ebenau in Weizelsdorf 1, Marktgemeinde Feistritz im Rosental, Bezirk Klagenfurt Land (c) Johann Jaritz / CC BY-SA 4.0
Aluminiumguss-Plastik «Ein Körper, zwei Seelen» (2001 von Bruno Gironcoli) im Park von Schloss Ebenau in Weizelsdorf 1, Marktgemeinde Feistritz im Rosental, Bezirk Klagenfurt Land (c) Johann Jaritz / CC BY-SA 4.0
Bruno Gironcoli, Wien - Donaucity, (c) BambooBeast [Public domain]
Bruno Gironcoli, Wien - Donaucity, (c) BambooBeast [Public domain]
Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1995-1997/2007, Aluminiumguss, Landessammlungen Niederösterreich (c) Skunk [CC BY-SA 4.0]
Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1995-1997/2007, Aluminiumguss, Landessammlungen Niederösterreich (c) Skunk [CC BY-SA 4.0]