3. November 2011 - 1:46 / Ausstellung / Sonstige 
13. August 2011 6. November 2011

"Insomnia" lautet der Titel der raumgreifenden transdisziplinären Installation, in der die Bratschistin, Komponistin und Künstlerin Charlotte Hug die "Aggregatszustände der Nacht" auslotet. Ausgangspunkt ist eine besondere Versuchsanordnung: Charlotte Hug setzte sich und ihre kreative Tätigkeit einem 40-stündigen Schlafentzug im Schlaflabor der Universität Zürich aus. Sie zeichnete, spielte und sang ununterbrochen, 40 Stunden lang. Es ging ihr nicht darum, vierzig Stunden wach zu sein, sondern sie wollte die Sicherheitszone verlassen die der Schlaf bedeutet und so künstlerisch zum blinden Fleck der Nacht vordringen.

Der Selbstversuch im Schlaflabor wurde durch eine weitere Erfahrung mit einer anderen Zeit-Dimension konfrontiert und erweitert: Fünf Stunden liess sich Charlotte Hug auf dem Dockyard bei Cork in Südirland überfluten, während sie Geige spielend und singend im Atlantik stand. Die Flut stieg ihr bis zum Hals. Das Spiel wurde fast euphorisch leicht und kraftvoll zugleich.

Auch ihre Graphitzeichnungen auf halbtransparenten Papierbahnen kamen auf dem Slipway mit dem ewigen Spiel von Flut und Ebbe in Berührung, die sie ebenfalls langsam vom Wasser überspülen liess und auf deren Auswaschungen sie dann erneut zeichnete. So entstand durch Flut und bei Ebbe palimpsestartig eine "ewige Zeichnung." Die 85 Meter lange Zeichnung verkörpert als Möbiusschlaufe in der Installation die Verbindung vom "Urchaos bis in die Galaxien", den ewigen Rhythmus der Meere und Gestirne erahnend.

Im Schlaflabor sowie in Irland entstanden Tonaufnahmen von Improvisationen für Viola und Stimme sowie Zeichnungen, aus denen sie Son-Icons für die "Insomnia"- Installation und ihr neues Soloprogramm "Slipway to Galaxies" entwickelt hat. Die Son-Icons zeichnet Charlotte Hug mit beiden Händen, oft verwendet sie dabei mehrere Stifte gleichzeitig. Es entstehen mehrstimmig gezeichnete, bisweilen orchestrale Strukturen.

Michel Foucault spricht von Heterotopien – anderen Orten. Heterotopien bringen auch Räume an demselben Ort zusammen, die eigentlich unvereinbar sind. So sind auch im Kunstmuseum Luzern in der musikalischvisuellen Installation "Insomnia" die künstlerische Erfahrung aus dem Schlaflabor und der Überflutung auf dem Slipway in Cobh in Irland an einem einzigen hybriden und hochaufgeladenen Ort vereint.

Während der gesamten Ausstellungszeit befindet sich die Installation in einem ständigen Wandel, da immer neue Kombinationen von komponierten Musikmodulen, Lichtrhythmen und sich drehende beidseitig bezeichnete Son-Icons zu erleben sind. Darüber hinaus dient der Ausstellungsraum auch als inspirierender Spielort für ein Konzertprogramm von Solo-Performances sowie Improvisationen des Londoner Stellari String Quartet, welches Charlotte Hug im Auftrag von Lucerne Festival zu deren Motto "Nacht" realisiert.

Konzerte in der Ausstellung:

Slipway to Galaxies

Szenische Solo-Performance für Viola und Stimme mit Lichtrhythmen in der "Insomnia"-Installation
Charlotte Hug (Viola und Stimme), Wolfgang Siuda (Regie), Christa Wenger/blendwerk (Lichtdesign), Steven Tod (Technik)

Charlotte Hugs neue Solo-Performance "Slipway to Galaxies" – "Slipway" ist der englische Ausdruck für "Stapellauf" – ist von längeren Aufenthalten in Irland geprägt: Übergänge zwischen Land und Wasser, Tag und Nacht, Leben und Tod stellen ein zentrales Thema der keltischen Mythologie dar, werden durchlebt, gefeiert und besungen, mit Geistern bevölkert und in Erzählungen überführt. Charlotte Hug greift diese Nachtmythen auf und setzt sie mit den Erkenntnissen der Schlafforschung in Verbindung.

Samstag, 13. August, 17.00, Uraufführung
Sonntag, 14. August, 17.00
Dienstag, 16. August, 18.00
Samstag, 20. August, 16.00, anschliessend Round Table im Auditorium
Mittwoch, 24. August, 18.00
Dienstag, 6. September, 18.00, anschliessend Nachgespräch mit Charlotte Hug
Donnerstag, 8. September, 18.00
Sonntag, 11. September, 17.00
Mittwoch, 14. September, 18.00, anschliessend Nachgespräch mit Charlotte Hug

Corpus Nox
Improvisationen des Stellari String Quartet in der "Insomnia"-Installation
Philipp Wachsmann (Violine), Charlotte Hug (Viola), Marcio Mattos (Violoncello), John Edwards (Kontrabass), Christa Wenger/blendwerk (Lichtdesign), Steven Tod (Technik)

Das Stellari String Quartet wurde von Charlotte Hug vor zehn Jahren mitbegründet und vereint mit Philipp Wachsmann, Marcio Mattos und John Edwards gleich drei britische Meister der freien Improvisation. Bei ihren Auftritten im Kunstmuseum werden die Musiker mit der "Insomnia"-Installation und ihren fortwährend sich wandelnden Lichtverhältnissen interagieren: Beim Eindunkeln erleben Musiker wie Publikum Veränderungen in allen Schattierungen und Klangnuancen, was eine gegenseitige Beeinflussung der Wahrnehmung bedingt. Als Spielstätte wird "Insomnia" zum transdisziplinären Erlebnisraum: durch Schlaflosigkeit inspiriert und geformt, oszillierend zwischen visuellem Erleben und entfesselten Klängen, zwischen der Entkoppelung und dem Aufeinanderprallen von Logik und Emotion.

Freitag, 26. August 18.00
Samstag, 27, August, 17.00
Sonntag, 28. August, 17.00
Dienstag, 30. August,18.00, anschliessend Nachgespräch
Freitag, 2. September,18.00

Charlotte Hug - Insomnia
13. August bis 6. November 2011

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1
CH - 6002 Luzern

T: 0041 (0)41 22678-00
F: 0041 (0)41 22678-01
E: kml@kunstmuseumluzern.ch
W: http://www.kunstmuseumluzern.ch/

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Charlotte Hug 'Insomnia'. Musikalisch-visuelle Installation im Kunstmuseum Luzern. Fotos: Georg Anderhub, 2011; © Charlotte Hug
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Charlotte Hug 'Insomnia'. Musikalisch-visuelle Installation im Kunstmuseum Luzern, 2011; © Charlotte Hug
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Charlotte Hug in der Installation 'Insomnia'. Fotos: Alberto Venzago, 2011; © Charlotte Hug