7. September 2011 - 1:48 / Ausstellung 
25. Juni 2011 11. September 2011

In seiner Ausstellung "Cornet of Horse" zeigt Henning Bohl (*1975, lebt in Berlin) im Kunstverein Hamburg mehrere installative Settings, die sowohl thematisch, als auch mittels sich wiederholender Motive, Materialien und deren Handhabe, aufeinander verweisen. Über die Bezugnahme auf das eigene Tun hinaus, enthalten seine Arbeiten zudem eine Vielzahl von zum Teil unterschwelligen Bezügen auf andere Kunst(-Richtungen). Auch wenn dieses Verweisen einer bestimmten Logik folgt, zielt es jedoch nicht unbedingt auf eine Sinnproduktion ab.

Vielmehr geht es Bohl mit seinen Anordnungen um ein Erzählen, als auch darum wie etwas erzählt wird. Zentrum der Ausstellung bilden mehrere Objekte, die insofern an Tische erinnern, als dass sie über vier Standbeine (Schultüten), ein horizontales Gerüst (Keilrahmen) und eine übergroße, sich über das Gestell spannende Deckplatte (Sperrholz und Hartfaserplatten) verfügen. An nur vier minimalen Punkten mit dem Boden in Kontakt, erscheinen die Objekte fast schwebend und in einem prekären Gleichgewicht. Die Keilrahmen, gewissermaßen horizontal liegende Bilder, sind nach oben um ein Volumen erweitert, das sich der Decke entgegenwölbt, während sie nach unten mit den Schultüten an den Boden "gehängt" sind. Die Schultüten ihrerseits zeigen verschiedene Bildwelten, so dass sie in mehrfacher Hinsicht Konzeptionen von Fülle darstellen.

In den ebenfalls in Hamburg präsentierten Bildern der Serie "Frog Substitutes" (2011) sind Fahrradhelme mit Hilfe von Elastikbändern und Tauen durch Aussparungen in den Leinwänden an die Keilrahmen gespannt. Es handelt sich in diesem Fall also um das sehr direkte Anbringen eines Sujets auf einen Bildgrund. Neben dem Ausloten der Möglichkeiten Bildmotive zu generieren, stellt Bohl mit seinen Arbeiten auch Fragen nach der Präsentation und Inszenierung von Kunst. Großformatige Leinwände etwa, auf die teils in mehreren Schichten ausgeschnittene Formen aus Papierbahnen collagiert sind, hängen auf Elementen aus Rigips, die wiederum auf Holzböcken gestapelt eine Architektur neben der Architektur des Ausstellungsraumes bilden. In dieser Befragung, die für Bohl prinzipiell unabgeschlossenen ist, findet eine Relativierung des Status seiner Arbeiten in mehrere Richtungen statt. So werden die Bilder zu Requisiten einer Inszenierung, während den Präsentationsmitteln ein eigenständiger skulpturaler und konzeptueller Wert zukommt.

Im Sinne dieser mehrschichtigen (Selbst-)Verwertungslogik finden sich auch zwei der Fahrradhelm-Bilder als Bestandteile einer Performance wieder, die Bohl gemeinsam mit dem Musiker Sergej Tcherepnin und dem Künstler Ei Arakawa in Tokyo und Frankfurt aufführte. Die beiden Bilder wurden auf Lautsprecherstativen gegenüber von zwei Holzpaneelen angebracht, die an einer beweglichen Garderobe befestigt waren und durch deren Öffnungen Audiokabel mit Kontaktmikrofonen und Stecker gezogen wurden. Während der Performance "Reorienting Orientationalism, New Direction (Haircolour), international class 2011" wurden sogenannte Transducer (Energieumwandler) an den Leinwänden angebracht, die durch Übertragung von Schwingungen Bohls Leinwände buchstäblich in Verstärker für Tcherepnins Musik verwandelten.

Im Rahmen der Ausstellung im Kunstverein Hamburg wird die Musik von Sergej Tcherepnin in der Installation zu hören sein. Der Ausstellungstitel "Cornet of Horse" geht zurück auf den Titel eines Buches von George Alfred Henty (1832-1902) über die Marlborough Wars. Bohl fand ihn, als er nach einer doppeldeutigen Übersetzung für das Wort "Eiswaffel" suchte.

Cornet of Horse
25. Juni bis 11. September 2011

Hamburger Kunstverein
Klosterwall 23
D - 20095 Hamburg

T: 0049 (0)40 32 21 57
F: 0049 (0)40 32 21 59
E: hamburg@kunstverein.de
W: http://www.kunstverein.de/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  25. Juni 2011 11. September 2011 /
16551-1655101.jpg
Untitled, 2009. Installationsansicht The Approach W1, London, 2009. Papier auf Leinwand, 240 x 200 cm; Courtesy Johann König, Berlin
16551-1655102.jpg
'Vintage Contemporaries, color, frown' und 'Vintage Contemporaries, silver, smile', 2008. Papier auf grundierter Leinwand, 300 x 200 cm; Installationsansicht Oldenburger Kunstverein, 2008. Courtesy Johann König, Berlin; Foto: Sabine Reitmaier
16551-1655103.jpg
Theory Garden Of History, 2006. Papier auf Leinwand, 220 x 180 cm; Courtesy Johann König, Berlin